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Aus: Ausgabe vom 20.07.2021, Seite 1 / Titel
Genua 2001

Kampf geht weiter

Proteste in Genua vor 20 Jahren: Carlo Giuliani von Carabiniere erschossen
Von Daniel Bratanovic
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Das großformatige Ölgemälde Thomas J. Richters mit dem Titel »Für Carlo Giuliani«, das der Künstler nach den Ereignissen von 2001 entworfen hatte, sollte ursprünglich als Leihgabe in einem Beratungsraum der PDS (heute Die Linke) im Karl-Liebknecht-Haus in Berlin hängen, die Partei nahm allerdings Abstand davon. Seit seiner Fertigstellung ziert es statt dessen die Redaktionsräume der Tageszeitung junge Welt

Ein Kopfschuss aus der Waffe eines Carabiniere, der kurz zuvor gerufen hatte: »Ich werde euch töten«, streckt den jungen Mann nieder. Der tödlich Getroffene fällt zu Boden, der Polizeijeep, aus dem der Schütze gefeuert hatte, setzt zurück, fährt weg und überrollt den 23jährigen dabei zweimal. Der Mord an Carlo Giuliani vom 20. Juli 2001 im Rahmen der Proteste gegen den G8-Gipfel in Genua war kaum ein Zufall. Gipfelgastgeber Silvio Berlusconi und seine aus faschistischen und rassistischen Kräften zusammengeschmiedete Regierungskoalition hatten von Anfang an keinen Zweifel daran gelassen, dass es gegenüber den Gegnern dieser Zusammenkunft der damals acht gewichtigsten Staats- und Regierungschefs kein Pardon geben werde. Der italienische Premier hatte kurz zuvor versprochen, »Ordnung zu schaffen« und Italien von Kommunisten und anderen Linken »zu befreien«. Etliche hundert Demonstranten wurden während der Proteste festgenommen, rund 300 Menschen verletzt. Einheiten von Polizei und Carabinieri überfielen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion eine Schule, in der Aktivisten untergebracht waren, Inhaftierte in einer Polizeikaserne wurden misshandelt und gedemütigt. Der Einsatz schwerbewaffneter, militarisierter Polizeitrupps geriet zur Blaupause für die künftige Repression gegen Feinde der bestehenden Ordnung in allen kapitalistischen Staaten.

Die Proteste in Genua mit ihren bis zu 300.000 Teilnehmern schienen gleichwohl einer geschlagenen Linken wieder neues Leben einzuhauchen. »Eine andere Welt ist möglich« lautete der optimistische Slogan jener Tage, der zehn Jahre nach der offiziellen Auflösung der Sowjetunion den Verwaltern einer unipolaren Weltordnung des endgültig entfesselten und entgrenzten Kapitalismus entgegengehalten wurde. Nahezu alle damals verhandelten Probleme – die neokoloniale Abhängigkeit der Länder des globalen Südens, die Kriegspolitik, die Privatisierung der ehedem öffentlichen Leistungen, der Abbau sozialer Rechte und die Klimaerwärmung – sind bis heute nicht gelöst, haben vielmehr ein zerstörerisches Ausmaß angenommen. Die damalige »Globalisierungskritik« wies zwar nicht unerhebliche Schwächen auf, hatte kaum einen Begriff vom Verhältnis von Staat und Weltmarkt sowie eine nur vage Vorstellung davon, wie denn diese andere Welt auszusehen habe. Dennoch warf sie die richtigen Fragen auf, die noch immer einer dringenden Antwort harren. Der Kampf von Genua vor 20 Jahren muss weitergehen, wird weitergehen.

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