Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Gegründet 1947 Montag, 18. Oktober 2021, Nr. 242
Die junge Welt wird von 2589 GenossInnen herausgegeben
Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder > Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Aus: Ausgabe vom 30.07.2021, Seite 5 / Inland
Verkehrspolitik

Vergiftetes Angebot

Tarifeinheitsgesetz: Lokführergewerkschaft wirft Deutscher Bahn Täuschung vor
Von Oliver Rast
imago0099046730h.jpg
Könnte ab Mitte August streikbedingt ausfallen: Käffchen im Zug

Der Clinch geht weiter. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hält von Offerten der Deutschen Bahn (DB) bekanntlich wenig. Am Donnerstag lehnte ihr Bundesvorsitzender Claus Weselsky moderierte Gespräche mit der DB und der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ab.

Der Bahnkonzern hatte vor zwei Wochen vorgeschlagen, gemeinsam ein »geordnetes Nebeneinander« der beiden Belegschaftsorganisationen im Trilog zu verhandeln. Die GDL wies nun das Angebot als »unaufrichtig« zurück. Der Wille zur Tarifpluralität bei der DB sei nur vorgeschoben, es handele sich, so Weselsky, »um die x-te Neuauflage der sattsam bekannten Taktik ›Tarnen, Tricksen, Täuschen‹«. Mehr noch, die Konzernspitze wolle die GDL mittels Einschränkung der Geltungsbereiche ihrer Tarifverträge »eliminieren«.

Der Hintergrund der Kontroverse: das sogenannte Tarifeinheitsgesetz (TEG). Es sieht vor, dass in einem Betrieb mit zwei Gewerkschaften nur der Tarifvertrag der jeweils größeren Beschäftigtenvertretung zur Anwendung kommt. GDL und EVG ringen seit Jahren um Mitglieder und Einfluss. Die EVG kritisiert den harschen Ton und berichtet von Anfeindungen gegenüber den eigenen Mitgliedern seitens der Lokführergewerkschaft. In einem Großteil der rund 300 DB-Betriebe stellt die EVG mehr Mitglieder. Bis Ende vergangenen Jahres gab es eine spezielle Vereinbarung zwischen dem Konzern und der GDL, wonach gleichfalls deren Tarifverträge angewendet werden. Dieses Extraübereinkommen ist inzwischen ausgelaufen, eine Folgeregelung gibt es nicht. Für eine solche braucht es ferner die Zustimmung der EVG, und die fehlt.

Die GDL beklagt in ihrer Mitteilung zum wiederholten Mal, dass die DB ihr lediglich in 16 Konzernbetrieben eine Mitgliedermehrheit zuweisen würde. Spätestens hier werde sichtbar, »was von (…) einer angeblich ›geordneten Koexistenz‹ der Gewerkschaften zu halten ist«, so Weselsky. Und weiter: »Doch die Friedhofsruhe, die der Arbeitgeber uns zugedacht hat, kriegt er nicht.« Gegen die »willkürliche Anwendung« des TEG gehe die GDL fortgesetzt juristisch vor.

Konfliktstoff gibt es eh: Die GDL befindet sich seit Monaten im Tarifstreit mit der DB. Sie fordert – analog zum öffentlichen Dienst – ein Entgeltplus von 3,2 Prozent sowie eine satte Coronaprämie für das laufende Jahr. Derzeit läuft eine Urabstimmung bis zum 9. August über unbefristete Streiks.

Unterdessen verbreitete die DB neue Hiobsbotschaften. Der bundeseigene Konzern macht kontinuierlich vor allem eins: Verluste. Nicht zu knapp, rund zwei Milliarden Euro dürften es im Gesamtjahr 2021 sein, nach unterm Strich 5,7 Milliarden im Jahr zuvor, wie der DB-Vorstand am Donnerstag mitteilte.

Teste die beste linke, überregionale Tageszeitung. Jetzt an deinem Kiosk!

Die Tageszeitung junge Welt beschreibt in ihrer Berichterstattung die Ausbeutungs- und Machtverhältnisse klar und deutlich. Für alle, die sie verstehen wollen, lohnt sich der Gang zum Kiosk und ein Blick in die  junge Welt!

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Ähnliche:

  • Die GDL will längst nicht mehr nur Lokführer organisieren, sonde...
    16.06.2021

    Mehr als höhere Löhne

    Aktuelle Auseinandersetzung bei der Deutschen Bahn ist auch eine um Einfluss. Lokführergewerkschaft kämpft juristisch um Anwendung ihrer Abschlüsse
  • Die Bahn-Beschäftigten schuften. Der Konzern ist in der Auseinan...
    19.03.2021

    Union Busting per Gesetz

    Deutsche Bahn AG macht Druck bei Tarifeinheit. Gewerkschaftsstärke ausgelotet

Die Buchlesewoche der Tageszeitung junge Welt vom 20. bis 23. Oktober. Alle Infos hier!