3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Dienstag, 28. September 2021, Nr. 225
Die junge Welt wird von 2582 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 30.06.2021, Seite 7 / Ausland
Krieg in Syrien

US-Blockade im Nahen Osten

Bomben auf syrisch-irakische Grenze. »Anti-IS-Koalition« hält an von Washington vorgegebenem Kurs fest
Von Karin Leukefeld, Aleppo
imago0122977943h.jpg
Hat grünes Licht für die Angriffe in Syrien und dem Irak gegeben: US-Präsident Joseph Biden (Washington, 25.6.2021)

Zentraler Aspekt der US-Politik im Nahen und Mittleren Osten ist es, zu verhindern, dass die Staaten der Region sich einander annähern und verbünden. Wichtig hierzu ist die Blockade der syrischen Grenzen zu den Nachbarländern. Besonders die Grenze zum Irak, die über etwa 600 Kilometer von der Türkei im Norden bis nach Saudi-Arabien im Süden reicht, soll nach US-Vorstellung nicht wieder unter syrische und irakische staatliche Kontrolle kommen.

Von vier offiziellen syrisch-irakischen Grenzübergängen konnte seit der Niederschlagung des »Islamischen Staats im Irak und in der Levante« (ISIL) 2018 nur der Grenzübergang Al-Kaim/Al-Bukamal am Euphrat wieder unter syrische Kontrolle gebracht werden. Das geschah wesentlich mit Unterstützung irakischer Milizen und mit Unterstützung des Iran. Teherans Einfluss aber wollen die USA und ihre westlichen Partner der »Anti-IS-Allianz«, Israel und arabische Golfstaaten zurückdrängen.

Am frühen Montag morgen bombardierten nach Angaben des Pentagon US-Kampfjets drei angebliche Waffen- und Munitionslager der irakischen Volksmobilisierungseinheiten Haschd Al-Schaabi im syrisch-irakischen Grenzgebiet bei Al-Bukamal. Ziel der Angriffe waren demnach die Milizenverbände Kataib Hisbollah und Kataib Sajid Al-Schuhada. Laut US-Verteidigungsministerium wurden sowohl 250-Kilogramm-Bomben als auch eine Tonne schwere, satellitengesteuerte Munition verwendet. Nicht bestätigten Angaben zufolge wurden mindestens sieben Personen bei den Angriffen getötet.

Pentagon-Sprecher John Kirby erklärte, US-Präsident Joseph Biden habe grünes Licht für den Angriff gegeben. Die USA hätten ihr »Recht auf Selbstverteidigung« in Anspruch genommen. Mindestens fünfmal sollen die Milizen seit April 2021 mit Hilfe von mit Sprengstoff beladenen Drohnen US-Basen im Irak attackiert haben, die sowohl von CIA- als auch anderen US-Sondereinsatzkräften genutzt worden seien, berichtete die New York Times im Anschluss.

Am Montag abend kam die Antwort. Zunächst berichteten verschiedene lokale Quellen, Raketen seien – vermutlich von irakischen Milizen mit Unterstützung des »Korps der iranischen Revolutionsgarden« – auf das syrische Al-Omari-Ölfeld abgefeuert worden. Dort befindet sich eine US-Militärbasis, auf der auch Kämpfer der Syrisch-Demokratischen Kräfte (SDK) untergebracht sind.

Bestätigt wurden kurz darauf die Angriffe auch vom Sprecher der »Operation Inherent Resolve«. Etwa um 19.44 Uhr seien die US-Truppen in Syrien mit zahlreichen Raketen attackiert worden. Verletzte habe es nicht gegeben, der Schaden werde untersucht, so die Nachricht, die über Twitter verbreitet wurde. Wenig später wiederum wurden Angriffe auf die südlich von Deir Al-Sor gelegene Stadt Al-Majadin gemeldet, die der US-Armee und den SDK zugeschrieben wurden. In Al-Majadin soll sich ein Stützpunkt der »Revolutionsgarden« befinden.

Die Situation in Syrien war auch Thema eines Treffens der US-geführten »Anti-IS-Allianz« in Italien, das neben einer Konferenz der G20-Außen- und Entwicklungsminister am Wochenende stattgefunden hatte. In einer vom deutschen Auswärtigen Amt in Übersetzung verbreiteten gemeinsamen Erklärung wurde demnach bekräftigt, an dem von den USA vorgegebenen Kurs in dem Land festzuhalten.

Es solle weiter Unterstützung für Flüchtlinge in den Lagern in benachbarten Staaten geben, eine Rückkehr für die Menschen sei freiwillig erst möglich, wenn in Syrien die Resolution 2254 des UN-Sicherheitsrates umgesetzt worden sei. Grenzüberschreitende »humanitäre Hilfe« solle fortgesetzt und ausgeweitet werden. Gemeinsam werde man weiter gegen den Terrorismus kämpfen. Obwohl all das nicht mit, sondern unter Ausschluss der syrischen Regierung umgesetzt werden soll, wurde von den Staaten die Einheit und territoriale Integrität Syriens bekräftigt.

Die von der EU und den USA einseitig verhängten wirtschaftlichen Strafmaßnahmen gegen Syrien, die das Völkerrecht verletzen, wurden nicht erwähnt. Auch die von US-Außenminister Antony Blinken vorgetragene Forderung an Staaten, die aus ihren Ländern stammenden IS-Kämpfer und deren Angehörige aus dem Al-Hol-Lager im Nordosten Syriens in ihre Heimatländer zu evakuieren, fand in der Erklärung keine Erwähnung.

