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Aus: Ausgabe vom 30.06.2021, Seite 10 / Feuilleton

Friedrichson, Sander, Potraffke

Von Jegor Jublimov
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Wäre heute 80 geworden: Otto Sander im April 2011 am Filmset von »Bis zum Horizont« in Oppin

Ein Elektriker spielt einen Elektriker. So geschehen, als Ulrich Thein 1967/68 Hermann Kants Novelle »Mitten im kalten Winter« für den DFF verfilmte. Der Regisseur arbeitete damals gern mit Laien, und im damals 21jährigen Peter Friedrichson fand er einen außerordentlich talentierten Hauptdarsteller. Dessen älterer Bruder Eckart war schon seit 1955 Publikumsliebling im Kinderfernsehen, wo er als Meister Nadelöhr »Märchen schnell herbeizauberte«. Peter fand bald seinen Platz in der Schauspielerei und war ab 1970 hauptsächlich im Fernsehen in Rollen junger Männer zu sehen, deren Entwicklungsprozess er nachvollziehbar machte – besonders oft in Filmen der Reihen »Der Staatsanwalt hat das Wort« und »Polizeiruf 110« sowie in Kinderfilmen. Bei der Defa spielte er 1974 die Hauptrolle in »Am Ende der Welt« über die »Freie Republik Schwarzenberg«. Vor dreißig Jahren ging er in seine Heimatstadt Wernigerode zurück. Sein Vater betrieb hier eine Fabrik für Kinderbetten, die Peter Friedrichson übernahm; vor zehn Jahren wurde sie durch Brandstiftung zerstört. Oft laufen seine Filme noch im Fernsehen, so kürzlich das Tauchsportlustspiel »Amor holt sich nasse Füße« (1978). Der seit Montag 75jährige kann mit Stolz auf diese Laufbahn zurückblicken.

Gleich mehrere Künstlerlaufbahnen absolvierte Otto Sander, der an diesem Mittwoch 80 geworden wäre. Auf den Theaterschauspieler aus Hannover wurde Claus Peymann bereits 1968 aufmerksam, holte ihn nach Westberlin, wo Sander bis 2007 an verschiedenen Häusern wirkte – am prägendsten wohl bei Peter Stein an der Schaubühne. Einige Inszenierungen wurden für die Nachwelt aufbewahrt, und der Karriere bei Film und Fernsehen verdankt Sander, dass nachfolgende Generationen über ihn bis heute staunen können. Auch bei der Defa hat Sander 1986 und 1989 gefilmt. Nicht zu vergessen seine Arbeit als Sprecher in Filmen, Hörspielen und -büchern. Und schließlich hat er auch Regie geführt – am Theater und zusammen mit Bruno Ganz bei einem Film über seine alten Kollegen Curt Bois und Bernhard Minetti. Sander starb 2013.

Seinen ersten Filmauftritt hatte Sander 1964 in einem Kurzfilm, bis heute ein unterschätztes Genre. Thematisch war das Spektrum von Regisseur Eckhard Potraffke, der am Montag 80 wurde und 1964 zur Defa kam, breit gefächert. Die Silberne Taube in Leipzig bekam er ebenso wie ein Diplom der Kinderjury in Gera. Er drehte den ersten, nicht ganz kurzen Porträtfilm über den aus Jugoslawien stammenden »Defa-Indianer« Gojko Mitic, porträtierte mit »In der Schmiede« (1976) Leute, die nicht mehr in der Werkstatt, sondern in der Industrie arbeiteten, und fand Originelles bei Kleingärtnern in seiner Wahlheimat Babelsberg heraus. Dort gilt er bei seinen Defa-Mitstreitern bis heute als einer der angenehmsten Kollegen.

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