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Aus: Ausgabe vom 24.07.2021, Seite 4 (Beilage) / Wochenendbeilage
Bildreportage

Tanz ist unvoreingenommen

Lebenstraum Ballett: In Mexiko tanzt Aaron allen gesellschaftlichen Widerständen zum Trotz
Von Santiago Barreiro
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Ohne sie ginge es nicht: Aarons Großmutter Magda

Die Ausübung des klassischen Tanzes im Abendland beinhaltete von Anfang an Situationen der Verletzlichkeit und des Ausschlusses und hat negative Klischees über Männer erzeugt, die in dieser Disziplin ihren Lebensweg suchen. In der lateinamerikanischen Kultur sind die hegemonialen Vorstellungen darüber, was es bedeutet, ein Mann zu sein, oft entscheidend für die Wahrnehmung des Balletts als Kunst. Auch im 21. Jahrhundert hat es der männliche Tänzer noch nicht geschafft, sich in jener Gesellschaft zu etablieren, in der der »Machismo« und dadurch bestehende Vorurteile nur die Ausübung von Sportarten zulassen und befürworten, die, gestützt auf die Heteronormativität, als »männlich« gelten. In dieser Denkweise wird der Tanz meist mit Weiblichkeit assoziiert. Diese Vorstellung bringt ein weites Feld von sozialen Konflikten und individuellem Leid mit sich.

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Für Aaron ist Magda wie eine Mutter

Der Mann von heute versucht zu fühlen, sich auszudrücken und sich von seinen festgelegten »Pflichten« (sich fortpflanzen, versorgen und beschützen) zu befreien. Die Gesellschaft besteht jedoch darauf, weiterhin Rollen zuzuweisen – der Tanz selbst trennt nicht, unterscheidet nicht, ist nicht voreingenommen.

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Aaron hat die notwendige Disziplin für seinen Traum

Aaron de Jesus Marquez lebt im mexikanischen Veracruz. Vor etwa sieben Jahren erzählte der Kantor seiner Großmutter Magda: »Nimm das Kind aus dem Ballett. Hör mir zu, da werden die Kinder homosexuell.« Um sich nicht auf Diskussionen einzulassen, stimmte sie zu, aber sie nahm ihn nie raus, denn das war Aarons Traum, und sie würde ihn immer unterstützen.

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Tanz kennt keine gesellschaftliche Trennung

Die beiden leben zusammen, und für Aaron ist Magda mehr wie eine Mutter. Sie zog ihn groß, nachdem sein Vater gestorben und seine biologische Mutter auf der Suche nach einer besseren Zukunft ausgewandert war. Magda kümmert sich um die Familie und sorgt dafür, dass ihr Enkel seine Träume erfüllen kann. Eine Karriere als klassischer Tänzer erfordert jede Menge Einsatz und Disziplin.

Klassischer Tanz gibt dem Mann eine stilisierte Art, den Körper zu bewegen, und schlägt eine Körpersprache vor, die sich nicht unbedingt der für so viele andere Disziplinen charakteristischen Wucht und Kraft bedienen muss. Aaron tanzt, um sich ohne Worte auszudrücken und sich von der Struktur zu befreien, die männliche Gefühle in Frage stellt und beurteilt.

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