3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Sa. / So., 25. / 26. September 2021, Nr. 223
Die junge Welt wird von 2582 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 22.07.2021, Seite 4 / Inland
Lage von Geflüchteten und Migranten

Von Moria bis Potsdam

Selbstorganisierte Gruppe geflüchteter Frauen bricht zu Bustour auf. Kritik an System der Sammelunterkünfte
Von Annuschka Eckhardt
123.jpg
Frauen tanzen während der Kundgebung zum Auftakt der »Women in Exile«-Bustour gegen Lager und Rassismus (Potsdam, 21.7.2021)

In der altpreußisch anmutenden Kulisse zwischen Filmmuseum und Stadtschloss in Potsdam haben sich am Mittwoch vormittag etwa 60 Menschen versammelt, unter ihnen viele Kinder. Sie rufen lautstark »Alle Lager abschaffen«. Zwischen den Säulen der Ringerkolonnade, auf denen kleine dicke Engelsfiguren thronen, sind Transparente aufgespannt, »Women in ­Exile Bustour 2021« und »Solidarität mit geflüchteten Frauen« steht darauf. Die selbstorganisierte Gruppe geflüchteter Frauen »Women in Exile and Friends« (dt.: Frauen im Exil und Freunde) bricht am Mittwoch von Potsdam aus zu ihrer alljährlichen Bustour gegen das Lagersystem und Rassismus auf. Die Frauen machen seit 2015 Touren in verschiedene Bundesländer, um sich mit anderen geflüchteten Frauen zu vernetzen, insbesondere mit denen, die in lagerähnlichen Geflüchtetenunterkünften leben.

Dieses Jahr fahren 40 Frauen und 18 Kindern aus Berlin und Brandenburg zu Erstaufnahmeeinrichtungen und sogenannten Gemeinschaftsunterkünften in Brandenburg, Hamburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern, organisieren Workshops und nehmen an Demonstrationen gegen Rassismus teil.

Madeleine Mawamba, die Sprecherin von Women in Exile, sagt am Mittwoch gegenüber jW, dass geflüchtete Frauen und Kinder besonders diskriminiert würden. »Die Zustände in den Lagern sind katastrophal und traumatisierend«, es gebe viel Gewalt gegen Frauen und keine Möglichkeiten, sich zu schützen, denn die Zimmer dürften »aus Sicherheitsgründen« nicht abgeschlossen werden. Schlimm sei auch die Furcht vor Deportationen mitten in der Nacht und vor sexualisierter Gewalt. Die Plena der Organisation, an denen bis zu 150 Frauen beteiligt sind, dienten auch dem Informationsaustausch über Ärzte, Psychologen und Anwälte, die unterstützen: »Wenn die Frauen hier ankommen, verstehen sie erst mal nichts, dann sehen sie Women in Exile, und es gibt Hoffnung.«

Brandenburg ist im Bundesvergleich eines der Länder mit der höchsten Quote an Unterbringung in Sammelunterkünften. Eine Anfrage der Partei Die Linke ergab in diesem Jahr, dass Stand Ende 2020 insgesamt 8.465 Menschen in sogenannten Gemeinschaftsunterkünften untergebracht wurden. Dazu kommen die Menschen, die in den besonders prekären Erstaufnahmezentren leben müssen. In Brandenburg gibt es vier dieser Zentren, in denen zum gleichen Zeitpunkt 1.224 Menschen leben mussten.

Die Aufnahmeeinrichtungen des Landes Brandenburg gelten dem Bundesinnenministerium als »funktionsgleich« mit den sogenannten Anker-Zentren. Die Menschen dort dürfen nicht selber kochen, nicht arbeiten und können bis zu 24 Monate lang festgehalten werden. Im Koalitionsvertrag der brandenburgischen Regierung aus CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen war eine Neuerung vorgesehen: Frauen mit Kindern sollten nur noch bis zu einem Jahr in den sogenannten Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden dürfen. Konkrete Schritte zur Änderung der aktuellen Praxis sind von der grünen Integrationsministerin Ursula Nonnemacher allerdings noch nicht unternommen worden. Mara Hasenjürgen vom Flüchtlingsrat Brandenburg sagt am Mittwoch im jW-Gespräch: »Lagerstrukturen sind eine Parallelwelt, von der viele Menschen in der BRD nichts wissen.«

Aktionsabo »Marx für alle« für drei Monate

Die Bundesregierung und der deutsche Inlandsgeheimdienst wollen der Tageszeitung junge Welt den »Nährboden entziehen« unter anderem wegen ihrer marxistischen Weltanschauung. Mit unserem Aktionsabo  »Marx für alle« möchten wir möglichst vielen Menschen diese wissenschaftliche Sichtweise nahebringen und 1.000 Abos für die Pressefreiheit sammeln.

Das Abo kostet 62 Euro statt 126,80 Euro und endet nach drei Monaten automatisch.

Ähnliche:

  • Wissen noch nicht so genau, ob sie extrem Rechte in ihren Reihen...
    16.03.2021

    Streit in der GdP

    Im Gegensatz zum Bundesvorstand will sich Brandenburgs Landesverband der Gewerkschaft der Polizei nicht von AfD abgrenzen
  • AfD im Höhenrausch: Parteichef Bernd Lucke (i.) und sei...
    16.09.2014

    Verschiebung nach rechts

    Landtagswahlen 2014. In Thüringen und Brandenburg werden die bisherigen Oppositionsparteien gestärkt. Mit dem Aufstieg der AfD erhält die CDU eine neue Machtoption

Letzte Möglichkeit: Drei Monate Aktionsabo »Marx für alle« für 62 Euro!