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Aus: Ausgabe vom 14.06.2021, Seite 15 / Politisches Buch
Theorie der kapitalistischen Krise

Mitten hinein

Neues Heft der Zeitschrift Exit! erschienen
Von Gerd Bedszent
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Essenausgabe für arme Menschen im Fußballstadion Broadhurst Park in Manchester (19.2.2021)

Die Gesundheitskrise des Jahres 2020 hat »mitten hinein in die Krise des Kapitalismus« getroffen. So steht es jedenfalls im Editorial der neuesten Ausgabe der Theoriezeitschrift Exit!. Das Virus sei »kein Phantom, sondern gefährliche Realität«. Die Transformation formell demokratischer Verhältnisse in einen »militanten Polizeistaat« sei nicht einer Strategie gemeingefährlicher Verschwörer geschuldet, sondern »Möglichkeit und Kern der bürgerlichen Demokratie selbst«. Wie Thomas Meyer meint, konnte etwa die Aushöhlung von Grundrechten auch deshalb widerstandslos durchgezogen werden, weil die Linke sich seit Jahrzehnten jeder Debatte zur Krisentheorie verweigert habe. Dies räche sich nun, indem »rechte Obskuranten mit ihren reaktionären ›Krisendeutungen‹« samt »verschwörungsideologischem Wahn« diese publizistische Lücke ausfüllen konnten.

Unter den Beiträgen des Bandes ragt »Das Ende des Westens in der Coronakrise« des Publizisten Tomasz Konicz heraus. Darin wird nachgewiesen, dass der wirtschaftliche und politische Niedergang der USA nicht das Ergebnis der kurzzeitigen Präsidentschaft Donald Trumps ist. Die USA hätten schon seit langer Zeit nur mittels ausufernder Verschuldung ihre Rolle als »Weltpolizist« wahrnehmen können – was inzwischen an Grenzen stoße. Trump unternahm den Versuch, diese Kosten herunterzufahren und die US-Interessen mit Hilfe von Handelskriegen durchzusetzen. Diese Strategie musste scheitern. Folge der gegenseitigen protektionistischen Abschottung von Wirtschaftsräumen ist nun der globale Krisenschub des Jahres 2020. Konicz zitiert eine Analyse, wonach »zwischen 100 und 110 Millionen Menschen (…) in diesem Jahr laut IWF in ›extremer Armut‹ versinken« werden. Auch nach der Abwahl Trumps gehen die Wirtschafskriege weiter.

In einem umfangreichen Beitrag analysiert der brasilianische Publizist Fábio Pitta die Situation seines Heimatlandes als Ergebnis der Krise der Arbeitsgesellschaft. Im Zuge nachholender Modernisierung erfolgte im Lauf des 20. Jahrhunderts eine Mechanisierung der landwirtschaftlichen Produktion, die den Großteil der Arbeitsplätze im Agrarsektor vernichtete. In der Folge kam es zu einem Anstieg der überwiegend nichtweißen Bevölkerung der Armutsviertel am Rande der großen Städte. Die in jüngerer Vergangenheit von der Arbeiterpartei unternommenen Versuche, Wirtschaftswachstum zu generieren und Teile der Armutsbevölkerung in die Mittelschicht zu integrierten, seien gescheitert. Dieses Scheitern habe einerseits die Arbeiterpartei die Unterstützung großer Teile der eigenen Basis gekostet und andererseits die von Abstiegsängsten geplagte weiße Mittelschicht mehrheitlich in die Arme der Rechten getrieben.

Thomas Meyer liefert eine Kritik der Postwachstumsbewegung. Er kommt zum Schluss, dass es sich bei solchen Notbehelfen in Krisenzeiten nur um Surrogate von nicht mehr funktionierenden Staats- und Marktbeziehungen handelt. Thomas Koch schreibt über den Zusammenhang zwischen Automobilismus und Klimawandel sowie über dessen Ursache in der Wesensstruktur abstrakter Arbeit.

Exit! Krise und Kritik der Warengesellschaft, Nr. 18, Zu Klampen, Springe 2021, 252 Seiten, 22 Euro

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