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Aus: Ausgabe vom 30.06.2021, Seite 6 / Ausland
70 Jahre FIR

Nie wieder Faschismus

Vor 70 Jahren wurde die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer gegründet
Von Ulrich Schneider
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Auf dem Friedenskongress der Widerstandsbewegung vom 30. Juni bis 3. Juli 1951 in Wien wurde die FIR gegründet

Zum 100jährigen Antifajubiläum gehört auch, dass seit nunmehr 70 Jahren ein internationaler Dachverband besteht, der Organisationen ehemaliger Widerstandskämpfer und Partisanen, Kämpfer in den Reihen der Antihitlerkoalition, Deportierte und Internierte und ihre Angehörigen aus ganz Europa und Israel repräsentiert. Es ist die »Fédération Internationale des Résistants« (Internationale Föderation der Widerstandskämpfer, FIR). Gegründet wurde sie von Überlebenden in der Hochphase des Kalten Krieges, nachdem ihre erste Organisation, die FIAPP (Fédération Internationale des Anciens Prisioniers Politiques), in den damaligen politischen Auseinandersetzungen zerrieben wurde,

Frieden und Abrüstung

Anlässlich des Friedenskongresses der Widerstandsbewegung vom 30. Juni bis 3. Juli 1951 wurde die FIR mit Sitz in Wien, im neutralen Österreich, gegründet. Das Besondere dieser Organisation war, dass Veteranenverbände aus Ost und West und unterschiedlicher politischer Ausrichtung gleichberechtigt Mitglied in dieser Dachorganisation waren. Politische Gegner der FIR – und dazu zählten die restaurativen Kräfte in der BRD ebenso wie Kriegstreiber im Umfeld der NATO – denunzierten die FIR als »kommunistische Organisation«, weil sie sich nicht gegenüber den sozialistischen Staaten abgrenzte.

Die FIR und ihre Mitgliedsverbände sahen in dieser Zeit ihre Hauptaufgaben darin, gegen die drohende Kriegsgefahr aktiv zu werden, die Reste des Nazismus zu beseitigen und das politische Vermächtnis der Überlebenden und Opfer des Faschismus zu verwirklichen, wie es im »Schwur von Buchenwald« heißt: »Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln. Schaffung einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit!« Die FIR unterstützte die Verfolgten des Naziregimes in ihren sozialen und medizinischen Belangen und setzte sich für die Erinnerung an den Kampf der Partisanen und illegalen Widerstandsgruppen in allen Ländern ein. Gegen das Wiedererstarken neofaschistischer Gruppen dokumentierte die FIR die Realität der faschistischen Verbrechen.

In den 1950er und 1960er Jahren organisierte die FIR verschiedene Kongresse zu medizinischen, politischen und historischen Themen. Die Historische Kommission veröffentlichte in den »Heften der Widerstandsbewegung« den ersten Überblick über die Geschichte des antifaschistischen Kampfes in verschiedenen Ländern Europas. Auch die große Dokumentation zum KZ Buchenwald »Buchenwald – Mahnung und Verpflichtung« wurde von der FIR herausgegeben.

Bis in die 1980er Jahre hinein war die politische Arbeit der FIR eng mit der Frage Frieden und Abrüstung, Verständigung und Zusammenarbeit der unterschiedlichen politischen Systeme verbunden. Die FIR gab dem ehemaligen Widerstand eine Stimme gegen die militärische Konfrontation. Mitgliedsverbände aus West- und Osteuropa starteten Initiativen zur Überwindung der Konfrontationspolitik. Gemeinsam mit anderen Veteranenorganisationen, zum Beispiel der »Weltföderation der Veteranenverbände«, bereitete die FIR das »Welttreffen ehemaliger Kriegsteilnehmer für Abrüstung« 1979 in Rom vor. Aufgrund dieser Aktivitäten und Initiativen für Abrüstung und internationale Zusammenarbeit wurde die FIR von den Vereinten Nationen zur »Botschafterin des Friedens« ernannt.

Erneuerung in 1990er Jahren

Eine wichtige Rolle spielte die FIR im Kampf gegen das Wiederaufleben der extremen Rechten in Europa und faschistischer Traditionsverbände. Zur Unterstützung der deutschen Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) organisierte die FIR in den 1980er Jahren in Strasbourg und Köln Massendemonstrationen gegen das öffentliche Auftreten faschistischer Traditionsverbände wie der »Hilfsgemeinschaft ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS« und anderer neofaschistischer Gruppen.

In den 1990er Jahren musste die FIR auf die Veränderung der politischen Situation in der Welt reagieren. Die sozialen und politischen Probleme der Partisanen und Widerstandskämpfer in den ehemals sozialistischen Ländern wuchsen, die finanziellen Mittel gingen zurück, und es wurde – aus Gründen des Alters – eine personelle Erneuerung dringend. Dafür wurde auf dem XIII. regulären Kongress in Berlin 2004 der Sitz der Organisation in die deutsche Hauptstadt verlegt und eine neue Satzung verabschiedet, mit der die Einbindung heutiger Generationen von Antifaschistinnen und Antifaschisten möglich wurde. Seit damals trägt die Organisation den Namen: Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten.

Heute hat die FIR Mitgliedsverbände in mehr als 25 europäischen Ländern und in Israel. Die politischen Umstände haben sich geändert, aber die Hauptaufgabe ist immer noch das Versprechen: »Nie wieder!« Und das bedeutet, sich gegen alle Formen der Verfälschung der Geschichte und für die Bewahrung der historischen Wahrheit über den Widerstandskampf, über den Faschismus und die Rolle der Antihitlerkoalition einzusetzen.

Zusammen mit politischen und gesellschaftlichen Partnern organisierte die FIR in den letzten Jahren Konferenzen gegen Neofaschismus, Gedenkveranstaltungen anlässlich der Befreiungstage und große internationale Jugendtreffen wie den »Train des Milles« (Zug der Tausend), bei dem mehr als 1.000 Jugendliche aus ganz Europa in den Gedenkstätten Buchenwald und Auschwitz zusammenkamen. Mit Stellungnahmen und Aktionen kämpfen die FIR und ihre Mitgliedsverbände heute gegen Neofaschismus, Antisemitismus und Rassismus sowie deren gesellschaftliche Wurzeln. Auf der Grundlage der Gemeinschaft des Kampfes gegen den Faschismus treten sie heute für Frieden, politische und soziale Menschenrechte und Demokratie ein.

Ulrich Schneider ist Generalsekretär der Internationalen Vereinigung der Widerstandskämpfer (FIR)

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