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Aus: Ausgabe vom 14.07.2021, Seite 8 / Ansichten

Das All als Feld

Bundeswehr eröffnet Weltraumkommando
Von Jörg Kronauer
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Da gehören sie hin – auf den Mond: Die Verteidigungsministerin bei der Vorstellung des deutschen »Weltraumkommandos« (Uedem, 13.7.2021)

Erst der Drohnen-, dann der Cyber- und jetzt auch noch der Weltraumkrieg: Mit ihrem neuen sogenannten Weltraumkommando, das Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer gestern in Dienst gestellt hat, greift die Bundeswehr nun weiter ins Weltall aus. Die Kriegführung der Zukunft beruht nicht nur in wachsendem Maß auf Maschinen, auf Robotern zu Wasser, zu Lande und in der Luft, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz gesteuert werden; sie entgrenzt sich auch immer mehr, durchdringt die virtuellen Räume des Internets und greift rasant in die Weiten des Alls aus. Eins steht fest: Die massenmörderischen Waffengänge, auf die die westlichen Staaten in ihren globalen Machtkämpfen zusteuern, kennen überhaupt keine Grenzen mehr; sie erfassen alles – vom Meeresboden bis zur Satellitenumlaufbahn.

Der Krieg im All – das werden, vorläufig jedenfalls, keine Schlachten zwischen Raumschiffen feindlicher Mächte sein. Strategen haben vor allem Satelliten im Blick. Auf sie ist heute schon der zivile Betrieb, von der Erdbeobachtung über die Kommunikation bis zur Navigation, angewiesen; auch Streitkräfte kommen, von der Aufklärung bis zur Steuerung von Lenkwaffen in ihr Ziel, nicht ohne sie aus. Zumindest die USA, China, Russland und Indien sind längst fähig, feindliche Satelliten abzuschießen. Sie bedrohen damit potentiell die Operationsfähigkeit ihres Gegners. Das führt dazu, dass der Schutz eigener Satelliten immer wichtiger wird. Die Bundeswehr hat deshalb im vergangenen Jahr ein Weltraumoperationszentrum in Dienst gestellt, in Uedem am Niederrhein; dort ist nun auch das neue Weltraumkommando untergebracht.

Offiziell bekräftigt die Bundeswehr, sie plane im All ausschließlich defensive Operationen zur Verteidigung von Satelliten. Nur: Die Satelliten, die geschützt werden sollen, werden zur Steuerung von Angriffen zu Wasser, zu Land und in der Luft benötigt; ohne sie verlieren militärische Offensiven erheblich an Durchschlagskraft. Und: Auch beim Einstieg in die Nutzung militärischer Drohnen hieß es zunächst, man wolle sie lediglich zur Aufklärung nutzen; Bündnis 90/Die Grünen legitimieren das Plädoyer für die Beschaffung bewaffneter Drohnen nun damit, man brauche sie zum Schutz deutscher Soldaten. Wozu die Aufrüstung der Bundeswehr mit Killerdrohnen in Wirklichkeit führen wird, kann man sich ausmalen. Bei der Militarisierung des Alls wird es genauso laufen: Muss man denn nicht, um eigene Satelliten zu schützen, potentielle Angreifer abschießen? Der Übergang zu offensiven Operationen ist auch im All wohl nur eine Frage der Zeit.

Marx für alle!

