3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Sa. / So., 24. / 25. Juli 2021, Nr. 169
Die junge Welt wird von 2567 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 29.06.2021, Seite 1 / Titel
Schwarzmeer-Manöver

Flottille gegen Moskau

Großmanöver »Sea Breeze 2021« im Schwarzen Meer gestartet: Breites prowestliches Bündnis macht gegen Russische Föderation mobil
Von Jörg Kronauer
imago0065160301h.jpg
Provokation vor der russischen Küste: »Sea Breeze«-Manöver im Schwarzen Meer (Aufnahme von 2015)

Unter Führung der USA und der Ukraine hat am Montag im Schwarzen Meer ein Großmanöver zur Optimierung gemeinsamer Militäroperationen der prowestlichen Anrainer mit der NATO begonnen. An der Kriegsübung »Sea Breeze 2021«, der bislang größten der seit 1997 abgehaltenen Manöverserie, nehmen 5.000 Soldaten aus 32 Ländern mit 32 Schiffen, 40 Flugzeugen sowie 18 Spezialeinheiten und Tauchteams teil. Geprobt werden verschiedene Operationsarten, darunter amphibische Manöver und Einsätze an Land, der Luft- und U-Boot-Abwehr sowie maritime Abriegelungsoperationen. Besondere Bedeutung besitzt die militärische Kooperation mit der Ukraine und Georgien, den beiden einzigen Anrainerstaaten außer Russland, die nicht der NATO angehören. Die Übung sei zudem »eine greifbare Demonstration der US-Unterstützung für die Ukraine«, wird die Geschäftsträgerin der US-Botschaft in Kiew, Kristina Kvien, zitiert.

Mit »Sea Breeze 2021« setzen die westlichen Mächte die Verstärkung ihrer Truppenpräsenz im und am Schwarzen Meer fort. Im März teilte die NATO in ihrem Jahresbericht mit, sie habe ihre Manöver in der Region intensiviert. Bereits zuvor hatte es geheißen, Kriegsschiffe der USA und weiterer Mitgliedstaaten abgesehen von den Anrainern operierten inzwischen während rund zwei Dritteln des Jahres im Schwarzen Meer. Vergangene Woche hat ein britischer Zerstörer mit einer gezielten Provokation, dem Eindringen in die Hoheitsgewässer vor der Krim, russische Reaktionen auf etwaige NATO-Vorstöße ausgetestet. Das soeben beendete Großmanöver »Defender Europe 21« hat die Verlegung von US-Großverbänden nach Südosteuropa und in die Schwarzmeerregion geübt, während die Bundeswehr sich am Aufbau eines neuen regionalen NATO-Hauptquartiers in Rumänien (Multinational Corps South-East) beteiligt und seit vergangener Woche Eurofighter für die rumänische Luftraumüberwachung in Constanta an der Schwarzmeerküste stellt.

Parallel nutzen die Vereinigten Staaten »Sea Breeze 2021«, um ihr globales Bündnissystem zu konsolidieren und auszudehnen. So nehmen an der Kriegsübung nicht nur Australien, Japan und Südkorea teil, deren Streitkräfte im Kern zum militärischen Dispositiv des Westens gegen China zählen. Auch Militärs aus Brasilien, Israel, Pakistan und den Vereinigten Arabischen Emiraten sind involviert, darüber hinaus zum ersten Mal vier Staaten Nord- und Westafrikas (Ägypten, Tunesien, Marokko, Senegal). Die deutsche Marine hingegen ist seit 2016 nicht mehr bei »Sea Breeze« präsent. Sie konzentriert sich neben ihren Einsätzen – vor allem im Mittelmeer – stark auf die Ostsee und bereitet sich aktuell auf ihre erste Übungsfahrt ins Südchinesische Meer vor.

Russland, gegen das sich »Sea ­Breeze 2021« richtet, fordert die Absage des Großmanövers: »Das Ausmaß und die offensichtlich aggressive Art der militärischen Übungen entsprechen in keiner Weise den tatsächlichen Sicherheitsbedürfnissen in der Schwarzmeerregion«, twitterte die russische Botschaft in Washington bereits vergangene Woche. Das beeindruckt im Westen freilich niemanden. Denn neben der Unterstützung der Ukraine geht es darum, Russland zu schwächen. Dessen Marinepräsenz in dem Gewässer sei nicht nur für die »Verteidigung der russischen Südflanke« existenziell, hielt vor geraumer Zeit das Fachblatt Marineforum fest; sie sei außerdem »das strategische Rückgrat« der russischen »Machtprojektion über den Bosporus hinaus ins östliche Mittelmeer und den Nahen Osten«.

Marx für alle!

Die junge Welt gibt's jetzt im Aktionsabo! Für 62 € erhältst du 3 Monate lang die gedruckte Ausgabe der jW, danach endet das Abo automatisch.

Jetzt selber abonnieren, verschenken oder schenken lassen!

