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Aus: Ausgabe vom 19.07.2021, Seite 15 / Politisches Buch
Kommunistischer Widerstand

Wertvoller Bericht

Erinnerungen der kommunistischen Widerstandskämpferin Katharina Jacob
Von Markus Bernhardt
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Denkmal für die Opfer des KZ Ravensbrück

Lebensgeschichten kommunistischer Widerstandskämpferinnen und -kämpfer werden seit drei Jahrzehnten nur noch selten erzählt. Um so wertvoller sind schriftliche Aufzeichnungen, die von Akteurinnen und Akteuren selbst stammen – etwa jene der Hamburger Widerstandskämpferin und KZ-Überlebenden Katharina Jacob. Das 2020 veröffentlichte Buch fußt auf den Notizen und Erinnerungen, die die im August 1989 verstorbene Kommunistin in den letzten Jahren vor ihrem Tod zusammentrug. Es blieb ihrer Tochter Ilse vorbehalten, die Aufzeichnungen der Mutter zu sortieren und, wo es nötig schien, anhand vorliegender historischer Dokumente und persönlicher Briefe zu ergänzen und mit einem sehr persönlichen Nachwort zu versehen.

Die am 6. März 1907 als Arbeiterkind in Köln geborene Katharina Emmermann war von früher Jugend an in der Arbeiterbewegung. Die ausgebildete Kontoristin war Gewerkschaftsmitglied, aktiv im kommunistischen Jugendverband und seit 1928 Mitglied der KPD. In erster Ehe war sie verheiratet mit dem 1931 als Abgeordneten in die Hamburger Bürgerschaft gewählten KPD-Mitglied Walter Hochmuth, der nach der Machtübertragung an die Nazis untertauchte, sich aber noch bis August 1934 als Mitglied der illegalen Hamburger Leitung der KPD betätigte.

Seine Frau Katharina wurde im Juli 1933 wegen der Verteilung von Flugblättern erstmals verhaftet und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, die sie im Gefängnis Lübeck-Lauerhof absaß. Schon 1938 wurde sie erneut festgenommen und im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel inhaftiert. Nachdem die Ehe zwischen ihr und Walther Hochmuth 1939 geschieden wurde, heiratete sie 1941 den Kommunisten Franz Jacob, der erst im September 1940 aus dem KZ nach Hamburg zurückgekehrt war. Gemeinsam mit weiteren Mitstreitern bauten Katharina und Franz Jacob die Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe auf, eine der größten Widerstandsgruppen im norddeutschen Raum. Franz Jacob, der seit 1943 in Berlin illegal arbeitete, wurde dort am 4. Juli 1944 von der Gestapo festgenommen und am 18. September 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Nur zwei Tage nach der Verhaftung ihres Mannes wurde auch Katharina Jacob ein drittes Mal festgenommen, im September 1944 jedoch aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Am 30. April 1945 wurde sie im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück von der Roten Armee befreit. Nach dem Ende des Krieges war Katharina Jacob weiter in der KPD und später in der DKP aktiv, arbeite als Lehrerin, machte mobil gegen Kommunistenverfolgung und Berufsverbote in der Bundesrepublik und berichtete als Zeitzeugin über die faschistischen Verbrechen.

Katharina Jacob: Widerstand war mir nicht in die Wiege gelegt. Galerie der abseitigen Künste, Hamburg 2020, 248 Seiten, 21,90 Euro

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