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Aus: Ausgabe vom 28.07.2021, Seite 7 / Ausland
Krieg in Syrien

Kämpfe nehmen zu

Syrien: Anschläge und Angriffe im Norden. Konferenz über Rückkehr von Geflüchteten begonnen
Von Karin Leukefeld
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Gewalt prägt im Norden Syriens den Alltag von Zivilisten (Idlib, 19.4.2020)

Während im Norden Syriens Anschläge und Kämpfe das Geschehen bestimmen, hat die israelische Luftwaffe innerhalb einer Woche dreimal das Land angegriffen. Libanon protestierte gegen die völkerrechtswidrige Nutzung seines Luftraums dafür. In Damaskus fand zum zweiten Mal eine Konferenz zur Rückkehr von Flüchtlingen statt.

Bei einem Anschlag auf einen türkischen Militärkonvoi nahe der von der Türkei besetzten Stadt Al-Bab nördlich von Aleppo sind am Sonntag zwei türkische Soldaten getötet und zwei weitere verletzt worden. Nach Angaben der türkischen Armee habe man unmittelbar darauf »Terrorziele« in der Region angegriffen, ohne mitzuteilen, wer genau im Visier stand. Russische Medien mutmaßten, dass es sich um die kurdische Miliz YPG gehandelt haben könne. Sie sei in diesem Gebiet und auch westlich in Afrin aktiv.

Die kurdische Nachrichtenagentur ANF berichtete nicht über diesen Angriff auf das türkische Militär, sondern über eine Operation der »Afrin-Befreiungskräfte«, die ebenfalls am Sonntag ein gepanzertes Fahrzeug der türkischen Armee zerstört hätten. Dabei sollen nach ANF-Angaben fünf türkische Soldaten getötet worden sein. Dem Artikel war ein Video beigefügt, das den Angriff zeigte. Es habe sich um eine Vergeltung dafür gehandelt, dass türkische Kräfte im Juli den Friedhof der kurdischen Guerilla in Afrin zerstört hätten. In Manbidsch und Tel Rifat demonstrierten organisierte kurdische Jugendliche gegen die türkische Besatzung.

Im Nordosten Syriens nutzten US-Truppen die türkisch-kurdische Konfrontation, um schweres Militärgerät und Baumaterial vom Nordirak widerrechtlich über die Grenze nach Syrien zu transportieren. Laut Quellen vor Ort seien 75 Lastwagen gezählt worden, die zur illegalen US-Basis in Al-Schadadi fuhren. Weitere US-Basen werden aktuell auf dem syrischen Ölfeld Al-Omari in Deir Al-Sor und nahe den Ölfeldern von Rumeilan an der syrisch-irakischen Grenze im Nordosten ausgebaut.

In der nordwestsyrischen Provinz Idlib nehmen die Kämpfe unterdessen wieder zu. Allein am Dienstag griffen nach russischen Angaben bewaffnete Gruppen der dschihadistischen Miliz Haiat Tahrir Al-Scham (HTS) 29mal Stellungen der syrischen Armee an. Aus syrischer und russischer Sicht wurde damit der Waffenstillstand gebrochen, der im März 2020 zwischen Russland und der Türkei für das Gebiet Idlib ausgehandelt worden war. Die syrische Artillerie reagierte auf den Beschuss, auch die russische Luftwaffe griff in die Kämpfe ein und bombardiert seit dem Wochenende Stellungen der HTS in Idlib. Umgekehrt flog die israelische Luftwaffe in der vergangenen Woche drei Entlastungsangriffe für die bewaffneten Gruppen in der syrischen Provinz. Der dritte zielte am Sonntag auf Sajida Seinab ab, einen südlichen Vorort von Damaskus. Die israelischen Lenkraketen wurden nach russischen Angaben von der syrischen Luftabwehr abgeschossen. Russland hat die syrische Armee mit dem eigenen Luftabwehrsystem »Buk-M2E« ausgestattet.

Um die Rückkehr von Flüchtlingen unter internationaler Beteiligung ging es derweil am Montag auf einer zweiten syrisch-russischen Konferenz in Damaskus. Zuvor war der syrische Präsident Baschar Al-Assad mit dem russischen Sonderbeauftragten für Syrien, Alexander Lawrentiew, zusammengetroffen, um über »gemeinsame Anstrengungen und bilaterale Kooperation« in der Frage zu beraten, wie die libanesische Tageszeitung Al-Akhbar berichtete. Neben rund 230 russischen Delegierten nahmen an der Konferenz auch Vertreter syrischer Organisationen, das Koordinationsbüro der UNO und Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz teil.

Es sei gut, dass die Diskussion über die Rückkehr der Geflüchteten und Inlandsvertriebenen intensiviert werde, erklärte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, allerdings müssten bei der Umsetzung »internationale Grundsätze« sichergestellt sein. Die Menschen sollten »in ihren Wahlmöglichkeiten« unterstützt werden. Das UNHCR und seine Partner unterstützen demnach die Rückkehr der aus ihrer Heimat Geflohenen, indem sie den Wiederaufbau ziviler Infrastruktur in den Rückkehrgemeinden fördern.

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