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Aus: Ausgabe vom 31.07.2021, Seite 8 / Ansichten

Geschmacksfrage des Tages: Leberkässemmel

Von Oliver Rast
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Kulinarischer Schweinskram – Konfliktpunkt: mittelscharfer oder süßer Senf

Es ist mehr als eine Geschmacksfrage – es ist ein Glaubensgrundsatz, eine Art Religionskrieg: süß versus mittelscharf. Vertut man sich, kann das schon mal im Minimassaker enden. Kein Spaß also. Zum kulinarischen Fall: Ein Herr, noch nicht ganz im Rentenalter, orderte auf dem Münchner Viktualienmarkt eine Leberkässemmel. Ein Gewohnheitsgourmet fürs Nährstoffreiche mit hohem Fettanteil – und vor allem einer mit klarer Vorstellung ob der Würzung. Der 61jährige kennt seine Semmel mit mittelscharfem Senf, partout. Varianten, Experimente? Nix da. Standpunkt ist Standpunkt.

Und dann sowas: Die Verkäuferin, mutmaßlich thekenerfahren, greift zur falschen Tube. Statt mittelscharf kleckst die Gute Süßes auf den fleischlichen Lappen. Fauxpas par exellence. So vermeldete es – dank des nachrichtenlosen Sommerlochs – dpa am Freitag. Nun, man ahnt es, spitzt sich die bajuwarische Alltagsposse dramatisch zu. Der Herr mit dem Mittelscharfspleen rebellierte, forderte den Senfaustausch, stante pede. Was machte die Gute? Sie kratzte, so ist es überliefert, die zermalmten süßlichen Senfkörner von der Leberkässcheibe ab und schmierte Mittelscharfes drüber.

Der Herr, unterdessen krebsrot angelaufen, alarmierte die Streife. Die kam, sah und nahm das Drama auf. »Er (der Herr, jW) wollte das nicht annehmen, weil er den süßen Senf nicht verträgt«, sagte ein fallkundiger Polizeisprecher laut dpa. Der übelst Geschädigte habe eine ganz neue Semmel verlangt, weil es noch »Anhaftungen von süßem Senf« gegeben habe. Mittelscharf mit süßen Spurenelemente, unkombinierbar. Bäh.

Die Gute, offenbar bockig, wollte der zornigen Direktive des essgestörten Herrn nicht nachkommen, weigerte sich. Strafbar ist das nicht, musste der Herr leidvoll amtlich erfahren. Kein Grund für eine Anzeige im geschmäcklerischen Senfkrieg. Fallende.

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