3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Dienstag, 21. September 2021, Nr. 219
Die junge Welt wird von 2582 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 26.08.2021, Seite 8 / Ansichten

Konsequenter Schritt

Algerien bricht Beziehungen zu Marokko ab
Von Jörg Tiedjen
Algeria_Morocco_70700476.jpg
Stellt klar, wer im Maghreb ständig zündelt und für Unruhe sorgt: Algeriens Außenminister Lamamra verkündet den Abbruch der Beziehungen zu Marokko (Algier, 24.8.2021)

Die Bombe platzte am Dienstag, als Algeriens Außenminister Ramtane Lamamra auf einer Pressekonferenz bekanntgab, dass die diplomatischen Beziehungen zu Marokko mit sofortiger Wirkung eingestellt würden. Zur Begründung verwies er auf »feindselige, unfreundliche und böswillige Aktionen« des Königreichs. Lediglich die Konsulate in dem Nachbarland sollen bestehen bleiben, kündigte der Chefdiplomat an. Dieser Schritt kann nach Spekulationen vom Wochenende über die Einstellung einer Gaspipeline, die von Algerien aus über Marokko nach Spanien führt (jW berichtete), nicht überraschen.

Mitte Juli hatte Marokkos Vertreter bei den Vereinten Nationen, Omar Hilale, seine Unterstützung für das »Selbstbestimmungsrecht der Kabylei« erklärt. Das war als Stichelei gedacht, wurde aber in Algier als »Kriegserklärung« wahrgenommen. Gemünzt war die Äußerung auf Lamamra, der erst vor kurzem im Zuge einer Kabinettsumbildung ins Amt gekommen war und einmal mehr die Dringlichkeit erklärt hatte, endlich den Westsahara-Konflikt im Sinne der gültigen UN-Beschlüsse zu lösen: durch ein Referendum der Einwohner über den künftigen Status des Landes. Das aber will das Königreich vermeiden, nach dessen Lesart die Westsahara seit jeher marokkanisch ist.

Vergangenen November war Marokko vorgeprescht und hatte mit einem Angriff auf friedliche Demonstranten im befreiten Teil der früheren spanischen Kolonie einen seit Anfang der 90er Jahre bestehenden Waffenstillstand mit der Westsahara-Befreiungsfront Polisario gebrochen. Rabat war wohl der Überzeugung, die Gelegenheit sei günstig, das Blatt in der Auseinandersetzung um die Westsahara ein für allemal zu eigenen Gunsten zu wenden. Doch jetzt ist klar, dass dies eine Fehlkalkulation war: Der scheidende US-Präsident Donald Trump erkannte zwar kurz vor Torschluss im Dezember die Besatzung des ressourcenreichen Landes durch Marokko an – als Gegenleistung dafür, dass das Königreich sein Verhältnis zu Israel normalisiere. Doch die US-Regierung unter Joseph Biden ließ Trumps Einverständniserklärung wieder in der Schublade verschwinden.

Auch die Kooperation mit Israel hat Marokko bisher kein Glück gebracht. Von dort bezog das Land die Spionagesoftware Pegasus, mit deren Hilfe es nicht nur den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, sondern auch die algerische Staatsführung abgehört hatte, wie im Juli bekannt wurde. Spionage ist zwar das tägliche Brot der Geheimdienste. Allerdings nimmt Algerien dem Königreich übel, dass es Israel »an seine Staatsgrenzen« gebracht habe. Ein weiteres Tabu der algerischen Politik, an das man nicht ungestraft rührt. Marokko hat sich nicht erst in jüngster Zeit erlaubt, was keinem notorischen »Schurkenstaat« durchgehen würde. Es ist zu hoffen, dass Algerien nicht das einzige Land bleibt, das daraus Konsequenzen zieht.

Aktionsabo »Marx für alle« für drei Monate

Die Bundesregierung und der deutsche Inlandsgeheimdienst wollen der Tageszeitung junge Welt den »Nährboden entziehen« unter anderem wegen ihrer marxistischen Weltanschauung. Mit unserem Aktionsabo  »Marx für alle« möchten wir möglichst vielen Menschen diese wissenschaftliche Sichtweise nahebringen und 1.000 Abos für die Pressefreiheit sammeln.

Das Abo kostet 62 Euro statt 126,80 Euro und endet nach drei Monaten automatisch.

Ähnliche:

  • Von Marokko unterhaltene Saboteure sollen für die Waldbrände bei...
    25.08.2021

    Pulverfass vor Explosion

    Konflikt zwischen Algerien und Marokko verschärft sich – Gaslieferungen nach Europa sollen umgeleitet werden
  • Angesichts der aggressiven marokkanischen Politik dringender den...
    11.05.2021

    Propaganda auf Hochtouren

    Marokko erhöht Druck auf Deutschland und Spanien. Neuer UN-Beauftragter für Westsahara
  • Siegesgewiss gegen die Tyrannei des marokkanischen Regimes: Kämp...
    18.02.2021

    Wechselnde Gegner, gleiche Front

    Der Krieg um die Westsahara ist erneut aufgeflammt. Die dortige antikoloniale Bewegung kämpfte gegen Franzosen und Spanier und wehrt sich seit Jahrzehnten gegen Marokko. Hintergründe eines vergessenen Konflikts

Mehr aus: Ansichten

Nur noch bis 26. September: 3 Monate Tageszeitung junge Welt lesen für 62 €. Jetzt bestellen!