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Aus: Ausgabe vom 28.06.2021, Seite 3 / Schwerpunkt
Investitionen

Lukrative Geschäfte in Libyen

Europäische Großkonzerne wollen Infrastrukturprojekte ankurbeln
Von Jörg Kronauer
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Der libysche Ministerpräsident Abd Al-Hamid Dbeiba heißt ausländische Konzerne willkommen

Kaum ist in Tripolis im März die Bildung einer Regierung gelungen, die gewisse Hoffnungen auf ein Ende des Krieges nährt, da laufen sich die großen europäischen Konzerne mit Blick auf potentiell lukrative Geschäfte in Libyen warm. Schon im Februar – die Regierungsbildung war noch gar nicht abgeschlossen – hielt die bundeseigene Außenwirtschaftsagentur Germany Trade and Invest (GTAI) fest, seit dem gewaltsamen Sturz von Muammar Al-Ghaddafi im Jahr 2011 habe sich »der Investitionsstau in Libyen weiter verschärft«. Dies gelte »besonders für kritische Infrastruktur wie Wasser- und Elektrizitätsversorgung«.

Und tatsächlich: Bereits im Januar hatten Siemens und der türkische Konzern Enka Insaat Pläne für den Bau zweier Kraftwerke in dem nordafrikanischen Land bestätigt. Aber die Konkurrenz schläft nicht. Als der libysche Ministerpräsident Abd Al-Hamid Dbeiba Anfang Juni nach Paris reiste, besuchte er nicht nur den Élysée-Palast, sondern auch die Zentrale des französischen Kapitalverbandes Medef ganz in der Nähe des Eiffelturms ein. Von einem Investitionsvolumen in Höhe von fast fünf Milliarden US-Dollar war inzwischen die Rede. Am Tag vor seinem Aufenthalt in Paris hatte Dbeiba einen Zwischenstopp in Rom eingelegt, wo gleichfalls großes Interesse an profitablen Aufträgen aus Libyen besteht.

Mit derlei Geschäften hat der Ministerpräsident durchaus Erfahrung, und die verdankt er nicht zuletzt seinem Cousin Ali Dbeiba, einem der reichsten Libyer. Ali Dbeiba, in den 1970er Jahren als Bürgermeister in der Hafenstadt Misrata tätig, fiel, so wird berichtet, Ghaddafi wegen seiner Fähigkeiten als Verwalter auf und wurde 1989 zum Leiter der »Organisation for the Development of Administrative Centers« ernannt, die für große Bauprojekte im gesamten Land zuständig war. Als 2003 die UN-Sanktionen gegen Libyen aufgehoben wurden, begannen die großen Infrastrukturgeschäfte zu sprießen, und das große Geld fing an zu sprudeln. Dem Jahrzehnt bis 2011 soll Ali Dbeiba seinen Reichtum verdanken – und nicht nur er: Auch Abd Al-Hamid Dbeiba, der heutige Ministerpräsident, kam dank der einflussreichen Position seines Cousins ins Geschäft und wurde Chef der »Libyan Investment and Development Company« (Lidco), die ebenfalls mit dem Infrastrukturbau befasst ist.

Von Abd Al-Hamid Dbeiba wird nicht nur berichtet, er habe seine Kandidatur für das Ministerpräsidentenamt mit Millionenzahlungen aus Lidco-Schatullen an Lobbyunternehmen aus Frankreich und den USA gefördert, sondern auch, dass sich sein immenser Reichtum – wie der seines Vetters – auch nicht annähernd mit seinem Lidco-Chefposten erklären lasse. Das mag Hinweise geben, wie man sich die Konkurrenz um künftige Großaufträge aus Libyen vorzustellen hat, aber auch darauf, dass das Interesse der Dbeibas, den Posten des Regierungschefs zu verlieren, nicht unbedingt als überwältigend einzuschätzen ist.

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