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Kuba bleibt stolz und unabhängig

Von Mumia Abu-Jamal
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Als die USA unter dem afroamerikanischen Präsidenten Barack Obama wieder diplomatische Beziehungen mit Kuba aufnahmen, landete im März 2016 die »Air Force One« in Havanna. An Bord der erste US-Präsident, der den Inselstaat besuchte, seit Calvin Coolidge im Jahr 1928.

Im Gran Teatro »Alicia Alonso« in Havanna versuchte Obama, einen vernünftigen Ton anzuschlagen, als er vor großem Publikum sagte: »Es ist jetzt an der Zeit, dass wir die Vergangenheit hinter uns lassen. Es ist Zeit, gemeinsam in die Zukunft zu blicken. Das wird nicht einfach sein, und es wird Rückschläge geben. Es wird Zeit brauchen. Aber wir können diese Reise als Freunde, als Nachbarn und als Familie gemeinsam machen.«

Fidel Castro erntete mehr als nur ein paar Lacher, als er kurz darauf schrieb: »Ich nehme an, wir alle standen kurz vor einem Herzinfarkt, als wir diese Worte des US-Präsidenten hörten.« Unter dem Titel »Bruder Obama« erinnerte der 86jährige ehemalige Präsident Kubas die Welt am 27. März 2016 in der Zeitung Granma an das, was die USA »vergessen« machen wollten: »Eine rücksichtslose Blockade, die fast 60 Jahre andauert. Und was ist mit denen, die bei den Söldnerangriffen auf kubanische Schiffe und Häfen gestorben sind oder in einem Flugzeug voller Passagiere, das während des Flugs durch eine Bombe zerstört wurde? Und was mit den Söldnerinvasionen, vielfachen Akten von Gewalt und Erpressung?«

Nelson Mandela, der verstorbene Antiapartheidkämpfer und Präsident des neuen Südafrika, besuchte nach seiner langen und grausamen Gefangenschaft vor allen anderen Ländern Kuba. Seine lobenden Worte klingen noch heute in den Ohren der Kubaner: »Welches andere Land kann auf eine größere Selbstlosigkeit verweisen, als Kuba sie in seinen Beziehungen zu Afrika bewiesen hat?«

Mandela, für die US-Regierung noch bis 2008 ein »Terrorist«, war sich Fidel Castros und Kubas Unterstützung für Afrika während des Kalten Krieges sehr wohl bewusst, als die selbst bedrängte Karibiknation Tausende Ärzte, Lehrer und Bauarbeiter nach Afrika schickte. Fast 30.000 Afrikanerinnen und Afrikaner konnten mit Vollstipendien in Kuba studieren. Mandela erkannte auch an, dass der kubanische Sieg über die südafrikanische Armee im Jahr 1988 »den Mythos der Unbesiegbarkeit des weißen Unterdrückers zerstörte und die Massen Südafrikas zum Kampf anspornte« gegen das verhasste Apartheidregime Südafrikas und damit Mandelas Freiheit und die so vieler anderer ermöglichte.

Doch im März 2016 war das Imperium noch nicht bereit, sich der Geschichte seiner Gewalt gegen Kuba zu stellen, als Obama seine Afrika-Karte ausspielte und in seiner Rede sagte: »Wir leben beide in einer neuen Welt, die von Europäern kolonisiert wurde. Kuba wurde wie die Vereinigten Staaten zum Teil von Sklaven aus Afrika aufgebaut.« Castro entgegnete in seinem Granma-Artikel: »Die indigene Bevölkerung beider Länder existiert in Obamas Denken überhaupt nicht.«

Fidel Castro schloss seine Antwort auf Obamas Besuch, indem er Kubas Stolz und Unabhängigkeit betonte: »Niemand sollte sich der Illusion hingeben, dass das Volk dieses würdevollen und selbstlosen Landes auf den Ruhm, die Rechte oder den geistigen Reichtum verzichten wird, den es mit der Entwicklung von Bildung, Wissenschaft und Kultur erworben hat. Ich erinnere auch daran, dass wir mit den Anstrengungen und der Intelligenz unseres Volkes selbst in der Lage sind, unsere Nahrung und den notwendigen materiellen Wohlstand zu produzieren. Wir brauchen die Almosen des Imperiums nicht. Unsere Bemühungen werden legal und friedlich sein, denn das ist unsere Verpflichtung für Frieden und Brüderlichkeit unter allen Menschen, die auf diesem Planeten leben.«

Übersetzung: Jürgen Heiser

Mumia Abu-Jamal brachte in Dutzenden Kolumnen seine Solidarität mit dem revolutionären Kuba zum Ausdruck. In seinem mit Stephen Vittoria 2018 herausgegebenen Buch »Murder Incorporated – Dreaming of Empire« geht es auch um die lange Geschichte der US-Aggressionen gegen Kuba. In dem hier leicht bearbeiteten Abschnitt von S. 288 ff. zeigen die Autoren, dass selbst während Obamas Annäherungspolitik die Blockade gegen das sozialistische Kuba nie in Frage stand, dass sich die Inselrepublik aber auch stets gegen jede kolonialistische Arroganz behauptete, egal in welcher Farbe sie daherkam. (jh)

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Josie M. aus 38448 Wolfsburg (19. Juli 2021 um 12:06 Uhr)
    Mit vielem Dank auch für die Veröffentlichung dieser Erinnerung von Mumia Abu Jamal an Kubas stolze Geschichte des Kampfes um seinen eigenen Wegs trotz engster Nachbarschaft mit dem US-Imperium.
    Josie Michel-Brüning

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