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Aus: Ausgabe vom 26.07.2021, Seite 7 / Ausland
Illegale Siedlungen

Scharfe Munition gegen Steine

Westbank: Teenager bei Protesten gegen israelische Siedlung durch Soldaten getötet. Landraub geht ungehindert weiter
Von Gerrit Hoekman
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Haben keine Hemmungen, scharf zu schießen: Israelische Soldaten positionieren sich in der Westbank (21. Mai)

Eine israelische Patrouille hat am Freitag im Dorf Nabi Salih in der Nähe von Ramallah den 17 Jahre alten Mohammed Tamimi erschossen. Der Teenager wurde in den Bauch getroffen und starb wenig später in einem Krankenhaus. Das meldete die staatliche palästinensische Nachrichtenagentur WAFA am Sonnabend. Die israelische Armee erklärte, mehrere Dutzend Palästinenser hätten die Soldaten mit Steinen angegriffen. »Während der Ausschreitungen warf ein palästinensischer Verdächtiger Steine auf eine Weise, die einen der Soldaten tödlich bedrohte. Der Soldat leitete eine Festnahme ein, die auch Schüsse auf den Verdächtigen umfasste«, teilte die Armee laut der Onlinezeitung Times of Israel mit. Die Armee will den Fall untersuchen.

Es kommt auf der Westbank inzwischen regelmäßig vor, dass israelische Soldaten mit scharfer Munition auf Steine werfende Demonstranten antworten. Im Dorf Beit bei Nablus wurden ebenfalls am Freitag während einer Demonstration mit mehreren hundert Teilnehmern 320 Zivilisten verletzt, davon 21 durch scharfe Kugeln. Zwei Krankenwagen seien zertrümmert worden, sagte ein vor Ort anwesender Vertreter vom Roten Halbmond laut der Nachrichtenagentur Maan. Während die Palästinenser von einer friedlichen Demonstration sprechen, behauptet die israelische Armee, die Teilnehmer hätten sie mit Steinen attackiert. Es geht um den Außenposten Eviatar, den 200 radikale jüdische Siedler vor etwas mehr als zwei Monaten auf einem Hügel unweit von Beita errichtet haben. Die Palästinenser wollen unbedingt verhindern, dass auf ihrem Grund und Boden aus dem Außenposten eine neue illegale Siedlung wird. Nachts bestrahlen sie die Siedler mit Laserlicht, skandieren Parolen und stecken Reifen in Brand, berichtet Times of Israel. Jeden Freitag gibt es einen Protestmarsch auf dem Weg zum Hügel, auf dem inzwischen bereits einige hastig gebaute Fertighäuser stehen.

Die Siedler sind ganz offensichtlich gekommen, um zu bleiben. Sie glauben, Gott habe ihnen das Land versprochen. Nach einer Vereinbarung mit dem neuen israelischen Premierminister Naftali Bennett zogen sie Anfang Juli zwar ab, doch die Gebäude blieben stehen und werden jetzt von der israelischen Armee bewacht. Die Palästinenser, denen das Land zweifelsfrei gehört, auf dem Eviatar steht, nehmen an, die Siedler werden über kurz oder lang zurückkehren. Sie verlangen deshalb den vollständigen Abriss des illegal errichteten Außenpostens. »Die Vereinbarung fand ohne Vertreter der Landbesitzer statt. Es ist eine Vereinbarung zwischen der israelischen Besatzungsmacht und den Siedlern«, sagte der stellvertretende Bürgermeister Beitas, Mousa Hamayel, gegenüber der Times of Israel. Die Palästinenser kündigen an, ihren Widerstand fortzusetzen, bis ihre Forderung erfüllt ist. »Solange wir keinen Zugang zum Land haben, wird es weiterhin eine natürliche Reaktion geben«, so Hamayel. Laut WAFA wurden bis heute bei den Protesten fünf Palästinenser durch israelische Kugeln getötet.

Auch an anderer Stelle geht der Landraub ungehindert weiter. In Tubas im Jordantal besetzten radikale Siedler ein Areal, das einst von der israelischen Armee genutzt, aber vor einigen Jahren aufgegeben wurde, berichtete WAFA am Sonnabend. In der Nacht sollen die Siedler auf das Gelände eingedrungen sein, um auch dort einen illegalen Außenposten aufzubauen. Lokale palästinensische Aktivisten organisierten einen Protestmarsch, der von den Siedlern angegriffen worden sein soll. Die anwesenden israelischen Soldaten hätten sie dabei unterstützt. Verletzte wurden nicht gemeldet. Ein vierter Zwischenfall ereignete sich ebenfalls am Sonnabend im Zentrum von Al Chalil (Hebron), als jüdische Siedler, die sich dort in einem Viertel niedergelassen haben, offenbar ein Fernsehteam des Senders Al-Dschasira angriffen und vertrieben, wie WAFA meldete.

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