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Aus: Ausgabe vom 29.06.2021, Seite 8 / Ansichten

Es reicht

Sahelstaaten und der Westen
Von Arnold Schölzel
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Französische Fahne weht über einem Militärstützpunkt in Mali (1.8.2019)

Am Sonnabend fanden in verschiedenen Städten Malis Demonstrationen statt. Hauptlosung: »Französische Truppen raus, Russland, hilf uns!« Da war das Attentat, bei dem 15 UN-Soldaten, darunter zwölf deutsche (die anderen drei werden in deutschen Medien nicht erwähnt), im Norden des Landes verletzt wurden, etwas mehr als 24 Stunden her. Am Freitag selbst hatte die vereinte politische Opposition des Nachbarstaates Burkina Faso angekündigt, den Dialog mit der korrupten Regierung zu unterbrechen. Am 3. und 4. Juli will sie im ganzen Land Protestmärsche veranstalten. Am Sonntag wandte sich daraufhin Staatspräsident Roch Kaboré an die Bevölkerung und erklärte, er habe nach dem Massaker in der Stadt Solhan am 4. und 5. Juni, dem mehr als 132 Menschen zum Opfer gefallen waren, entschieden, »entsprechende Maßnahmen zu ergreifen«. Die erste formulierte er so: »Das Vertrauen unseres Volks in den Sicherheitssektor wiederherstellen.« Ein Kommentator meinte dazu im einheimischen Nachrichtenportal lefaso.net grimmig, die Bevölkerung sei nur noch schwer davon zu überzeugen, dass Staat und Sicherheitskräfte von ihrer Existenz überhaupt Kenntnis nähmen.

Die Kluft zwischen den Bevölkerungen der Sahelstaaten und ihren Regierungen hat sich seit 2011, als der Westen in Libyen einen Regime-Change durchzog und Tausende Milizionäre in die südlichen Nachbarstaaten strömten, vergrößert. Noch größer ist die Distanz zu den Truppen, mit denen NATO und EU das selbstverschuldete Chaos seither vergrößern. Zwischen den Bewohnern und diesen Soldaten, die als Besatzer empfunden werden, liegen Welten. Verelendung und Verarmung haben sich seit deren Entsendung vor knapp zehn Jahren beschleunigt.

Wer die deutsche Verteidigungsministerin am Montag im DLF eiern hörte – sie will die deutschen Truppen unbedingt in Mali lassen, weiß aber angeblich nicht, wofür –, muss daher das Schlimmste für die Einwohner befürchten. Die völlige Gleichgültigkeit ihnen gegenüber sprach schließlich die Bundeskanzlerin aus, als sie bessere Koordination vor allem mit Frankreich verlangte. Geht’s noch?

Es soll noch mehr Chaos und Elend geben, wenn es nach Kramp-Karrenbauer und Merkel geht. Fällig ist dagegen seit Anfang an wie in Afghanistan: ein dauerhafter Dialog mit der Bevölkerung, den Stammesältesten, einschließlich den sogenannten Religiösen, ein Interesse für ihre Anliegen und Bedürfnisse. Das ist in Berlin noch weniger vorhanden als in Paris. Dort sitzen die Hauptschuldigen an der Situation im Sahel. Es reicht. Bundeswehr raus aus Mali!

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