Aktionsabo »Marx für alle« für drei Monate

Die Bundesregierung und der deutsche Inlandsgeheimdienst wollen der Tageszeitung junge Welt den »Nährboden entziehen« unter anderem wegen ihrer marxistischen Weltanschauung. Mit unserem Aktionsabo  »Marx für alle« möchten wir möglichst vielen Menschen diese wissenschaftliche Sichtweise nahebringen und 1.000 Abos für die Pressefreiheit sammeln.

Das Abo kostet 62 Euro statt 126,80 Euro und endet nach drei Monaten automatisch.

Zur neuen Leserbrieffunktion auf jungewelt.de

  • Leserbrief von Hans Schoenefeldt ( 2. Juli 2021 um 11:51 Uhr)
    (…) In dem Artikel ist von der irritierenden Aufforderung des US-Außenministers Anthony Blinken die Rede, die NATO-Verbündeten müssten dafür sorgen, die in Syrien inhaftierten Kämpfer der Dschihadistenmiliz »Islamischer Staat« (IS), vulgo: Terroristen, in »ihre Heimatländer zurückzubringen«, also dorthin, wo sie einst als Freiheitskämpfer im Kampf gegen die syrische Regierung angeworben und »ins Feld« beordert wurden. Zurück in ihrer eigentlichen Heimat, mögen sie, so Blinken, strafrechtlich verfolgt oder rehabilitiert werden.
    Offenbar brauchen seine NATO-Vasallen noch etwa Zeit, um zu begreifen, was für ein zum Himmel stinkendes Ei ihnen der US-Präsident ins Nest gelegt hat. Der von Blinken geforderte Reimport von Freiheitskämpfern/Dschihadisten ist geeignet zu sagen: Man entsandte einst Demokratiekämpfer und bekam Terroristen.
    Blicken wir nun auf die Volksrepublik China, genauer nach Xinjiang. Dort leben zahlreiche ethnische Minderheiten, darunter die Uiguren, die zur Hälfte dem Islam angehören. Viele ihrer Glaubensbrüder haben sich im Verlauf der Jahrzehnte fundamentalisiert, radikalisiert und sich als dschihadistische Kämpfer dem IS angeschlossen (die Zahlen schwanken zwischen 10.000 und 20.000). Als ihnen wegen der militärischen Niederlege des IS der Boden zu heiß geworden war, kehrten sie in ihre Heimat zurück, wo sie – dies ist sehr genau dokumentiert – ihr Terrorhandwerk fortsetzten, schwerpunktmäßig durch Sabotageakte an der durch Xinjiang führenden »Neuen Seidenstraße«. Diesen und anderen Terrorakten schob die chinesische Zentralregierung letztendlich einen Riegel vor und tat ziemlich genau das, was US-Außenminister von seinen Verbündeten fordert. Der große Unterschied besteht nur darin, dass die wackeren IS-Kämpfer, die sich in den sog. Umerziehungslagern befinden, flugs zu Demokratieaktivisten umetikettiert wurden. Vom angeblichen Genozid bedroht dürfen sie sich nunmehr der uneingeschränkten Solidarität der westlichen Menschrechtsverwalter erfreuen. Diejenigen, die gleichfalls im Dienst des Terrorstaats IS gestanden haben und nun mit dem Ruf »Heim ins Reich« geködert werden, sollen hingegen vom Netz des demokratischen Rechtsstaats aufgefangen werden. Welch eine Heuchelei!
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (30. Juni 2021 um 14:15 Uhr)
    Was haben die USA im Nahen und Mittleren Osten verloren, dass sie militärisch seit dem ersten Irakkrieg 1991 dort aktiv ist? Wo ist die UNO, wo ist die Friedensbewegung, und wo sind die Menschenrechtsbewegungen des Wertewestens? Statt dessen prangern sie beständig die politische Ordnung in Hongkong oder in Belarus an, wo man wesentlich besser lebt als im von den USA besetzten Irak. Die US-Strategie ist nicht neu. Schon die Römer taten alles dafür, um zu verhindern, dass das Partherreich, die dominierende Macht im ersten vorchristlichen sowie im ersten und zweiten nachchristlichen Jahrhundert im iranischen Hochland und in Mesopotamien, einen Zugang zum Mittelmeer bekam. Die damalige Hochkultur wäre ein enormer Konkurrent im Mittelmeerraum geworden, was mit allen Mittel von den Römern bekämpft wurde. Die ständigen Kämpfe der Kontrahenten schwächten beide Seiten soweit, dass sie nahezu zeitgleich untergingen. Der lachende Dritte wurden die von Mohammed vereinten arabischen Stämme, die im siebten Jahrhundert die Macht um das Mittelmeer an sich rissen und für fünfhundert Jahre eine blühende Hochkultur schufen. Kriegsführung ist so teuer, dass sie von der Wirtschaft nicht lange getragen werden kann, darunter leiden die USA, seit sie 1917 in den Ersten Weltkrieg eingegriffen haben. Seither ist ihre Waffenindustrie ein Selbstläufer geworden und hat heute die globale Welt im Würgegriff!

Ähnliche:

  • Der geschäftsführende US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan ...
    14.02.2019

    Postwendend zurück

    US-Verteidigungsminister beendet Reise durch Nahen Osten
  • Ein Kämpfer protürkischer Milizen am 12. Februar in Tadef in der...
    17.02.2018

    »Stabilisierung« à la USA

    Washington braucht Krieg in Syrien, um den Mittleren Osten »neu zu ordnen«. Türkei, Iran und Russland sind Gegenspieler
  • Partnerschaft auf Augenhöhe? Die Kämpfer der kurdischen YPG erfr...
    13.11.2017

    Great Game

    In Syrien wie im ­gesamten Nahen Osten ringen Regional- und Großmächte um Einfluss. Die Position der USA ist dabei ­schwächer geworden

Mehr aus: Ausland

Letzte Möglichkeit: Drei Monate Aktionsabo »Marx für alle« für 62 Euro!