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Aus: Ausgabe vom 10.07.2021, Seite 8 / Ansichten

Ministerialbürokrat des Tages: Georg Thiel

Von Oliver Rast
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Die Personifizierung des Unsympaths in deutschen Behörden

Er ist der Oberaufseher der bundesamtlichen Statistiken, zugleich Vorsteher des Bundeswahlausschusses. Georg Thiel, 64. Donnerstag und Freitag hatte er seinen Jahreshauptauftritt. Verkündete, wer zur BRD-Parlamentswahl zugelassen wird, wer nicht. Kommunisten wissen um seine Rolle.

Thiel ist ein ministerialbürokratisches Musterexemplar. Von klein auf hockte der Verwaltungsjurist in Führungsetagen des Bundesinnenministeriums. Seine Methode als Übungsleiter von BMI-Teilbehörden ist simpel: »Ein System aus Angst und Druck«, berichtete Zeit online Ende Mai. Thiel scheint alle Varianten des Mobbings zu beherrschen, von »Methoden eines Diktators« sprechen Beschäftigte des Wiesbadener Statistischen Bundesamts. Er kann demnach wirklich alles: Leute kurzerhand kaltstellen, Kriecher um sich scharen, Jobaufträge per Endlosschleife aufzwingen, bis zum Kollaps, egal wann: spätabends, tief in der Nacht, am Wochenende, selbst an Feiertagen. Nichts ist dem Amtskarrieristen heilig.

Und schafft er es etwa auch, Kollegen in den Tod zu treiben? So soll es laut Zeit online 2006 gewesen sein. Damals war Thiel Chef des Technischen Hilfswerks. Ein THW-Mitarbeiter hatte sich in seiner Münchner Dienststelle erhängt. In seinem Abschiedsbrief machte er den Angstmacher dafür verantwortlich. Thiel habe ein »menschenverachtendes Arbeitsklima gezielt befördert«, zitierte seinerzeit Focus aus dem Schreiben.

Ein Angstmacher, der erwerbsbiographisch zum Totmacher wurde? Er durfte weitermachen – Stationen: Intermezzi beim Bundesamt für Verfassungsschutz und beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Passt doch.

Er hätte nie wieder Behördenleiter werden dürfen, die Ernennung zum Amtschef fürs Statistische (ergo: Wahlleiter) sei »ein Skandal«, Personen aus seinem Berufsumfeld äußern sich unisono. Es wäre für alle ein Befreiungsschlag: Thiel, mach’ Schluss!

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  • Leserbrief von Doris Feuerbach aus Erfurt (16. Juli 2021 um 10:33 Uhr)
    Er bewies seine Unfähigkeit im Innenministerium als Referatsleiter »Zivilschutz«, dann als Leiter für »Organisation und Informationstechnik«, Präsident des Technischen Hilfswerks, ab 2006 als Chef für »Verwaltungsmodernisierung und Verwaltungsorganisation«, ebenso für »Statistik und Beschaffungswesen«. Besondere Verdienste erwarb er sich 2015 im »Bundesamt für Migration und Flüchtlinge«. Auch ist er noch immer Beauftragter für das »Flüchtlingsmanagement« im Innenministerium, und als Lohn für seine Regimetreue (sprich: erlernter Antikommunismus sowie »nach oben buckeln und nach unten treten«) wurde seine Karriere 2017 trotz Pleiten, Pech und Pannen in den von ihm betreuten Sachgebieten mit der Funktion des Bundeswahlleiters gekrönt. Seine Schleimspur führt als Höhepunkt seiner Beamtenkarriere geradewegs in die rechten Leitmedien des Rechtsstaates. Sein Verdienst: Die Kommunisten wurden durch bürokratische Finessen vom Wahlzettel entsorgt und damit künftig vom Parteienverbot bedroht. – Ein faschistoides Schurkenstück gemäß unrühmlichen historischen Vorbildern! Herr Thiel, Sie haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht! Zu unserer kommunistischen Leitkultur gehört auch immer die Solidarität. Stärken wir also alle die DKP, trotz alledem!

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