Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Gegründet 1947 Mittwoch, 27. Oktober 2021, Nr. 250
Die junge Welt wird von 2589 GenossInnen herausgegeben
Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder > Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Aus: Ausgabe vom 19.08.2021, Seite 8 / Abgeschrieben

Jetzt erst recht am 1. September demonstrieren!

imago0083080382h.jpg
DKP-Fahnen während des Festakts zur Enthüllung der Karl-Marx-Statue des Künstlers Weishan Wu anlässlich des 200. Geburtstag des Philosophen in Trier

In einer Erklärung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) zur aktuellen Situation in Afghanistan heißt es:

Die NATO-Truppen unter Führung der USA und Beteiligung der Bundeswehr sind nach 20 Jahren Krieg und Besatzung aus Afghanistan abgezogen. Sie verlassen ein zerstörtes Land und sind verantwortlich für Kriegsverbrechen, denen Zehntausende Zivilisten zum Opfer fielen. Dass NATO-Sprecher und Politiker der deutschen Kriegsparteien nun den Vormarsch der Taliban beklagen, ist Heuchelei.

Die radikal-islamistische Bewegung der Taliban, die nun die Regierung in Afghanistan übernimmt, wurde ursprünglich von USA und NATO finanziert und hauptsächlich in Militärlagern in Pakistan ausgebildet. Sie wurde stark gemacht und ausgerüstet, um seinerzeit gegen die sozialistische Regierung der Demokratischen Republik Afghanistan, die von der Sowjetunion unterstützt wurde, vorzugehen. Um Menschenrechte und Entwicklung ist es NATO, USA und BRD in der Region niemals gegangen. Im Gegenteil, es ging um die Bekämpfung einer sozialistisch orientierten Entwicklung unter einer Regierung, die Landreformen einleitete, versuchte, die soziale Lage der Mehrheit der Bevölkerung zu verbessern, ein allgemeines Bildungswesen aufzubauen und die Gleichstellung von Frauen und Männern zu gewährleisten.

Auch bei dem 20jährigen Kriegseinsatz der NATO in Afghanistan ging es nicht um Menschenrechte. Es ging um militärstrategische Positionen, Zugriff auf Handelswege und Rohstoffe. Es ging um die Umzingelung der Russischen Föderation und einen Regime-Change im Iran, um Unterordnung der Region und die Zerstörung jeder Entwicklung, die imperialistischen Interessen widerspricht. 2010 musste Bundespräsident Köhler zurücktreten, weil es den Herrschenden nicht passte, dass er diese Wahrheit auch noch offen aussprach – militärische Einsätze sind notwendig, um wirtschaftliche Interessen zu sichern.

Die USA haben ihre Truppen nicht freiwillig aus dem Land abgezogen, sondern weil der Krieg in Afghanistan auf Dauer weder zu gewinnen noch zu finanzieren war. Und weil sich die internationalen Rahmenbedingungen und damit die Prioritäten der US-Strategie geändert haben. Bereits 2017 wurde die Volksrepublik China in der »Nationalen Sicherheitsstrategie« der USA als »strategischer Rivale« eingestuft. Die USA und ihre Verbündeten setzen nun alles daran, den Aufstieg Chinas zur Weltmacht zu verhindern. Die Kräfte in und um Afghanistan werden abgezogen, um im Pazifik ein Bollwerk gegen China zu errichten.

Afghanistan ist ein weiteres Beispiel für die zerstörerische Politik des Imperialismus, auch des deutschen Imperialismus. Dass die NATO nun auch ihre Unterstützer vor Ort im Stich lässt, zeigt nur noch ein weiteres Mal, dass es ihr um Menschen und deren Leben nie gegangen ist.

Für uns Kommunistinnen und Kommunisten heißt das weiterhin und gerade jetzt: Nein zur NATO – Raus aus der NATO – nein zu allen Auslandseinsätzen der Bundeswehr! Schluss mit der Aggression gegen Russland und China! Mit diesen Forderungen rufen wir zur Beteiligung an den Aktionen der Friedensbewegung zum Antikriegstag am 1. September auf.

Teste die beste linke, überregionale Tageszeitung. Jetzt an deinem Kiosk!

Die Tageszeitung junge Welt beschreibt in ihrer Berichterstattung die Ausbeutungs- und Machtverhältnisse klar und deutlich. Für alle, die sie verstehen wollen, lohnt sich der Gang zum Kiosk und ein Blick in die  junge Welt!

  • Leserbrief von Harald Möller aus Velbert (18. August 2021 um 21:52 Uhr)
    Schön und gut, aber warum ist die Sowjetunion nach sieben Jahren wieder abgezogen aus Afghanistan? Die Sowjetunion war ein direkter Nachbar Afghanistans. Die USA ist 10.000 Kilometer entfernt und war kurz nach der Niederlage in Vietnam demoralisiert vom Protest in den USA und der ganzen Welt. Doch beste Voraussetzungen für die Sowjetunion, das sozialistische Regime in Afghanistan erfolgreich zu stützen. Warum hat es trotz alledem nicht funktioniert? Ganz einfach: Die »sozialistische Basis« gab es bestenfalls in den großen Städten wie in Kabul und konnte nie Fuß fassen in den ländlich und islamisch geprägten Landesteilen. Die von den USA gelieferten »Stinger«-Raketen taten natürlich ihr übriges. Ohne Luftunterstützung durch Hubschrauber und Kampfjets waren die Bodentruppen der Sowjetarmee hilf- und machtlos gegen die Guerillastrategie der Islamisten, die sich damals noch nicht Taliban nannten. Man könnte scherzhaft den Spruch »Von der Roten Armee lernen heißt siegen lernen« abwandeln in »Von der Roten Armee lernen heißt lernen, wann es Zeit ist, das Feld zu räumen«.

Ähnliche:

  • Ernstzunehmender Gegner der NATO: Chinesische Streitkräfte mit H...
    24.03.2021

    Zwei-Feinde-Strategie

    NATO bereitet sich auf Konfrontation mit China vor – ohne die mit Russland zu vernachlässigen. Afghanistan-Abzug relativiert
  • Unter der Regierung Obama wurde der Luftkrieg, vor allem mittels...
    20.01.2017

    Eine fatale Bilanz

    Barack Obama trat 2009 als vermeintlicher Präsident des Friedens an. Statt ­dessen eskalierte er den »Krieg gegen den Terror«. Von Donald Trump ist ­ähnliches zu erwarten
  • Ohne bleibende Wirkung. Die vom Westen finanziell und materiell ...
    16.12.2016

    West- oder Ostanbindung?

    Die Militärintervention in Afghanistan führte die US-Armee und den IWF in die Staaten Zentralasiens. Damit konnte der Einfluss anderer Mächte zurückgedrängt werden. Doch Beijing und auch Moskau sind längst wieder präsent

Die XXVII. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz findet am 8.1.2022 als Präsenz- und Livestreamveranstaltung statt. Informationen und Tickets finden Sie hier.