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Aus: Ausgabe vom 16.07.2021, Seite 1 / Inland
Hochwasser

Flutkatastrophe im Westen

Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz: Zahlreiche Tote nach Regenfällen
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Im Kreis Ahrweiler haben Unwetter und Hochwasser schwere Zerstörungen angerichtet (Schuld, 15.7.2021)

Flüsse und Bäche im Westen der Bundesrepublik, namentlich im Rheinland, im Bergischen Land, der Eifel und im Sauerland, führten am Donnerstag durch starke Regenfälle Hochwasser und traten am Mittwoch und in der Nacht zu Donnerstag über die Ufer. Dabei wurden ganze Landstriche überflutet, Ortschaften waren von der Außenwelt abgeschnitten. Vielerorts wurden Häuser weggespült, Keller liefen voll. Aufgrund der Unwetter waren am Donnerstag nachmittag bereits über 42 Menschen gestorben; alleine in Rheinland-Pfalz galten nach Berichten von Zeitungen der Funke-Mediengruppe mehr als 70 Personen in Zusammenhang mit den Unwettern als vermisst.

In Leverkusen hatte das Hochwasser in einem Krankenhaus einen Kurzschluss verursacht. Wegen der gestörten Stromversorgung mussten Patienten aus der Klinik bereits in der Nacht zu Donnerstag in umliegende Krankenhäuser evakuiert werden. Die Aktion könne noch bis Freitag andauern, wie eine Sprecherin des Klinikums Leverkusen am Donnerstag mitteilte. In der Eifel waren mehrere Orte besonders schwer von Hochwasser betroffen. Im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen war wegen der andauernden Regenfälle der Katastrophenfall ausgerufen worden. Kreisangehörige Kommunen waren laut einer Pressemitteilung aufgefordert worden, notwendige Maßnahmen des Bevölkerungsschutzes »wie insbesondere Evakuierungen und Unterbringungen vorzubereiten und vorzunehmen«.

Die Lage war am Donnerstag vielerorts in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen unübersichtlich. In überschwemmten Orten wurden Menschen zum Teil mit Booten in Sicherheit gebracht. Viele hatten auch auf Bäumen und Hausdächern Schutz vor dem Hochwasser gesucht. Allein in Hagen waren rund 440 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk eingesetzt. Auch etwa 100 Kräfte der Bundeswehr wurden vor Ort eingesetzt. (dpa/AFP/jW)

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  • Leserbrief von Thomas Bartsch-Hauschild aus Hamburg (16. Juli 2021 um 14:42 Uhr)
    Die Wetterprognosen und metereologischen Vorhersagen haben rechtzeitig gewarnt vor Starkregen, also Vorbereitungen, schlimmes zu verhindern, wären möglich gewesen, wie das vorzeitige Verlassen der Wohnungen und Häuser, um sich in Sicherheit zu begeben.
    Eine 24stündige Alarmbereitschaft aller Einsatzkräfte vor dem Ereignis und Übernachtungen in aufgestellten Zelten hätten Leben retten können. Derartige Katastrophenschutzpläne für gefährdete bekannte Hochwassergebiete gibt es scheinbar nicht. Das erinnert sehr an die Coronapandemie, dort hat man die Warnungen auch nicht ernst genommen. Politik handelt nach dem Prinzip: Was ich mir nicht vorstellen kann, das passiert auch nicht. Vorsorgen ist teuer – Nachsorge ist unbezahlbar und kostet auch noch Menschenleben.
  • Leserbrief von Conrad Fink aus Freiberg am Neckar (16. Juli 2021 um 11:09 Uhr)
    Erneut haben wir eindrucksvoll erlebt, welche Auswirkungen der Klimawandel haben kann. Hier und auch an vielen anderen Orten auf der Welt trägt die Aufheizung des Klimas zu Wetterextremen und in der Folge zu schwersten Schäden bei. So werden ganze Dörfer weggespült und Städte überflutet. Autos schwimmen wie Spielzeuge in den Fluten. Schlammfluten und Schutt füllen die Straßen, Häuser stürzen ein. Menschen sterben. In den Wochen vorher liefen in Baden-Württemberg Keller und Unterführungen mit Wasser voll, Hagelkörner in der Größe von Tennisbällen hinterließen Dellen in Karosserien oder zerschmettern Fenster, Dächer wurden abgedeckt, und es kommt zu Schlammfluten und Überschwemmungen. Die Landwirte klagen über Totalausfälle der Ernte, und die Übersterblichkeit aufgrund der Hitzewellen nimmt zu. Diese Folgen des menschengemachten Klimawandels sind an sich schon bedrohlich, und das Problem verschärft sich, je länger die Politik wirksame Maßnahmen aufschiebt. Gravierend hinzu kommt, dass die politischen Entscheider aktiv dazu beitragen, die Klimakrise zu verstärken. So rollt eine Versiegelungswelle über uns hinweg, die alles in den Schatten stellt, was wir aus der Vergangenheit kennen. Grünflächen wie Parks, Wälder, Gärten, Wiesen und Äcker werden mit Beton und Asphalt überbaut. Dies verstärkt die Aufheizung der Städte und fördert die beschriebene katastrophale Entwicklung wie die Häufung von Starkregen und Überschwemmungen. Die Retentionsflächen in den Flussauen wurden immer mehr zugebaut. Die ökologische Renaturierung der Flüsse stockt. Es werden immer noch Bäche verdolt. Wir tun also gerade das Gegenteil von dem, was vernünftigerweise erforderlich wäre: Grünflächen zu erhalten und zu sichern bzw. ihren Anteil auszudehnen und Bäche und Flüsse zu renaturieren. Das bezahlten die Menschen oft mit ihrem Leben oder durch exorbitante Schäden, welche die Volkswirtschaften und die Steuerzahler immer stärker belasten. Trotzdem können CDU und FDP politisch mit ihren Verzögerungen beim Klimaschutz punkten. Die AfD leugnet den Klimawandel immer noch. Das kommt uns alle sehr teuer zu stehen.
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (16. Juli 2021 um 10:22 Uhr)
    Die extremen Niederschläge im Westen der Republik verwandeln idyllische Landstriche in Krisenregionen. Die dadurch entstandene Flut ist eine Katastrophe, das gilt vor allem für die betroffenen Menschen. Es gibt Tote zu betrauern, ganze Ortsteile sind vernichtet. Das muss in den nächsten Tagen im politischen Vordergrund stehen. Aber nicht erst seit der Jahrhundertflut an der Elbe vor fast 20 Jahren, die sich ebenfalls kurz vor einer Bundestagswahl ereignete, ist Hochwasser in Deutschland auch eine sehr politische Angelegenheit. Über Politikerpräsenz in Gummistiefeln hinaus könnte das Klimathema wieder weiter nach oben gespült werden. Ein harmloses Smalltalkthema wird das Wetter in diesem Bundestagswahlkampf nicht mehr sein. Obwohl Wetter kein Klima ist, rückt trotzdem im Wahlkampf jetzt der Kampf gegen die Klimakrise ins Zentrum.

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