3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Dienstag, 28. September 2021, Nr. 225
Die junge Welt wird von 2582 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 08.07.2021, Seite 8 / Inland
Protest gegen Autobahnausbau

»Wir kämpfen weiter und bleiben wachsam«

Bei Waldbesetzung in Seehausen gegen Weiterbau der »A 14« kam es zu faschistischen Angriffen. Ein Gespräch mit Monica Osthoff
Interview: Henning von Stoltzenberg
imago0124359931h.jpg
Die Waldbesetzer im Protestcamp gegen den Ausbau der »A 14« möchten unerkannt bleiben

Seit rund zwei Monaten hält Ihre Initiative »Waldbesetzung Moni bleibt« einen Teil des Seehäuser Stadtforstes mit Baumhäusern besetzt, um den Weiterbau der »A 14« zu verhindern. Was ist denn schlecht an einer Verkehrsanbindung?

Die Frage ist, was für eine Verkehrsanbindung wir wollen und brauchen. Die Altmark ist ja gerade so besonders, weil wir hier ein großflächiges Gebiet haben, in dem Natur- und Lebensräume noch nicht von Autobahnen durchzogen sind, die funktionierende Ökosysteme zerschneiden. Ein Weiterbau der »A 14« würde zum Beispiel bedeuten, dass Tiere von ihren Futterstellen abgeschnitten oder gar ihre Brut- und Niststätten gänzlich zerstört werden. Wir brauchen einen Ausbau von schon existenten Straßen, dazu sei besonders die »B 189« erwähnt, welche nahezu parallel zu der geplanten »A 14« verläuft, außerdem einen Ausbau von öffentlichen, vergünstigten Verkehrsmitteln, gekoppelt mit dem Ziel eines kostenlosen ÖPNV.

Sie sprechen auch von einer militärischen Komponente im Fall des Autobahnausbaus. Was ist damit gemeint?

Schon seit vielen Jahren gibt es antimilitaristischen und ökologischen Widerstand gegen den etwa 40 Kilometer nördlich von Magdeburg gelegenen Truppenübungsplatz Altmark. Dieser erstreckt sich durch ein wertvolles Heidegebiet mit vielen Biotopen und Lebensräumen auch bedrohter Tier- und Pflanzenarten. In der »Kampfstadt Schnöggersburg« wird für einen Bürgerkrieg trainiert, diese ist europaweit die modernste Anlage für Bodentruppenübungen und spielt damit eine entscheidende Rolle bei der Umstrukturierung der Bundeswehr zu einer weltweit einsetzbaren Angriffsarmee. Diese Autobahn dient auch der besseren Anbindung des Truppenübungsplatzes und ist nicht nur Teil einer zerstörerischen Verkehrspolitik, sondern auch einer stetigen Militarisierung.

Es gibt ordentlichen Gegenwind aus der regionalen Politik, der Versuch, Sie aus dem Wald zu klagen, ist vorerst gescheitert. Wer ist so vehement gegen Sie, und von wem gibt es Unterstützung?

Es gibt viel Gegenwind aus der regionalen Politik, vor allem aus der reaktionär-konservativen Ecke. Unser Widerstand soll einen Gegenentwurf dazu darstellen, emanzipatorisch und selbstorganisiert. Das ist im juristischen Rahmen von der Versammlungsfreiheit gedeckt. Wir haben das gerichtliche O. K. bekommen, zum Zwecke der Meinungskundgabe hiersein zu dürfen, doch der Landkreis Stendal klagt dagegen. Das reiht sich ein in Gesetzesverschärfungen und Repressalien, mit denen immer wieder versucht wird, die Versammlungsfreiheit einzuschränken.

Es gab bisher mehrere handfeste Angriffe in Seehausen. Können Sie diese beschreiben? Wie reagieren Sie darauf?

Auch um die Besetzung herum gab es schon mehrfach Bedrohungsszenarien von uns feindlich gesinnten Leuten, hier waren es vor allem Pöbeleien von größeren Gruppen, aber auch Einzelpersonen. Einmal raste ein Auto auf uns zu, wurde allerdings durch eine Barrikade gebremst. In Seehausen, wo wir den Bahnhof als Begegnungsort nutzen, gab es mehrfach Attacken. Es wurde eingebrochen und das Erdgeschoss komplett verwüstet. Bei einem weiteren Angriff wurde ein außen stehendes Sofa angezündet, die Flammen griffen auf das Gebäude über. Nur durch ein schnelles Eintreffen der Feuerwehr wurden größere Schäden verhindert. In einer weiteren Eskalationsstufe wurde eine Rohrbombe durch ein Fenster geworfen, zum Glück hielten sich zu diesem Zeitpunkt keine Personen in dem Raum auf. Vor kurzem wurden mehrere Personen am Bahnhof von einem Faschisten in einem Ku-Klux-Klan-Kostüm mit einem Paintballgewehr beschossen. Die Terrorattacken gehen nicht spurlos an uns vorbei, doch wir kämpfen weiter, bleiben wachsam und lehnen eine Opferrolle entschieden ab. Wir wissen, dass es hier rechte Netzwerke gibt, und setzen uns entschlossen für eine antifaschistische Altmark ein.

Monica Osthoff (echter Name der ­Redaktion bekannt) ist Teilnehmerin der Waldbesetzung »Moni bleibt«

Aktionsabo »Marx für alle« für drei Monate

Die Bundesregierung und der deutsche Inlandsgeheimdienst wollen der Tageszeitung junge Welt den »Nährboden entziehen« unter anderem wegen ihrer marxistischen Weltanschauung. Mit unserem Aktionsabo  »Marx für alle« möchten wir möglichst vielen Menschen diese wissenschaftliche Sichtweise nahebringen und 1.000 Abos für die Pressefreiheit sammeln.

Das Abo kostet 62 Euro statt 126,80 Euro und endet nach drei Monaten automatisch.

Ähnliche:

Letzte Möglichkeit: Drei Monate Aktionsabo »Marx für alle« für 62 Euro!