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Aus: Ausgabe vom 30.07.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Integration

Einwanderer zahlen drauf

Studie: Migranten und Nachkommen geben in der Schweiz deutlich mehr für Wohnungen aus
Von Emre Sahin
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Auch in der Schweiz: Wer sich nicht auskennt und »fremd« ist, muss draufzahlen (Wohnheim für Flüchtlinge, Anières, 19.11.2019)

Menschen aus Einwandererfamilien zahlen in der Schweiz mehr Miete als solche ohne Migrationshintergrund. Dies geht aus den am Dienstag veröffentlichten Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) in Neuenburg hervor. Demnach betrug der durchschnittliche Preis pro Quadratmeter 2019 17,20 Schweizer Franken für Einwanderer, während Schweizer ohne Migrationshintergrund mit 15,60 rund zehn Prozent weniger bezahlten.

Da Personen aus Einwandererfamilien in der Regel weniger verdienten, kompensierten sie die überhöhten Mietpreise durch weniger Wohnraum: Sie beanspruchten im Schnitt 32 Quadratmeter pro Person, während die Vergleichsgruppe mit 45 Quadratmetern 40 Prozent mehr zur Verfügung hatte, berichtete das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Auch waren Einwanderer und ihre Nachkommen viel öfter von Wohnproblemen betroffen: Das Verhältnis lag bei 20 Prozent gegenüber 13. Zudem klagten 21 Prozent über Lärm im Viertel, während es 16 Prozent bei Schweizern ohne Migrationshintergrund waren.

Zwar versucht die BFS in der Einleitung zur Studie zu beschwichtigen: »Der Migrationsstatus ist jedoch keinesfalls der einzige erklärende Faktor für die festgestellten Unterschiede zwischen diesen Bevölkerungsgruppen«, heißt es da. Andere Variablen wie das Alter »können ebenfalls« einen Einfluss haben, so die Behörde. Nichtsdestotrotz fällt die prekäre Situation von Einwandererfamilien in der Studie deutlich auf und ist keinesfalls auf den Wohnsektor beschränkt: Sie haben laut Studie auch häufiger Schwierigkeiten, am Monatsende über die Runden zu kommen (17 Prozent gegenüber sieben). Ebenfalls ist ihre Armutsquote höher: Bei Personen ab 16 Jahren liegt sie bei elf Prozent. Bei der Vergleichsgruppe waren es sieben. »Signifikant höher«, weiß auch die Behörde festzustellen.

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