3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Sa. / So., 24. / 25. Juli 2021, Nr. 169
Die junge Welt wird von 2567 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 14.06.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

jW_Leserbriefe_Standart.jpg

Keine Prioritäten

Zu jW vom 9.6.: »Vor der nächsten Seuche«

Ähnlich großer Wurf wie das kleine Coronakompendium, vielen Dank! In der Tat: »Starke linke Positionen sind nicht zu realisieren, ohne dieses Problem ins Zentrum der Auseinandersetzungen zu rücken.« Wobei »dieses Problem«, das der Zoonosen, nur eines von mehreren ist, bei denen sich »die« Linke die Themen diktieren lassen muss. Klar, diese Linke hat nicht die Thinktanks, über die das Kapital und seine Agenten verfügen. Aber sie setzt auch keine Prioritäten, ich meine den Zeitläuften angemessene, inhaltliche. Pöstchen- und Effekthascherei sind halt wichtiger, und altbackene Sichtweisen kommen auch nicht zu kurz. Eine weitere Priorität wäre das Thema »Klimawandel«. Da sehe ich auch keine starken Positionen, vielleicht ein bisschen Schielen, was China macht. Aber das Thema angenommen und eigene Positionen entwickelt hat sie nicht. Statt dessen lieber an »Fridays for Future« rumkritteln. (…)

Heinrich Hopfmüller, Stadum

Produktivitätssteigerung fürs Kapital

Zu jW vom 8.6.: »Ruhestand mit 67 war gestern«

In dem Artikel wird berichtet, dass die Herrschenden keinen Weg sehen, der an der Verlängerung der Lebensarbeitszeit vorbeiführe. Das sehe ich ganz anders. Durch technischen Fortschritt steigt die Produktivität. Mit weniger menschlichem Arbeitseinsatz ist dank Maschinen und Robotern immer mehr Wertschöpfung möglich. In Deutschland wächst die Arbeitsproduktivität seit Jahrzehnten beständig. Allein zwischen 1991 und 2012 ist die Produktivität laut Statistischem Bundesamt pro Arbeitsstunde um rund 35 Prozent gestiegen. Um wieviel Prozent stiegen denn die Löhne in dieser Zeit? So gut wie gar nicht. Und damit wurden auch nicht 35 Prozent mehr in die Rentenkasse eingezahlt. Auch Riester schröpfte die Rentenkasse.

Zwischen den 1970ern und 1980ern waren die Zuwachsraten noch höher. Jedoch stiegen die Reallöhne in derselben Zeit deutlich geringer. Das heißt: Die gesellschaftliche Dividende des Fortschritts wird seit Jahrzehnten nicht an die Arbeitenden weitergereicht und somit auch nicht der Rentenkasse zugeführt, sondern mehrt den Profit von Kapitaleignern. Der Umbau der Sozialsysteme – wie durch die »Agenda 2010« – tut ein übriges. Auf die Beschäftigten wird Druck »von unten« aufgebaut. Wer mit geringeren Löhnen etc. nicht einverstanden ist, muss »hartzen«. Auch das schmälert die Einnahmen der Rentenkasse. Wie kann man trotz der veränderten Altersstruktur gute Renten sichern? Da weiterhin moderne Technik herkömmliche Arbeitsplätze verdrängen wird, ist eine Veränderung des Systems der Rentenbeitragszahlung erforderlich. Die von den sogenannten Arbeitgebern an die Rentenkasse abzuführenden Beiträge sind nicht mehr an die Bruttolohnsumme des Unternehmens, sondern an den Gewinn der Unternehmen zu binden. Das wäre gerecht, auch für kleine Handwerksbetriebe. Als Sofortmaßnahme sind die Milliardäre, die allein während der Coronapandemie eine Milliarde Profit/Milliardär machten, mittels einer Sondersteuer zur Rentenfinanzierung heranzuziehen.

