3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Sa. / So., 25. / 26. September 2021, Nr. 223
Die junge Welt wird von 2582 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 24.07.2021, Seite 8 / Ansichten

Den Fortschritt gebracht

Xi Jinping in Tibet
Von Jörg Kronauer
imago0120792657h.jpg
Hochgeschwindigkeitszug auf der Eisenbahnstrecke Lhasa-Nyingchi während eines Probebetriebs (Juni 2021)

Die gesellschaftlichen Verhältnisse waren gruselig in dem kargen, dünn besiedelten Gebiet. Das Staatsoberhaupt kontrollierte fast 40 Prozent des Landes; der Adel, rund fünf Prozent der Bevölkerung, verfügte über ein weiteres Viertel; der Klerus, dem etwa 15 Prozent der Einwohner angehörten, besaß mehr als ein Drittel der nutzbaren Flächen. 20 Prozent der Bevölkerung waren ärmlich dahinvegetierende Nomaden, rund 60 Prozent fristeten als Leibeigene mit lebenslanger Bindung an die Scholle ihr Leben. Gar nicht erst mitgezählt wurden die Sklaven, deren Zahl sich nicht zuverlässig rekonstruieren lässt, die aber zumindest in einigen ländlichen Regionen einen zweistelligen Prozentanteil an der Gesamtbevölkerung erreicht haben dürften. Das Gebiet – es war Tibet zur Zeit seiner Befreiung, als die Volksrepublik es unter ihre Kontrolle brachte und begann, die erdrückende Mehrheit der Bevölkerung aus der Leibeigenschaft, der Sklaverei und der oft tyrannischen Herrschaft der oberen Ränge des Klerus zu lösen.

Von Mittwoch bis Freitag hat Chinas Präsident Xi Jinping Tibet aus Anlass des 70. Jahrestages seiner Befreiung im Jahr 1951 bereist. Xi traf am Mittwoch in der Großstadt Nyingchi im Osten Tibets ein, ließ sich über die lokale Entwicklungsplanung und Maßnahmen zum Umweltschutz informieren und fuhr anschließend mit dem Zug nach Lhasa. Die Strecke ist seit einem Monat an das chinesische Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen. Das bringt der Bevölkerung größere Mobilität und begünstigt die Verbesserung des Lebensstandards in dem abgelegenen Gebiet. Tibet ist eine der Regionen, in denen Beijing noch im vergangenen Jahr große Anstrengungen unternahm, um die extreme Armut auszurotten. Das ist letzten Endes gelungen.

Der westliche Blick auf Tibet richtet sich freilich gewöhnlich auf anderes – auch Freitag, als über Xis Tibet-Reise informiert wurde. An erster Stelle steht üblicherweise der Dalai Lama, der bis zu ihrer Befreiung durch die Volksrepublik über die tibetischen Leibeigenen und Sklaven herrschte. Dass der Exponent einer derartigen Herrschaftsordnung in Zeiten von »Black Lives Matter« immer noch Anerkennung genießt, lässt sich nur dadurch erklären, dass er den westlichen Mächten als Instrument im Kampf gegen die Volksrepublik dient. Längst ist umfassend dokumentiert, wie der Dalai Lama in den 1950er Jahren ausführlich mit der CIA konspirierte, um Tibet aus der Volksrepublik herauszubrechen. Das Ziel hatten bereits die britischen Kolonialherren in Indien verfolgt, als sie im Jahr 1914 versuchten, die geschwächte Regierung der jungen Republik China zur Unterzeichnung der Simla Convention zu bewegen. Diese hätte das völkerrechtlich zu China gehörende Tibet faktisch eigenständig gemacht, weshalb die chinesische Regierung Londons koloniale Anmaßung nicht unterschrieb. Das Ziel, China durch Förderung der tibetischen Separatisten zu schwächen, verfolgen die ehemaligen Kolonialmächte bis heute.

Aktionsabo »Marx für alle« für drei Monate

Die Bundesregierung und der deutsche Inlandsgeheimdienst wollen der Tageszeitung junge Welt den »Nährboden entziehen« unter anderem wegen ihrer marxistischen Weltanschauung. Mit unserem Aktionsabo  »Marx für alle« möchten wir möglichst vielen Menschen diese wissenschaftliche Sichtweise nahebringen und 1.000 Abos für die Pressefreiheit sammeln.

Das Abo kostet 62 Euro statt 126,80 Euro und endet nach drei Monaten automatisch.

Zur neuen Leserbrieffunktion auf jungewelt.de

  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (24. Juli 2021 um 10:22 Uhr)
    Ergänzend zum Artikel: »Das ›Autonome Gebiet Tibet‹ ist seit dem 1. September 1965 eine Verwaltungseinheit der Volksrepublik China auf dem Gebiet des historischen Tibet. Nach der Machtübernahme der Kommunistischen Partei und Gründung der Volksrepublik China unter Führung von Mao Zedong im Oktober 1949 kam der Plan einer ›Befreiung‹ Tibets vom ›britischen, imperialistischen Joch‹ auf, der auch umgesetzt wurde. Das infolge des ›Abkommens zur friedlichen Befreiung Tibets‹ entstandene ›Autonome Gebiet Tibet‹ ist das ehemals unabhängige Tibet mit einer Fläche von 1,22 Millionen Quadratkilometern. Beim Zensus der Volksrepublik China im Jahre 2010 wurde für das Autonome Gebiet Tibet eine Einwohnerzahl von 3.002.165 ermittelt (Bevölkerungsdichte: circa 2,34 Einwohner pro Quadratkilometer, ein sehr dünn besiedeltes Gebiet!). Alle tibetischen Gruppen in China zusammen dürften eine Gesamtbevölkerung von etwas über fünf Millionen aufweisen. Seit dem Jahr 2002 besitzt die tibetische Sprache im ›Autonomen Gebiet Tibet‹ den gleichen Rechtsstatus wie das landesweit gebräuchliche Hochchinesisch. Seitdem ist die tibetische Sprache und Schrift Teil des Lehrprogramms aller Schulen. Für wichtige Konferenzen, Versammlungen und Sitzungen oder vor Gericht legt das Gesetz fest, dass jeder sowohl die tibetische Sprache als auch Han-Chinesisch verwenden kann. Ein gebildeter Bürger in Tibet sollte also sowohl die tibetische wie auch die chinesische Sprache beherrschen. Vorherrschende Religion blieb der tibetische Buddhismus. Nach offiziellen chinesischen Angaben gibt es zur Zeit in Tibet über 1.700 Stätten für tibetisch-buddhistische Aktivitäten mit etwa 46.000 buddhistischen Mönchen und Nonnen.« (Quelle: Wikipedia)

Ähnliche:

  • Wahllokal im indischen Dharamsala am 11. April
    22.04.2021

    Kurs bleibt unverändert

    Exiltibeter wählen Regierung. Junge Kandidaten rücken nach, politische Positionen bleiben die alten
  • »Tief beeindruckt von Mao Zedongs außergewöhnlicher Persönlichke...
    16.03.2019

    Mittelalter beendet

    Vor 60 Jahren floh der Dalai Lama aus China. Er konnte die Modernisierung Tibets nicht aufhalten

Regio:

Mehr aus: Ansichten

Letzte Möglichkeit: Drei Monate Aktionsabo »Marx für alle« für 62 Euro!