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Aus: Ausgabe vom 31.07.2021, Seite 3 (Beilage) / Wochenendbeilage

Antimilitarismus und Klassenkampf

Am 13. August vor 150 Jahren wurde Karl Liebknecht geboren. Im Frühjahr 1916 schrieb er über »Die Aufgaben der proletarischen Jugendbewegung«
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Karl Liebknecht, porträtiert von Alfred Frank (1884–1945)

Ostern 1916 fand in Jena eine illegale Konferenz von Vertretern der sozialistischen Jugend Deutschlands statt. Karl Liebknecht hielt das Referat und brachte folgende Resolution ein, die von der Konferenz angenommen wurde:

Die Tendenz der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, die Ausbeutung auch des jugendlichen Proletariats zu steigern, hat sich im Weltkrieg gewaltig verschärft. Diese Verschärfung erstreckt sich sowohl auf die unmittelbar wirtschaftliche Ausbeutung im kapitalistischen Betriebe wie auf die militärische Ausbeutung als Kanonenfutter im Krieg und in der Ausbildung dazu (militärische Jugenderziehung usw.). Hand in Hand damit geht eine Verstärkung des politischen Drucks auf die Arbeiterjugend, eine Bedrohung und teilweise Entziehung ihrer elementarsten Rechte (Beschränkung der Freizügigkeit, Sparzwang, der der Arbeiterjugend und ihren Angehörigen die sauer verdienten Groschen für die Kriegsanleihen abpresst usw.). Diese Umstände, die die klassengesellschaftliche Folge einer rapide erhöhten Bedeutung der Arbeiterjugend für die kapitalistische Gesellschaftsordnung darstellen, peitschen die Arbeiterjugend zur verschärften Beteiligung am wirtschaftlichen und politischen und besonders am antimilitaristischen Klassenkampf.

In voller Würdigung der verschiedenen Formen, in denen sie ihre Aufgabe in den verschiedenen Altersklassen der proletarischen Jugend zu erfüllen hat, ist es die geschichtliche Mission der Arbeiterjugend, in der allgemeinen sozialistischen Bewegung die besonderen Klasseninteressen der proletarischen Jugend zu verfechten, durch Erziehung der Arbeiterjugend zum Klassenbewusstsein und zur ökonomischen und politischen Aktionsbereitschaft und durch Mitwirkung bei der sozialistischen Propaganda in den arbeitenden Massen die Gesamtbewegung der Arbeiterklasse zu fördern und an ihren Aktionen teilzunehmen, wo immer die Möglichkeit vorliegt. (…)

Heute, während des Weltkrieges, ist es die vornehmste Aufgabe auch der proletarischen Jugendbewegung, mit allen Kräften und Mitteln den Krieg zu bekämpfen und die durch ihn geschaffenen Verhältnisse auszunutzen, um den Zusammenbruch der kapitalistischen Klassenherrschaft zu beschleunigen.

Scharfe Abgrenzung gegen alle opportunistischen Neigungen in Prinzip, Taktik und Aktion, auch wo sie unter der Flagge der Opposition gegen die offizielle Instanzenpolitik segeln, und dauernde scharfe Kritik aller Unentschiedenheit und Halbheit ist dringend geboten. Die Konferenz verwirft alle Bestrebungen, die darauf abzielen, unter Verwischung oder Zurückstellung wesentlicher Gegensätze, auf Grund einer unklaren Parole möglichst schnell eine große Anhängerschaft zu sammeln, auf die in entscheidenden Momenten kein Verlass wäre. Erst Klarheit und dann Mehrheit! Keine Sammlung ohne Einheit der Anschauungen! (…) Die Konferenz verwirft die Verwirrungsphrase von der Landesverteidigungspflicht und die Lüge von der nationalen Klassenharmonie während des Krieges und stellt die Pflicht zur internationalen Solidarität und zum Klassenkampf vor alle anderen Pflichten.

Sie erklärt es für die Schuldigkeit jedes klassenbewussten Arbeiters, alles zu tun, um die Macht des Klassenstaates und der herrschenden Klassen zu untergraben, jede Unterstützung für den Krieg unter grundsätzlicher sozialistischer Begründung zu verwerfen, den parlamentarischen Burgfrieden zu zerstören, der Politik des 4. August, die die arbeitenden Massen dem Imperialismus ausliefert, rücksichtslose Offensive entgegenzusetzen, die Parteiinstanzen, die die heiligsten Grundsätze des Sozialismus seit Jahr und Tag mit Füßen treten und die Organisation der Partei durch Staatsstreich auf Staatsstreich in Scherben schlagen, unerbittlich als Verräter und Usurpatoren ihrer Ämter und Mandate öffentlich zu entlarven, so den Parteikonflikt zuzuspitzen und zur raschen und gründlichen Entscheidung zu treiben.

Sie spricht den offiziellen Instanzen der deutschen Jugendbewegung, die sich der Verräterpolitik des Parteivorstandes und der Generalkommission verschrieben haben, jedes Recht zur Vertretung der Arbeiterjugend ab und sagt auch ihnen die schroffste Fehde an.

Sie fordert die Jugendgenossen auf, auch an ihrem Teil dahin zu wirken, dass die Arbeiterorganisationen den pflichtvergessenen Partei- und Gewerkschaftsinstanzen jede Unterstützung versagen und die Mittel sperren, um alle Kraft und alle Mittel den sozialistischen Aufgaben zuzuführen. (…)

Es lebe die proletarische Jugendinternationale!

Es lebe der Klassenkampf, der internationale Klassenkampf gegen den Krieg!

Es lebe die internationale Solidarität der Arbeiterklasse!

Nieder mit dem Imperialismus!

Ein Ende dem Völkermord!

Karl Liebknecht: Die Aufgaben der proletarischen Jugendbewegung. In: Karl Liebknecht: Gesammelte Reden und Schriften, Band VIII. Dietz-Verlag, Berlin 1974, Seiten 608–612

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