Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Gegründet 1947 Montag, 18. Oktober 2021, Nr. 242
Die junge Welt wird von 2589 GenossInnen herausgegeben
Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder > Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Aus: Ausgabe vom 25.08.2021, Seite 10 / Feuilleton

Herricht, Hiort af Ornäs

Von Jegor Jublimov
imago0090982937h.jpg
Barbro Hiort af Ornäs 1964 als Beatrica in Ingmar Bergmans Film »Ach, diese Frauen«

Viele Theaterleute lieben ihren Beruf mit seiner besonderen Atmosphäre so sehr, dass sie am liebsten auf der Bühne sterben wollen. Ist das wirklich erstrebenswert? Rolf Herricht ist es am 23. August vor 40 Jahren geschehen, aber er war erst 53, als sein Herz versagte! Hat er sich so etwas gewünscht? Er stand in dem Musical »Kiss me, Kate!« auf der Bühne seines Stammhauses, des Berliner Metropol-Theaters, und hatte gerade noch mit seinem Partner Wolfgang Ostberg in einem Song den Tod verspottet, als Ostberg beim Schlussapplaus merkte, dass Herricht zusammensackte. Er zog ihn von der Bühne, das Publikum hatte nichts bemerkt und nur noch mehr gelacht …

Rückblickend war Rolf Herricht wohl der beliebteste Komiker der DDR. Der Film entdeckte den Magdeburger Schauspieler 1959. Er mischte Treuherzigkeit und Bauernschläue oftmals als lustiger Partner von Manfred Krug, später als humorvoller Gegenspieler von Gerd E. Schäfer in den Fernsehschwänken um »Maxe Baumann«. Die Defa erkannte schnell, dass Herricht einen ganzen Film tragen kann, und gab ihm Rollen als Vertreter der Staatsmacht – Verkehrspolizist in »Geliebte weiße Maus« (Gottfried Kolditz, 1964), NVA-Reservist in »Der Reserveheld« (Wolfgang Luderer, 1965) oder Kriminalist in »12 Uhr mittags kommt der Boss« (Siegfried Hartmann, 1968). Die Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität im DDR-Alltag zeigte er in Erfolgsfilmen wie »Der Mann, der nach der Oma kam« (Roland Oehme, 1972) und »Der Baulöwe« (Georgi Kissimov, 1980). Hinzu kamen zahllose Auftritte in Unterhaltungsshows, vor allem mit Hans-Joachim Preil als das unsterbliche Duo Herricht und Preil.

In Schweden erinnert man in dieser Woche an Barbro Hiort af Ornäs, die am kommenden Sonnabend 100 Jahre alt geworden wäre und mehr als sechs Jahrzehnte schwedischer Theater- und Filmgeschichte mitgestaltete. Hierzulande kennt man ihren ungewöhnlichen Namen kaum noch, obwohl sie doch auch zweimal für die Defa vor der Kamera stand: 1954/55 in der E.-T.- A.­­ Hoffmann-Adaption »Das Fräulein von Scuderi« von Eugen York neben Henny Porten und kurz darauf in der für sie typischen Rolle einer Schulleiterin in »Spielbankaffäre« (Arthur Pohl, 1957). Beide Filme waren Koproduktionen mit einer schwedischen Filmfirma, wodurch einige Gagen in D-Mark bezahlt werden konnten. Bald darauf wurde der Name Hiort af Ornäs international bekannt, als sie 1958 in Cannes für ihre Rolle in Ingmar Bergmans »Nahe dem Leben« einen Darstellerpreis erhielt. In Bergmans Theaterproduktionen war sie seit 1939 aufgetreten. Er setzte sie noch in fünf weiteren Filmen ein, zuletzt 1973 in »Szenen einer Ehe« als Frau Jacobi. Hiort af Ornäs spielte auch bei anderen Regisseuren wie z. B. den Brüdern Olof und Gustaf Molander. Oft in der Rolle von vertrauensvollen Personen, Müttern und Großmüttern. Mit Mitte 80 drehte sie ihren letzten Film »Das Zeichen des Mörders« (»Den utvalde«, Eric Donell/Martin Söder, 2005). Zehn Jahre später starb sie als eine der großen skandinavischen Schauspielerinnen.

Teste die beste linke, überregionale Tageszeitung. Jetzt an deinem Kiosk!

Die Tageszeitung junge Welt beschreibt in ihrer Berichterstattung die Ausbeutungs- und Machtverhältnisse klar und deutlich. Für alle, die sie verstehen wollen, lohnt sich der Gang zum Kiosk und ein Blick in die  junge Welt!

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Feuilleton

Die Buchlesewoche der Tageszeitung junge Welt vom 20. bis 23. Oktober. Alle Infos hier!