Zur neuen Leserbrieffunktion auf jungewelt.de

  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (29. Juni 2021 um 10:40 Uhr)
    Das Eskalationspotential bei diesem künstlichen Sturm am Schwarzen Meer ist tatsächlich sehr hoch. Die seit Jahren größte Übung des Nordatlantikpaktes und diverser Verbündeter, allen voran die Ukraine, dürfte die Spannungen mit Russland weiter verschärfen. Seit dem »Anschluss« der Halbinsel Krim an Russland im Jahr 2014 hat die Übung deutlich an Brisanz gewonnen, wie der Zwischenfall in der vergangenen Woche gezeigt hat. Wie schnell es gehen kann, illustrierte das Scharmützel zwischen dem britischen Zerstörer »HMS Defender« und den russischen Streitkräften nahe der Halbinsel Krim. Bei dem die russische Seite – wie Videoaufnahmen inzwischen belegen – tatsächlich echte Munition für Warnschüsse einsetzte, um das britische Kriegsschiff zu einer Kursänderung zu bewegen, die auch erfolgte. Der Zerstörer sei absichtlich in »russische Hoheitsgewässer« eingedrungen, um zu provozieren. Es geht hier um die Frage nach der Zugehörigkeit der Krim. Für einen Teil der Weltgemeinschaft war und ist die Krim gemäß Völkerrecht weiter Bestandteil der Ukraine. Weshalb auch die Briten darauf verweisen, dass sich ihr Schiff in ukrainischen und nicht in russischen Gewässern aufgehalten habe. Ein künstlicher Sturm am Schwarzen Meer, mehr ist das Schwarzmeer-Manöver nicht, eine öffentliche Augenwischerei, weil der Westen kaum ernsthaft verlangen kann, dass Russland die Krim an die Ukraine zurückgibt. Die Sache dient schließlich nur dazu, Russland von der EU zu trennen.
  • Leserbrief von Richard (28. Juni 2021 um 23:57 Uhr)
    USA gleich Adolf Hitler … Und auch das Umfeld ist mindestens ähnlich. Das betrifft die Leugner (»Ich hab’ von all dem nichts gewusst«, z. B. den Verbrechen im Irak, die Teil dieser Ideologie sind; entweder will man es nicht gewusst haben oder ignoriert (leugnet) deren Schwere … Man nimmt Krieg und Gewalt als selbstverständlich hin und ergibt sich gerne westlicher Propaganda, obwohl diese schon tausendmal durch Lügen und Manipulation aufgefallen ist; es hat etwas von einem Händler, der einen schon mehrfach betrogen hat, und man kommt trotzdem immer wieder, ganz einfach, weil dieser einem dieses Gefühl der Überlegenheit anderen gegenüber gibt, Stichwort »westliche Werte«), die Mitläufer (die einem Vorwürfe machen, weil man diese »Politik« ablehnt und kritisiert), die de facto gleichgeschaltete Mainstreampresse – ein direktes, offenes Verbot von »Feindsendern« traut man sich (noch) nicht, wobei Forderungen danach durchaus im Raum stehen, man macht es eher indirekt, zum Beispiel über wirtschaftliche Druckmittel; sagen wir so: Man ist sehr nah dran an einem Verbot –, das Herausstellen der Besonderheit des Westens anderen Kulturen gegenüber (»westliche Werte«, das ist der neue »Arier«) und sicher noch einige Faktoren mehr. Am krassesten von der Symbolik her ist meiner Meinung nach aber der Umgang mit Assange, den sie foltern, weil er die moderne, die digitale Form des Flugblattes angewandt hat (hab’ ich »Sophie Scholl« gesagt?). Auch krass ist, wie die USA wehrmachtgleich das Prinzip der verbrannten Erde vervollkommnet haben, mittels »Depleted Uranium«, Uranmunition im Irak, Exjugoslawien etc. (in Vietnam leidet heute auch noch eine Million Menschen an der durch Agent Orange verursachten nachhaltigen Verseuchung), oder wie sie leningradgleich diverse Länder strangulieren, aushungern (Jemen, Syrien, Kuba etc.), in vollem Bewusstsein und mit voller Absicht hinsichtlich der Konsequenzen (das Volk ist gemeint, auch wenn etwas anderes behauptet wird, siehe https://m.youtube.com/watch?v=xYXK7uh93Uo). Kurz gesagt: es sind Psychopathen,westliche Psychopathen!

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Ähnliche:

  • Das britische Kriegsschiff »HMS Defender« am vergangenen Freitag...
    25.06.2021

    Moskau antwortet

    Bewusste Provokation durch britisches Kriegsschiff vor der Krim: Russischer Anspruch auf Küstengewässer sollte herausgefordert werden
  • Bespaßung von US-Rekruten durch ukrainische Folklore auf dem Tru...
    04.10.2017

    Immer weniger diskret

    Die militärische Zusammenarbeit zwischen Washington und Kiew
  • Unbedingt abwehrbereit: Amphibienfahrzeuge vor dem russischen Le...
    07.08.2017

    Ein geostrategischer Erfolg

    Vorabdruck: Die Krim hat für Russland eine ­erhebliche Bedeutung. Ihre Eingliederung war vor allem eine Maßnahme, den Einfluss der NATO im Schwarzen Meer zurückzudrängen

Marx für alle! 3 Monate Tageszeitung junge Welt lesen für 62 €. Jetzt bestellen!