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Aus: Ausgabe vom 19.07.2021, Seite 7 / Ausland
Südafrika

Simuliertes Aufräumen

Südafrika nach den Plünderungen: Präsident gesteht Fehler ein und will Drahtzieher finden
Von Christian Selz, Kapstadt
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Ein Soldat patrouilliert durch das Alexandra-Township in Johannesburg (15.7.2021)

Nach den schweren Ausschreitungen und Plünderungen der vergangenen Woche hat in Südafrika das große Reinemachen begonnen. Präsident Cyril Ramaphosa rief dazu auf, den Internationalen Mandela-Tag am gestrigen Sonntag für Aufräumarbeiten zu nutzen. Mit dem Ausrücken von insgesamt 25.000 Soldaten – dem größten Einsatz der südafrikanischen Armee seit dem Ende der Apartheid – ist wieder Ruhe eingekehrt. Der Staatschef selbst besuchte mehrere Einrichtungen in Soweto am Rande Johannesburgs. Einen Besen allerdings hatte er nicht mitgebracht. Und so entsprach die PR-Maßnahme ziemlich genau dem, was Südafrikas Regierung in den vergangenen Jahren auch auf politischer Bühne offenbarte: einem simulierten Aufräumen.

Mindestens 212 Tote, 161 Einkaufszentren, elf Warenhäuser und acht Fabriken zerstört – das ist die Bilanz der Ausschreitungen, die Ramaphosa in einer TV-Ansprache am Freitag präsentierte. Betroffen sind nahezu ausschließlich die Provinz KwaZulu-Natal sowie Teile der Hauptstadtprovinz Gauteng – also exakt die Gegenden, in denen der einen Tag vor Ausbruch der Zerstörungswelle inhaftierte Expräsident Jacob Zuma den größten Rückhalt hat. »Es ist jetzt klar, dass die Ereignisse der vergangenen Woche nicht weniger als ein gezielter, koordinierter und genau geplanter Angriff auf unsere Demokratie waren«, erklärte Ramaphosa am Freitag. Die Hintermänner der Attacken hätten »beabsichtigt, die Wirtschaft lahmzulegen, soziale Instabilität zu verursachen«, mit dem Ziel, »einen Volksaufstand zu provozieren«.

Der Schaden der tagelangen Zerstörungsorgie ist immens, die Folgen sind schwerwiegend. Zwar konnte zumindest die Hauptverbindungsstraße zwischen dem ökonomischen Zentrum um Johannesburg und der Hafenmetropole Durban inzwischen – unter schwerer Armee- und Polizeipräsenz – wieder für den Verkehr freigegeben werden, die Versorgungsengpässe sind jedoch drastisch. Hilfsorganisationen liefern bereits Lebensmittelspenden in die am schwersten verwüsteten Gebiete. In der Provinz KwaZulu-Natal werden nach Angaben des stellvertretenden Generaldirektors der nationalen Gesundheitsbehörde, Nicholas Crisp, zudem mehr als die Hälfte der Patienten mit chronischen Erkrankungen in der kommenden Woche keinen Zugang zu Medikamenten haben. Im Zuge der Ausschreitungen waren auch mindestens 90 Apotheken geplündert, zahlreiche Polikliniken angegriffen und eine Fabrik des Generikaherstellers Cipla niedergebrannt worden.

Hintermänner finden will nun auch Ramaphosa. »Als Regierung müssen wir eingestehen, dass wir auf eine koordinierte Kampagne öffentlicher Gewalt, Zerstörung und Sabotage dieser Art schlecht vorbereitet waren«, erklärte der Präsident am Freitag. Opposition und führende Medien lobten das Eingeständnis, fragen nun aber, wie es dazu kommen konnte. Tagelang hatte die Polizei den Plünderern nahezu nichts entgegenzusetzen. Die Ausschreitungen haben offenbart, dass der Sicherheitsapparat noch immer mit Zuma-Loyalisten durchzogen ist. Gleiches gilt für den regierenden ANC. »Wir sind Msholozi, Msholozi ist einer von uns«, schrieb der Bürgermeister der Metropolregion eThekwini um die nun am schwersten verwüstete Millionen­stadt Durban, Mxolisi Kaunda, noch zwei Tage nach Zumas Verhaftung auf Facebook. Msholozi ist der Clanname des Expräsidenten. Ramaphosa, so scheint es, fehlt es für ein wirkliches Aufräumen parteiintern an Rückhalt.

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  • Leserbrief von Detlev Reichel aus Tshwane/Südafrika (19. Juli 2021 um 10:38 Uhr)
    Südafrikas Präsident Matamela Ramaphosa am Freitag abend im TV: »Es ist nun klar, dass die Ereignisse der letzten Woche nichts weniger als ein gewollter, koordinierter und gut geplanter Angriff auf unsere Demokratie waren. Die Verfassungsordnung in unserem Land ist in Gefahr.« Zudem gestand Ramaphosa, dass die Sicherheitskräfte (Polizei, Armee und Geheimdienste) nicht auf diese Insurrektion vorbereitet waren. Am selben Tag stellte die «Free-Zuma-Campaign¢ dem Präsidenten ein Ultimatum von 14 Tagen, Jacob Zuma freizulassen, so als sei dieser von Ramaphosa persönlich entführt worden. Ein Tollhaus.
    Man kann gespannt sein, wie die Regierung das Versprechen des Präsidenten einlösen wird, die Hintermänner und -frauen des Putschversuchs vor Gericht zu bringen. Einige dieser Leute sitzen nämlich in den Reihen der Exekutive …

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