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Aus: Ausgabe vom 20.07.2021, Seite 8 / Ansichten

Hacker des Tages: Deutsche Behörden

Von Sebastian Carlens
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Der Staat liest mit. Im Zweifel alles

Am Sonntag wurde berichtet, dass Hunderte Journalisten und Oppositionelle aus aller Welt zum Opfer digitaler Abhöraktionen geworden sind. Geheimdienste und Polizeibehörden mehrerer Länder sollen die vom israelischen Unternehmen NSO angebotene Software »Pegasus« verwendet haben. Ohne Frage ein Skandal – die Firma geht schließlich genauso skrupellos vor wie gewöhnliche Hacker; sie nutzt Sicherheitslücken, die selbst den Herstellern von Geräten und Software noch nicht bekannt sind. Dadurch werden schwerwiegende Attacken auch durch Dritte möglich, denn es liegt im Interesse der Dienste, diese »Zero-Day-Exploits« entsprechend lange zu nutzen, anstatt sie Apple oder Google zwecks Behebung zu melden. Das gefährdet wiederum Millionen Menschen, die eigentlich gar nicht im Visier staatlicher Hacker stehen. Auch Kriminelle nutzen solche Sicherheitslücken irgendwann aus.

Heuchlerisch an der Aufregung über »Pegasus« ist in der BRD jedoch noch etwas anderes: Keineswegs besser benehmen sich die deutschen Dienste. Das, was als »Staatstrojaner« unrühmliche Bekanntheit erlangt hat, gleicht »Pegasus« bis aufs Haar. Auch hier werden per Fernzugriff Geräte gehackt, nach einer Gesetzesnovelle darf die Bundespolizei selbst Computer und Telefone von Personen überwachen, von denen sie glaubt, dass sie irgendwann eine Straftat begehen könnten. BND und Verfassungsschutz arbeiten sowieso weitestgehend ohne gerichtliche Kontrolle. Die Standortabfrage per »stiller SMS« ist schon seit Jahren im Repertoire des Staates (und wird massenhaft eingesetzt).

Am meisten beängstigt allerdings das Ausbleiben fast jeglichen Protestes gegen einen Staat, der in Wegelagerermanier vorgeht und bereits bei Verdacht zu außerordentlichen Maßnahmen greift. Wenn Gesetzeshüter und Verbrecher zu identischen Methoden greifen, sagt das auch etwas aus.

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