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Aus: Ausgabe vom 18.06.2021, Seite 7 / Ausland
Praktischer Internationalismus

Hindernisse für Zapatisten

Mexiko: EZLN-Mitgliedern werden Pässe für Reise nach Europa verweigert. Erste Delegation in Spanien erwartet
Von Frederic Schnatterer
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»Es lebe die EZLN«: Aktivisten in Mexiko-Stadt wünschen der zapatistischen Delegation eine gute Schiffsreise (2.5.2021)

Die Vorhut der zapatistischen Delegation, die am 2. Mai mit einem Segelschiff von der karibischen Isla Mujeres nach Europa aufgebrochen war, hat mit den zu Portugal gehörenden Azoren am vergangenen Freitag offiziell Europa erreicht. Dem zweiten Teil der Gruppe, der per Flugzeug nach Spanien fliegen will, werden von den mexikanischen Behörden indes Steine in den Weg gelegt. Ende der vergangenen Woche beklagte die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) in einer Stellungnahme, dass die Delegationsteilnehmer »unverschämten Hindernissen« bei der Ausstellung ihrer Reisepässe ausgesetzt wurden.

Subcomandante Galeano, der die Erklärung unterschrieben hat, versicherte darin, die Zapatisten hätten alle Anforderungen für die Ausstellung der Pässe erfüllt. Allerdings sei indigenen EZLN-Mitgliedern aus dem südlichen Bundesstaat Chiapas unterstellt worden, gar nicht aus Mexiko, sondern aus einem mittelamerikanischen Land zu kommen. »Das Problem ist, dass aus Sicht der Bürokratie die Hautfarbe, die Art zu sprechen, die Art sich zu kleiden und der Herkunftsort zählen.« Ein Fall von Rassismus im Außenministerium, der im Kontext mit dem Kurs der mexikanischen Regierung gegenüber Migranten aus Zentralamerika zu sehen sei.

Nachdem es sowohl in Mexiko selbst als auch international zu Solidaritätsbekundungen gekommen war und auch die mexikanische Tageszeitung La Jornada in ihrer Dienstagausgabe die Erklärung der EZLN abgedruckt hatte, meldete sich der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador in der Angelegenheit persönlich zu Wort. Bei seiner morgendlichen Pressekonferenz versicherte er am Dienstag, die Angelegenheit werde schnell geklärt werden, da es allen Mexikanern freistehe, das Land zu verlassen. Daher habe er den Außenminister Marcelo Ebrard angewiesen, »zu untersuchen, warum die Reisepässe nicht ausgestellt wurden«. »Sollte ein Fehler gemacht worden sein, wird sich eine Lösung finden, so dass sie die Möglichkeit zu reisen haben und ihnen geholfen wird.« Seine Regierung respektiere »die Freiheiten von allen«, so López Obrador weiter.

Die EZLN regiert seit einem kurzen bewaffneten Aufstand Anfang 1994 mehrere Gemeinden in Chiapas autonom. Im Oktober 2020 kündigte die Organisation an, 500 Jahre nach der gewaltsamen Eroberung des heutigen Mexiko durch das spanische Königreich Delegationen nach Europa schicken zu wollen. Der erste Teil der Delegation plant, noch an diesem Wochenende das nordspanische Vigo per Segelschiff zu erreichen. Von dort aus soll – gemeinsam mit der erwarteten Gruppe – eine Rundreise starten, in deren Verlauf sich die Zapatisten in über 20 Ländern mit politischen Aktivisten treffen wollen – »mit allen, die sich im Kampf befinden, die widerstehen und rebellieren«.

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