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Aus: Ausgabe vom 14.06.2021, Seite 3 / Schwerpunkt
Kampf um Land in Brasilien

Der kollektive Gedanke

Über die revolutionäre Bauern- und Landlosenbewegung in Brasilien
Von Kristian Stemmler
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Ein Farmer in Rio Pardo im Staat Rondonia beim Melken einer Kuh

Die Liga der armen Bauern (LCP) versteht sich als eine revolutionäre Bauernbewegung, die in den ländlichen Regionen Brasiliens politisch aktiv ist. Besonders stark vertreten ist die LCP in Westamazonien, wo sie mehrere Gebiete besetzt hält. Die Besetzung von zumeist brachliegenden Ländereien ist eine bewährte Aktionsform der Landlosenbewegung. Die LCP kämpft – wie sie selbst erklärt – gegen den Großgrundbesitz, »der Hunderttausende von Bauern in Brasilien in Leibeigenschaft hält, und für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung«. Zweck der Landbesetzungen ist darum auch, »eine ganz neue Gesellschaft« in den Camps aufzubauen.

Im Vordergrund steht dabei der kollektive Gedanke. Auch wenn die Bauern ihre eigene Parzelle bekommen, werden alle Fragen, die die Bewirtschaftung des Landes und den Betrieb des Lagers betreffen, gemeinschaftlich beschlossen und angepackt. In den Camps der LCP werden regelmäßig Volksversammlungen einberufen, bei denen die Bewohner ihre Bedürfnisse und Ideen vortragen. So wurde zum Beispiel im Camp »Manoel Rebeiro« entschieden, dass Drogen im Lager verboten sind. In den Camps werden auch eigene Schulen aufgebaut, um den Erwachsenen und den Kindern eine gute Ausbildung zu garantieren. Insbesondere in einem Land, in dem mehr als 14 Prozent der Bevölkerung weder lesen noch schreiben können, ist dies ein wichtiger Schritt zur Selbstermächtigung für die Bauernfamilien. Um allen Familien eine konstante Qualität bei der Ernährung zu garantieren, werden Gemeinschaftsküchen aufgebaut und gemeinsam betrieben.

Der LCP geht es bei all dem nicht nur um den Aufbau autonomer Strukturen, sie betrachtet ihre Arbeit auch als wichtiges Mittel, die Revolution voranzubringen. Die in den Camps produzierten Waren werden auch auf den lokalen Märkten angeboten, um auch den Familien in den umliegenden Gemeinden gute Lebensmittel zu gerechten Preisen anbieten zu können. Viele Bauern aus den Camps erhalten so das erste Mal in ihrem Leben die Möglichkeit, selbst ein Einkommen zu erzielen. Ein weiterer willkommener Effekt ist, dass die Wirtschaft in den betreffenden Regionen angekurbelt wird.

Der Regierung des faschistischen Präsidenten Jair Bolsonaro und den Großgrundbesitzern sind solche Aktivitäten und Konzepte ein Dorn im Auge. Seit Jahren sind Morde an Kleinbauern oder Aktivisten der Landlosenbewegung an der Tagesordnung. Die Großgrundbesitzer beschäftigen oftmals Söldnerbanden, um ihr Land gegen die armen Bauern zu schützen. Viele dieser Söldner sind oder waren Polizeibeamte.

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