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Aus: Ausgabe vom 09.07.2021, Seite 8 / Inland
Repressionen gegen Linke

»Wir arbeiten offen und partizipativ«

Bremen: Konservative Kräfte bezeichnen Naturfreundejugend wegen eines Banners als »linksextrem«. Ein Gespräch mit Peter Schenck
Interview: Henning von Stoltzenberg
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Für Konservative ein Ärgernis: Banner am Jugendhaus »Buchte« in Bremen

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, kurz KAS, und die Bremer CDU bezeichneten kürzlich die Naturfreundejugend als »linksextrem«. Wie kam es dazu?

An unserer Hausfassade des Jugendhauses Buchte hängt ein Transparent, auf welchem auf die Situation einer in Untersuchungshaft sitzenden Antifaschistin und auf die Möglichkeit zur solidarischen Rechtshilfeunterstützung über ein Spendenkonto der Roten Hilfe hingewiesen wird. Solidarität, die Gültigkeit der Unschuldsvermutung und die Ermöglichung von Rechtshilfebeistand sind demokratische Grundsätze, die wir wichtig finden. Die KAS und die Bremer CDU sehen das offenbar anders.

Es gab dann eine Anfrage der CDU an den Senat, in der es um die Höhe der Förderung des Jugendhauses Buchte und die Frage ging, inwieweit die pädagogische Arbeit den Ansprüchen des Gremiums genüge. Was hat der Senat geantwortet?

Die Kernantwort war relativ unaufgeregt. Zuerst wohl die wichtigste Antwort für die CDU, laut Senat sind wir nicht für unsere »linksextremistische« Jugendarbeit bekannt. Der Senat sieht weder unsere Angebote noch unsere formulierten Grundsätze und Ziele im Widerspruch zu den Fördervoraussetzungen in der Jugendhilfe. Aber die CDU hat mehrfach Nachfragen zur Roten Hilfe gestellt und wie sich der Senat zum Verfassungsschutz (VS) verhält.

Wie fielen denn die Reaktionen der anderen Parteien in der Bremer Bürgerschaft aus?

Die Linke hatte noch Nachfragen und hervorgehoben, dass sie unsere jugendpolitische Arbeit für gut befindet und zeitgleich eine Pressemitteilung mit dem Titel »CDU soll Angriffe auf die demokratische Zivilgesellschaft unterlassen« herausgegeben.

Geht es hier eigentlich primär um das Solidaritätsbanner für Lina E. und das Spendenkonto der Roten Hilfe e. V., oder sehen Sie das als Vorwand, um Ihre Arbeit zu beschädigen?

Das Banner, mit den Themenkomplexen um die Rote Hilfe e. V. und Solidarität für Antifaschistinnen und Antifaschisten – vermutlich nicht speziell Lina E. – wird mit Sicherheit ein Grund des Aufstoßens für die CDU sein. Aber es liegt die Vermutung nahe, dass die CDU das Thema »Linksextremismus« als eine populistische Wahlkampfstrategie benutzt, welches sich sonst zuletzt eher die AfD zu eigen gemacht hat. Aber was auch immer der primäre Grund ist, das Resultat bleibt das gleiche: die Diskreditierung unserer Jugendarbeit und jugendpolitischer Ausdrucksformen.

Sie bescheinigen der CDU Bremen ein »erschreckend defizitäres Bild von Jugend«, die laut Medienberichten wohl erwartet, dass Sie sich ausschließlich um »Krötentunnel, Wanderwege oder bienenfreundliche Gärten« kümmern. Wie sieht Ihre pädagogische Arbeit denn in Wirklichkeit aus?

Offen und partizipativ. Der Kernansatz in unserer Arbeit ist immer die direkte Beteiligung der jungen Menschen, das gilt sowohl für das Programm als auch für Gestaltungsfragen, von Regeln und Organisation zum Beispiel. Wir können Impulse geben, aber viel wichtiger ist es, die Impulse von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ernst zu nehmen und diesen einen Raum zugeben, um diese in einem gesicherten Rahmen zu ermöglichen, auszudiskutieren und auszuprobieren. Unser Verständnis von Jugendbildungsarbeit ist es, Menschen in die Lage zu versetzen, sich von gegebenen Herrschaftsverhältnissen zu emanzipieren und sie kritik-, urteils- und entscheidungsfähig zu machen. Die Zielgruppen werden von uns einerseits durch unterschiedliche Angebote erreicht, wie Kinder- und Jugendfreizeiten, Paddeln, Workshops, Veranstaltungen zu aktuellen politischen Themen, Jugendgruppenleiterausbildungen oder auch Gedenkstättenfahrten. Wir sind auch Trägerin für die Koordinierungs- und Fachstelle für die Partnerschaft für Demokratie, welche auf lokaler Ebene handelt, um Demokratie und Vielfalt zu fördern und Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit einzudämmen.

Peter Schenck ist Vorstandsmitglied der Naturfreundejugend Bremen

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