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Aus: Ausgabe vom 04.08.2021, Seite 15 / Antifa
Bundesverdienstkreuz an Hoffmeister

Späte Ehrung für »Urgestein«

Gewerkschafter und Antifaschist Willi Hoffmeister mit Bundesverdienstkreuz geehrt
Von Markus Bernhardt
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Willi Hoffmeister, Gewerkschafter und Antifaschist

Ob bei Ostermärschen, Demonstrationen gegen Aufzüge alter und neuer Nazis, Protesten von Gewerkschaften für mehr soziale Gerechtigkeit oder Kundgebungen für Klima- und Umweltschutz: Wo immer seine Gesundheit es noch zulässt, ist der Dortmunder Willi Hoffmeister dabei. Am vergangenen Freitag wurde der 1933 im Landkreis Lübbecke geborene und bis heute engagierte Friedensaktivist für sein politisches Wirken mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Übergeben wurde die Auszeichnung von Dortmunds Erstem Bürgermeister Norbert Schilff (SPD), der dazu gemeinsam mit Jutta Reiter, Vorsitzende des Dortmunder Stadtverbands des Deutschen Gewerkschaftsbunds, ins Katholische Krankenhaus im Stadtteil Kirchlinde gekommen war. Dort wird Hoffmeister aktuell medizinisch behandelt.

Willi Hoffmeisters Name ist nicht nur in Dortmund, sondern auch weit über die Grenzen Nordhrein-Westfalens hinaus vielen ein Begriff. Der Ostermarschierer engagiert sich nunmehr seit Jahrzehnten in der Friedensbewegung, in der IG Metall, dem Dortmunder Friedensforum und der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK). Im Kasseler Friedensratschlag, dem Ostermarsch-Rhein-Ruhr-Komitee sowie der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) ist er ebenso aktiv wie beim Bündnis »Dortmund gegen rechts« und dem runden Tisch »Nordstadt gegen rechts« – um nur einige Beispiele zu nennen. Hoffmeister ist zudem Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP).

Die Verbrechen der Nazibarbarei, die Hoffmeister in seinen ersten zwölf Lebensjahren erleben musste, prägten ihn nachhaltig. Der junge Willi lernte von seinen Eltern, die politisch links standen, und seinem Onkel Franz, der schon 1934 als Kommunist im KZ eingekerkert worden war. Dieser Onkel hatte ihm nach elf Jahren KZ-Haft ans Herz gelegt, alles zu tun, dass es nie wieder zu derlei faschistischen Verbrechen käme. Davon erzählte Hoffmeister im September des vergangenen Jahres im Gespräch mit junge Welt (siehe Ausgabe vom 12.9.2020). »Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus«, lautet seitdem sein politisches Programm.

Obwohl Hoffmeister, der im Jahr 1947 nach seiner Schulzeit eine Schreinerlehre begonnen und diese später mit der Note »gut« abgeschlossen hatte, Mitglied der schon 1951 in Westdeutschland verbotenen Freien Deutschen Jugend (FDJ) und 1954 Mitglied der nur zwei Jahre darauf verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) wurde sowie unter dem antikommunistischen Verfolgungsfuror der damaligen Zeit zu leiden hatte, bewahrte er sich allen politischen Niederlagen zum Trotz seine stets geduldige und unaufgeregte Art. »Als besondere Fähigkeit und Eigenschaft Hoffmeisters ist zu erwähnen, dass er ein hohes Maß an Gesprächsbereitschaft für politische Themen gepaart mit einer einnehmenden Freundlichkeit zeigt«, konstatierte auch Dortmunds DGB-Vorsitzende Jutta Reiter anlässlich der Ehrung jenes »Urgesteins« der Friedensbewegung.

Hoffmeister, der 1954 in Dortmund als Stahlarbeiter in den Hoesch-Hüttenwerken auf der Westfalenhütte anheuerte, wurde 1978 in den Betriebsrat gewählt. Daraufhin engagierte er sich gemeinsam mit der überdurchschnittlich politisch engagierten Belegschaft gegen Aufrüstung und Faschismus. Seit 1961, das Jahr des ersten Ostermarsches Ruhr, nimmt Hoffmeister an den Friedensmärschen im Ruhrgebiet teil, die er seit 1971 auch verantwortlich mit vorbereitet.

Autonome Antifaschisten, Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten, Friedensbewegte und Klimaschützer: Sie sind sich einig, dass »selten jemand Orden so verdient« habe, wie der »Friedenskämpfer, Gewerkschafter und Kommunist Willi Hoffmeister«, wie es DKP-Chef Patrik Köbele am Dienstag auf jW-Anfrage formulierte.

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