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Aus: Ausgabe vom 30.07.2021, Seite 8 / Ansichten

Porzellanhändler des Tages: Nikola Gruevski

Von Reinhard Lauterbach
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Expremier im Porzellanladen: Nikola Gruevski

Dass Flüchtlinge kein süßes Leben haben, weiß jeder, der nicht gerade AfD oder ähnliches wählt. Ausnahmen bestätigen gelegentlich die Regel: zum Beispiel in der Geschichte des (nord-)mazedonischen Exregierungschefs Nikola Gruevski. Dem gelang es schon Ende 2018 unter filmreifen Umständen, sich vor einer drohenden Haftstrafe wegen Korruption in – ausgerechnet – das notorisch flüchtlingsfeindliche Ungarn abzusetzen. Und mehr als das – er tat dies offenbar mit Hilfe von Diplomaten der ungarischen Botschaft in Tirana, die ihn im CD-beschilderten Auto über Montenegro und Serbien nach Ungarn kutschierten. Dort stellte er einen Asylantrag, und der wurde innerhalb einer knappen Woche auch genehmigt. Wie die Deutsche Welle damals schrieb, dauert es normalerweise ein Vielfaches dieser Zeit, bis andere Flüchtlinge in den Zeltlagern an der ungarischen Grenze überhaupt nur die Gelegenheit bekommen, ihren Antrag einzureichen. Ungarn macht unter Viktor Orban mehr als deutlich, dass es für arme Teufel nichts übrig hat.

Mit reichen Teufeln ist das etwas anderes. Zumal, wenn sie politische Freunde Orbans sind. Wie Budapester Medien jetzt melden, hat Gruevski inzwischen ein Geschäft aufgemacht. Er handle mit Porzellan, Tischdecken und Reinigungsmitteln en gros. Haushaltswaren anstatt korrupter Politik zu verkaufen, ist, wenn das stimmt, immerhin ein Fortschritt. Nicht einmal Integrationswillen kann man dem smarten Jungrechten vom Balkan also absprechen. Ankündigungen des ungarischen Justizministers, Gruevski werde Ungarn schon bald verlassen, haben also getrogen. Spannend wird die Sache, wenn Nordmazedonien bei der nächsten EU-Erweiterungsrunde in den Brüsseler Staatenklub aufgenommen wird. Denn dann müssen »Europäische Haftbefehle« in der Regel in anderen EU-Staaten vollstreckt werden.

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