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  • Leserbrief von Erika Zeun (26. Juli 2021 um 15:34 Uhr)
    Sehr gut geschrieben, man merkt dem Schreiber seine Wut und auch eine gewisse Verzweiflung an: Was sollen wir tun, wenn ein Teil der Welt von »Geisteskranken« regiert wird? Es ist wirklich zum Verzweifeln! Ein normal denkender Mensch, der arbeitet und sich um seine Familie oder um sich selbst kümmert, kommt doch überhaupt nicht auf diesen aberwitzigen Gedanken, die Welt oder ein Land oder ein Volk zu beherrschen. Ich stelle mir vor, dass solche Menschen eventuell Defizite in ihrer Kindheit erleben mussten, vielleicht mangelte es ihnen an Liebe, Geborgenheit und Anerkennung? Ihr »Ego« ist verstört und somit auch ihre Fähigkeit, logisch und realistisch zu denken. Bei manchen führt dies vielleicht zu Großmachtsucht und Überschätzung! Diese Leute sind größenwahnsinnig – und solche Leute sind uns ja aus der Geschichte hinreichend bekannt! Bekannt ist uns allerdings auch, dass man solche Menschen nicht nur gewähren ließ, sondern ihnen sogar folgte, weil man sich irgendeinen Vorteil davon versprach oder weil man sich manipulieren ließ. Da sich Geschichte wiederholt, gibt es auch immer wieder »kranke« Menschen und Menschen, die denen aufs Wort folgen, anstatt selbst zu denken, und deshalb die Lügen nicht als solche erkennen. So ist es auch in Deutschland. Unsere Politiker können sich mittlerweile alles erlauben: Söder will zum Beispiel Ungeimpften die Grundrechte auf Dauer entziehen. Er kann sich erlauben, allen zu zeigen, dass er das Grundgesetz verletzt, denn Grundrechte sind laut »Verfassung« unantastbar, auch für den Staat. An solchen Äußerungen eines Politikers erkennt man doch, was er von sich und von uns Bürgern hält. Es ist ein Trauerspiel! Ich möchte mit Heinrich Heine sagen: »Denk ich an Deutschland in der Nacht ...«
  • Leserbrief von Richard (13. Juli 2021 um 23:10 Uhr)
    Wenn ich all diese Militärs sehe, dann sehe ich eine ganze Reihe psychisch kranker Wirrköpfe, die glauben, dass sie eine Theorie hätten, haben sie aber nicht. Sie sind einfach nur krank. Beispiel: Sie erzählen uns, dass der Russe die ganz große Bedrohung sei. Das ist vollkommen wirrer Blödsinn. Sie selbst sind die größte Bedrohung, weil sie der wirren Ideologie anhängen, andere mittels Gewalt dominieren zu wollen. Das Dominanzstreben für sich ist krank, die Gewaltaffinität ebenso, die Lügen, die sie uns dafür als Rechtfertigung erzählen, auch (»Wenn wir kleine Kinder ermorden, dann machen wir das nur aus besten Absichten« – geisteskrank at its best … https://m.youtube.com/watch?v=xYXK7uh93Uo). Aber Hauptsache, Branson fliegt ins All. Lauter Wirrköpfe, die nicht einsehen wollen, wo die wirklichen Probleme liegen. Da reicht es offenbar nicht, dass Kalifornien brennt und Kanada an der 50-Grad-Celsius-Marke kratzt, Spanien wohl auch. Nein. Macht ist auch dann immer noch wichtiger, wenn die Existenz der Menschheit aufgrund der Zerstörung durch die gleichen Wirrköpfe (die ihr krankhaftes Ego über alles stellen) schon soweit fortgeschritten ist, dass es die Existenz der Menschheit bedrohen könnte und deren Auswirkungen bereits offen zutage treten. Die größte Gefahr geht nicht von Russland, China oder irgendwem sonst aus, den sich diese Wirrköpfe aus den Fingern saugen. Sie geht von ihnen selber und ihrer Zerstörungswut aus, sowie ihren wohl unheilbaren wirren Gedanken, die sie dazu anleiten.
    • Leserbrief von Èrika Zeun aus 09465 Cranzahl (14. Juli 2021 um 21:12 Uhr)
      Sehr gut geschrieben, man merkt dem Schreiber seine Wut und auch eine gewisse Verzweiflung an: Was sollen wir tun, wenn ein Teil der Welt von »Geisteskranken« regiert wird? Es ist wirklich zum Verzweifeln! Ein normal denkender Mensch, der arbeitet und sich um seine Familie oder um sich selbst kümmert, kommt doch überhaupt nicht auf diesen aberwitzigen Gedanken, die Welt oder ein Land oder ein Volk zu beherrschen. Ich stelle mir vor, dass solche Menschen eventuell Defizite in ihrer Kindheit erleben mussten, vielleicht mangelte es ihnen an Liebe, Geborgenheit und Anerkennung? Ihr »Ego« ist verstört und somit auch ihre Fähigkeit, logisch und realistisch zu denken. Bei manchen führt dies vielleicht zu Großmachtsucht und Überschätzung! Diese Leute sind größenwahnsinnig – und solche Leute sind uns ja aus der Geschichte hinreichend bekannt! Bekannt ist uns allerdings auch, dass man solche Menschen nicht nur gewähren ließ, sondern ihnen sogar folgte, weil man sich irgendeinen Vorteil davon versprach oder weil man sich manipulieren ließ. Da sich Geschichte wiederholt, gibt es auch immer wieder »kranke« Menschen und Menschen, die denen aufs Wort folgen, anstatt selbst zu denken, und die deshalb die Lügen nicht als solche erkennen. So ist es auch in Deutschland. Unsere Politiker können sich mittlerweile alles erlauben: Söder will z. B. Ungeimpften die Grundrechte auf Dauer entziehen. Er kann sich erlauben, allen zu zeigen, dass er das Grundgesetz verletzt, denn Grundrechte sind laut »Verfassung« unantastbar, auch für den Staat. An solchen Äußerungen eines Politikers erkennt man doch, was er von sich und von uns Bürgern hält. Es ist ein Trauerspiel! Ich möchte mit Heinrich Heine sagen: »Denk ich an Deutschland in der Nacht ...«

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