3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Sa. / So., 25. / 26. September 2021, Nr. 223
Die junge Welt wird von 2582 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 14.07.2021, Seite 8 / Ansichten

Herrschende als Vorbild

Von Christian Selz
Proteste_in_Suedafri_70151715.jpg
Zuma-Vertraute heizen Gewalt in Südafrika weiter an: Schwere Ausschreitungen in KwaZulu-Natal und Gauteng (Johannesburg, 11.7.2021)

Die Plünderungen und Zerstörungen in Südafrika haben einen politischen Hintergrund. Die Hintermänner versuchen nicht einmal, sich zu verstecken. Mzwanele Manyi, Sprecher der Stiftung von Expräsident Jacob Zuma, feuert das Geschehen fast stündlich via Twitter an. Am Dienstag, dem zweiten Tag der Plünderungen, verbreitete er eine Stellungnahme der Stiftung: »Frieden und Stabilität in Südafrika sind direkt verknüpft mit der unverzüglichen Freilassung von Präsident Zuma«.

Das ist Drohung und falsches Versprechen zugleich. Zuma ist seit Februar 2018 nicht mehr Präsident. Er trat infolge eines gigantischen Korruptionsskandals auf Druck der eigenen Partei, dem African National Congress (ANC), zurück. Und niemand in Südafrika, auch kein Manyi oder Zuma, ist an diesem Punkt in der Lage, eine vollkommen außer Kontrolle geratene Auseinandersetzung wieder sofort zu beenden. Manyi, unter Zuma einst Regierungssprecher, ist ein hintertriebener Brandstifter. Er tut alles, um Chaos zu erzeugen und Zumas Nachfolger Cyril Ramaphosa zu schwächen. Doch sein Zündeln mag zwar Funken erzeugen, den Treibstoff zum Flächenbrand aber liefert die entsetzliche Armut der großen Bevölkerungsmehrheit.

Auch der amtierende Staatschef trägt Mitschuld an der Situation – dreifach sogar. Ramaphosa war Verhandlungsführer des ANC, als die Befreiungsbewegung zum Ende der Apartheid der Beibehaltung der alten kolonialen Besitzverhältnisse zustimmte. Er ging dann in die Wirtschaft, wurde Aufsichtsrat beim BASF-Platinlieferanten Lonmin und sah als frischgebackener Milliardär zu, wie die von ihm gerufene Polizei streikende Arbeiter massakrierte. Als Staatschef schließlich schickte er eine in Hütten hausende Bevölkerung zu Beginn der Coronapandemie in eine totale Ausgangssperre, die drei Millionen Menschen den Arbeitsplatz kostete und zehn Millionen Kinder in den Hunger trieb. Seine Bildungsministerin weigerte sich hartnäckig, Schulspeisungen wiederaufzunehmen. Sein Gesundheitsminister besuchte im Elend versinkende Krankenhäuser und steckte sich das Budget doch lieber in die eigene Tasche.

Der südafrikanische Staat versagt bei der Erfüllung der grundlegendsten Bedürfnisse der Bürger, die zu arm sind, sich teure private Alternativen zu leisten. Die Regierung – freilich auch schon zu Zumas Zeiten – hat sich vollkommen von den Sorgen und Nöten der Bevölkerungsmehrheit entfremdet. »Das Niveau der Arbeitslosigkeit, Armut und Ungleichheit in unserer Gesellschaft ist untragbar«, gestand Ramaphosa am Montag ein. Das Volk folgt nun dem Vorbild der Herrschenden – und plündert.

Aktionsabo »Marx für alle« für drei Monate

Die Bundesregierung und der deutsche Inlandsgeheimdienst wollen der Tageszeitung junge Welt den »Nährboden entziehen« unter anderem wegen ihrer marxistischen Weltanschauung. Mit unserem Aktionsabo  »Marx für alle« möchten wir möglichst vielen Menschen diese wissenschaftliche Sichtweise nahebringen und 1.000 Abos für die Pressefreiheit sammeln.

Das Abo kostet 62 Euro statt 126,80 Euro und endet nach drei Monaten automatisch.

Regio:

Mehr aus: Ansichten

Letzte Möglichkeit: Drei Monate Aktionsabo »Marx für alle« für 62 Euro!