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Aus: Ausgabe vom 08.07.2021, Seite 8 / Ansichten

Deutscher Krieger des Tages: Wolfgang Schäuble

Von Ken Merten
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Will die Bundeswehr für »robuste bewaffnete Einsätze«, nicht als Sozialarbeiter: Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (13.1.2021)

Wer kennt’s nicht: Man steigt in den proppenvollen Zug, sieht die Flecktarnigen mit Marschrucksack und denkt sich: »Oha, mal wieder Streetworkerwanderung. Muss wohl Semesterende bei den Instituten für soziale Arbeit sein!« Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) hat diesen Verblendungszusammenhang aufgetan, am Dienstag, am Rande einer Buchvorstellung. Mit Aussetzung der Wehrpflicht 2011, als, so Schäuble, »das Militärische« auf eine »Sache der Willigen und der wenigen« kondensiert wurde, sei der Spaltpilz zwischen Gesellschaft und Armee reingeraten. Bei ersterer hätte der vor allem die Augen befallen, die sähen schließlich zweitere mehr als »Streetworker in Uniform« denn als »Deutsche Krieger«. So der Titel des vorgestellten Buchs von Historiker Sönke Neitzel, der mit seiner Publikation den Gewaltakt vollbringen will, das deutsche Militärwesen vom »Kaiserreich zur Berliner Republik« zu umreißen.

Schäuble und Neitzel sind sich darin einig, dass die Deutschen gefälligst aufzuhören haben, ihre Kampfeinheiten als bloße Sitzplatzwegnehmer, Impfzentrumhelferinnen und Youtube-Sternchen zu sehen. Dafür ist die militaristische Imagekampagne nicht gedacht. Zuviel rede man von der »Friedensmacht Bundeswehr«, so Neitzel gegenüber der Welt. Wer glaubt, die Nationale Volksarmee der DDR als einzige deutsche Armee, die nie einen Angriffskrieg führte, mit Wehrmacht und Co. in einen Band und eine Linie zusammenpressen zu können, der hört in einsamen Minuten beim Wichsen der alten Stahlkappen wohl auch Stimmen, die die Bundeswehr eine »Friedensmacht« heißen.

Schäubles Appell an die Weicheier der »postheroischen Gesellschaft«: Legt ab die Scheu nach 1945, seid bereit für »robuste bewaffnete Einsätze der Bundeswehr«! Deutsche Streetworker stehen zur Auslandsverschickung bereit.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Bernd K. aus Bern ( 7. Juli 2021 um 23:28 Uhr)
    Da passt es doch ins Bild der deutschen Söldner, dass sie in Litauen rechtzeitig zum 80. Jahrestags des Überfalls auf die Sowjetunion mit litauischen Truppen unter dem Namen und dem Wappen einer Faschistenhilfstruppe an einem antirussischen Manöver teilgenommen haben – worüber meines Wissens nur Thomas Röper vom »Anti-Spiegel« berichtet hat (https://www.anti-spiegel.ru/2021/bundeswehr-nimmt-in-litauen-an-manoevern-unter-nazi-symbolen-teil/). Und wieder einmal bewahrheitet sich Brechts Reim: »Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.«

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