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Aus: Ausgabe vom 24.06.2021, Seite 5 / Inland
Vermieter in der Pandemie

Wie vor der Krise

Vor »Tag der Immobilienwirtschaft« stellt Lobby Stimmungsindex für Branche vor. Unternehmen erwarten Wachstum bei Preisen und Mieten
Von Susanne Knütter
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Kein Haifischtreffen: Heute tauschen sich die Profiteure des Immobiliensektors aus (Protest beim Tag der Immobilienwirtschaft 2019)

Es ist genau das Motto, hinter dem man Vermieter vermutet: »Wir geben Leben Raum«. Jedes Jahr denken sich die kreativen Köpfe des zentralen Ausschusses der Immobilienwirtschaft (ZIA) ein neues, die tatsächlichen Verhältnisse irgendwie verschleierndes und zugleich doch getreu abbildendes Motto für den »Tag der Immobilienwirtschaft« aus. 2018 lautete es: »Global denken, lokal investieren.« 2019 war es: »Miteinander statt gegeneinander«. Und im vergangenen Jahr »passend« zur Coronapandemie: »Wir bauen auf Mut.« An diesem Donnerstag veranstaltet der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft das diesjährige Treffen des Who’s who der Branche. Am Mittwoch stellte ZIA-Präsident Andreas Mattner Themen und Redner des Events vor, zu dem 3.500 Teilnehmer erwartet werden. Außerdem präsentierte er die Ergebnisse des aktuellen »Immobilienstimmungsindexes«, den das Institut der deutschen Wirtschaft regelmäßig im Auftrag des ZIA erstellt.

Kaum Mietausfälle

Kurz gesagt: Die Stimmung in der Immobilienbranche ist gut. »Das Immobilienklima verbessert sich und erreicht nun einen Wert von 38,6 Punkten, was einer Steigerung von 5,8 Punkten gegenüber dem Vorquartal entspricht«, heißt es in der jW vorliegenden Studie. Damit habe das Immobilienklima fasst wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht. Die Erwartungen an die Geschäftslage für die nächsten zwölf Monate seien positiv, so Mattner. In allen Immobilienzweigen – dazu zählen der Büro- und Handelsimmobiliensektor, das Wohnsegment und die Projektentwicklung – gehe eine klare Mehrheit der Unternehmen von steigenden Preisen und Mieten aus. Es werde Stabilität bzw. »ein Wachstum wie vor der Krise erwartet«, fasste Mattner zusammen.

Zwar seien 11,8 Prozent der Unternehmen von Mietausfällen und Stundungen betroffen. Allerdings gebe es hier »gigantische Unterschiede«, sagte Mattner. Probleme mit Stundungen hätten vor allem die Vermieter von Handelsimmobilien. Hier geben 45 Prozent an, »stark betroffen« zu sein. Aber auch dies ist eine Reduktion gegenüber dem Vorquartal (53,6 Prozent), wie aus der Erhebung hervorgeht. Die Mietausfälle für Vermieter von Wohnungen seien zu vernachlässigen. Nur null bis ein Prozent der Unternehmen beklagten Mietausfälle, konstatierte Mattner. Er lobte die Immobiliengesellschaften für ihre Härtefallfonds, die für einen vorbildlichen Ausgleich gesorgt hätten: »Niemand leidet Not, wenn er seine Miete nicht zahlen kann.«

Trotz Lohneinbußen

Die Partei Die Linke schaut da etwas genauer hin: »Die Mieten sind auch in der Pandemie ungebrochen gestiegen, obwohl viele Menschen Einkommensausfälle zu beklagen haben«, erklärte Caren Lay, wohnungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Linkspartei, am Mittwoch gegenüber jW. Auch Zwangsräumungen seien nach kurzer Unterbrechung im Frühling 2020 auf dem Vorjahresniveau weitergegangen. »Dass einige Wohnungsunternehmen Härtefallangebote gemacht haben, haben wir immer begrüßt. Leider war das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein«, so Lay weiter. Aus Angst vor Kündigung und Wohnungsverlust und davor, keine bezahlbare Wohnung mehr zu finden, habe die große Mehrheit der Mieter »alles daran gesetzt, ihre Mieten weiterzuzahlen – auch um den Preis, sich an anderer Stelle einschränken zu müssen«.

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