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Aus: Ausgabe vom 16.06.2021, Seite 15 / Antifa
Antifa-Fachzeitschrift

Widerstand mit Tradition

Die Zeitschrift Der rechte Rand bietet einen Panoramablick über die Geschichte der Antifabewegungen
Von Felix Clay
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Italien: Antifaschisten marschierten mit Fotos der Partisanen und der Fahne der Arditi del Popolo

Die alle zwei Monate erscheinende antifaschistische Fachzeitschrift Der rechte Rand (DRR) hat mit Ausgabe 190 eine Sondernummer mit dem Titel »Antifa – Widerstand und Bewegung seit 100 Jahren« herausgebracht. Antifa definiert die Zeitschrift als die Bewegung, die sich den Faschisten und anderen Formen der extremen Rechten widersetzt. Für die Gemeinsamkeit dieses Kampfes wurden und werden andere politischen Unterschiede hintangestellt, heißt es weiter. Die Aktionsmittel, Organisationsformen und Bündniskonstellationen seien nie einheitlich und änderten sich häufig – Konflikte seien da vorprogrammiert. Die Vielfalt an historischen Voraussetzungen und Akteuren bildet sich in der 190. Ausgabe des DRR in 29 ganz unterschiedlichen Beiträgen ab. Ein Panoramablick über »die Antifa«, der auch viele unbekannte oder vergessene Geschichten wieder hervorholt.

Als Geburtsstunde »der Antifa« sieht die DRR-Redaktion den Juni 1921 in Italien. Dort organisierten sich parteiübergreifend die Arditi del Popolo (Mutigen des Volkes) gegen den Terror der faschistischen Schwarzhemden unter Benito Mussolini. Im Beitrag »Vertane Chance« widmet sich Johanna Wintermantel den vor 100 Jahren in Rom gegründeten Arditi del Popolo. Die bewaffnete Formation bildete sich in verschiedenen italienischen Städten, um den faschistischen Schlägertrupps Paroli zu bieten. Sie entwickelten sich aus einer Abspaltung der proletarischen »Associazione Nazionale Arditi d’Italia«, in der sich Veteranen des Ersten Weltkriegs organisierten. Arditi waren italienische Militärspezialeinheiten im Ersten Weltkrieg. Daraus rekrutierte sich ebenfalls die Mitgliederschaft der faschistischen Milizen. Es entstand demnach eine antifaschistische Gruppe sowie eine faschistische Gruppierung aus den gleichen Strukturen. In den Arditi del Popolo organisierten sich aber nicht nur Weltkriegsveteranen, sondern auch Antifaschisten der verschiedenen linken italienischen Parteien zum Schutz von Orten der Arbeiterbewegung, die von den Faschisten überfallen wurden. Trotzdem hielten die Parteiführungen Abstand zu den Arditi del Popolo, was letztendlich ihre politische Niederlage mit Siegeszug des italienischen Faschismus besiegelte. Mitglieder der Arditi del Popolo kämpften später in Spanien gegen Franco.

Zeitlicher Sprung ins England der ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg: Wieder sind es Weltkriegsveteranen, die den antifaschistischen Selbstschutz organisieren. Im Artikel »We fight Fascists – Jüdischer Antifaschismus in Großbritannien« stellt Florian Weis von der Rosa-Luxemburg-Stiftung die »43 Group« vor. Die bis zu 2.000 Mitglieder der Gruppe von jüdischen Aktivisten hatten in den britischen Streitkräften gekämpft und mussten dort den Antisemitismus britischer Faschisten rund um den Nazifan Oswald Mosley erleben. Die Mittel der Organisation waren Recherche, Öffentlichkeitsarbeit und die direkte physische Konfrontation in den Londoner Vierteln im Osten der Stadt. Diese waren von jüdischem Leben, Kommunisten und der Labour Party geprägt. Nachdem Mosley de facto geschlagen war und sich ins Ausland absetzte, löste sich »43 Group« 1950 auf.

Nächster Zeitsprung in die Jahre 1971–1991. Paul Wellsow interviewt Eike Seidel von der »Antifakommission im Kommunistischen Bund«. Die Mitglieder der Kommission organisierten mit als erste parteiunabhängige Antifaarbeit in Westdeutschland, wie sie heute bekannt ist. Ein zentrales Instrument dafür war Recherche: Sie waren die ersten, die den Bundeswehr-Leutnant Michael Kühnen namentlich bei den Hamburger Neonazis ermittelten. Dazu leisteten sie politische Aufklärungsarbeit über den Unions-Kanzlerkandidaten Franz Josef Strauß. Es gab auch Bündnisarbeit und Massenmobilisierungen auf der Straße, etwa ein »Rock gegen rechts«-Konzert als Antwort auf das NPD-»Deutschlandtreffen« 1979 in Frankfurt am Main.

Der rechte Rand, Nr. 190: » Antifa – Widerstand und Bewegung seit 100 Jahren«. 76 Seiten, 3,50 Euro. Bezug: www.der-rechte-rand.de, E-Mail: abo@der-rechte-rand.de

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