Wolfgang Reinhardt, Nordhausen

Schurkenstück

Zu jW vom 9.6.: »Die alte Leier«

Der »wissenschaftliche Beirat« des Bundeswirtschaftsministeriums besteht aus vierzig hochgelehrten Köpfen, und nicht in einem Kopf zündet die Idee, dass höhere Löhne, auch ein erhöhter Mindestlohn, zu höheren Beiträgen in den Rentenkassen führen könnte. Außerdem ließe sich die Anzahl der Beitragszahler erhöhen, indem z. B. Selbständige wie Arbeiter und Angestellte einzahlen. Hubertus Heil konnte am 9. Juni im »Morgenmagazin« von ARD/ZDF mit dem Gedanken in der Öffentlichkeit punkten, dass Tariflohnerhöhungen als Lösung des Problems anzusehen seien. Was ihn dann geritten hat, darauf hinzuweisen, dass die Erhöhung des Rentenalters bei gleichzeitiger Absenkung der Rentenbeiträge von 20 Prozent auf 18 Prozent ein Werk der »rot-grünen« Koalition unter Schröder war, weiß ich beim besten Willen nicht. Andererseits auch nett von ihm, auf dieses sozialdemokratische Schurkenstück hinzuweisen.

Josef Witte, per E-Mail

Werte und Boykott

Zu jW vom 9.6.: »Kreuzzug gegen China«

»Und willst du nicht mein Bruder sein …« – Der erneute Ruf der USA nach Boykott der Olympischen Spiele gegen ein Land, das die »Werte des Westens« partout nicht teilen will und sich erdreistet, in naher Zukunft die Wirtschaftsmacht Nummer eins in der Welt sein zu wollen, ist ja bekanntlich nicht neu. Im Jahr 2022 wird es 42 Jahre her sein, dass der selbsternannte, nunmehr seit Jahrzehnten schwächelnde Weltpolizist zum Boykott der Olympischen Sommerspiele im Moskau aufrief und die willfährige westliche »Wertegemeinschaft« folgte. Die Reaktion der UdSSR und ihrer Bündnispartner folgte 1984 postwendend, sehr zum Leidwesen der Sportler aus Ost und West, die sich damals wie heute zusammenfinden, die Freundschaft zwischen den Völkern zu festigen, im fairen sportlichen Wettstreit gegeneinander anzutreten, um so einen Beitrag für das friedliche Zusammenleben aller Völker dieser Erde zu leisten. Was glauben die mittlerweile auf tönernen Füßen stehende Weltmacht USA und die ihr in Nibelungentreue ergebenen Länder Europas, damit erreichen zu können? (…)

Geklärt werden sollte auch der Terminus »Werte des Westens«. Hat die Volksrepublik China, um ihre ökonomischen Ziele zu erreichen, in ihrer jüngeren Vergangenheit jemals einen Aggressionskrieg geführt? Hat sie sich die Trasse für die neue Seidenstraße mit Präzisionsbomben, Panzerhaubitzen und Sturmgewehren freigeschossen? Sind es »Werte« dieser Art, die Beijing einfach nicht teilen will? Glaubt irgend jemand, der im Weißen Haus oder in den Chefetagen der NATO, des Pentagons, der CIA oder sonstwo sitzt und (noch) bei klarem Verstand ist, ernsthaft, dass sich die VR China mit einer derartigen Farce eines Olympiaboykotts von ihrem sicheren Weg, den sie im Schulterschluss mit der Russischen Föderation und allen friedliebenden Staaten der Erde weiter beschreiten sollte, tatsächlich abbringen lassen wird? Wer daran glaubt, der glaubt auch, dass die Erde eine Scheibe ist.

Gerhard R. Hoffmann, Halberstadt

Die gesellschaftliche Dividende des Fortschritts wird nicht an die Arbeitenden weitergereicht und so nicht der Rentenkasse zugeführt, sondern mehrt den Profit von Kapitaleignern.

Marx für alle!

Die junge Welt gibt's jetzt im Aktionsabo! Für 62 € erhältst du 3 Monate lang die gedruckte Ausgabe der jW, danach endet das Abo automatisch.

Jetzt selber abonnieren, verschenken oder schenken lassen!

Marx für alle! 3 Monate Tageszeitung junge Welt lesen für 62 €. Jetzt bestellen!