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Aus: Ausgabe vom 11.06.2021, Seite 15 / Feminismus
Trotz Pandemie empfehlenswert

Hochpolitisch und inspirierend

Am 15. Juni startet das Internationale Frauenfilmfestival – leider nur online
Von Gitta Düperthal
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Der auf dem Festival gezeigte Dokumentarfilm »Unapologetic« (USA) thematisiert, wie politischer Widerstand, neues Selbstbewusstsein und starke Anziehungskraft zwischen Frauen mitunter zusammengehen

Üblicherweise treffen sich zum Internationalen Frauenfilmfestival (IFFF) Cineastinnen, Dokufilmerinnen, Regisseurinnen, Kamerafrauen, Drehbuchautorinnen und Filmkritikerinnen aus aller Welt und debattieren in den Foyers der Kinos. Beim Glas Wein danach ist nicht nur über die Filme einiges zu erfahren, sondern auch aktuelles zur Frauenbewegung in vielen Ländern. Dieses Jahre zeigt das IFFF 70 aktuelle Streifen online. Gemütlich auf der Couch Filme zu gucken, sorgt nach einem langem Shutdown nicht unbedingt für Euphorie. Da mag es immerhin trösten, dass vom 15. bis 20. Juni online an virtuellen Bartischen ab 20.30 Uhr über feministische Filme philosophiert, gestritten oder geplaudert werden kann. Filme, die ansonsten beim Festival jährlich abwechselnd in Köln oder in Dortmund zu sehen sind, laufen über die Video-on-Demand-Plattform des Festivals. Das Team des IFFF wird sie, wie gewohnt, inspirierend und kenntnisreich präsentieren, wenn diesmal auch nur virtuell. Sie hoffen dafür auf ein breiteres Publikum bundesweit.

Allein der internationale Spielfilmwettbewerb für Regisseurinnen bietet einiges: Etwa zeigt Jasmila Zbanics Oscar-nominierter Antikriegsfilm »Quo Vadis, Aida«, welch exorbitante Frauenverachtung im Kriegsgeschehen in Bosnien 1995 gegenüber der Übersetzerin Aida mitschwingt; und dass die Legende, »Blauhelm«-Einsätze könnten diese abmildern, auf den Müllhaufen der Geschichte gehört. Kaouther Ben Hanias ebenfalls Oscar-nominierte beißende Satire über den aus Syrien geflüchteten Sam Ali, der sich ein Schengen-Visum auf den Rücken hat tätowieren lassen, um als Kunstobjekt durch Europas Museen zu gastieren, ist ähnlich hochpolitisch. Die Kunstszene stürzt sich voller Neugierde darauf, die Refugeesoligemeinschaft will ihn mitleidig als Opfer skandalisieren, während Sam Ali eigene Ziele verfolgt. Manijeh Hekmats iranisches Roadmovie »Bandar Band« thematisiert, welche Strapazen eine junge Musikerin und zwei Musiker auf sich nehmen, um einen Musikwettbewerb in Teheran in der Hochwasserphase zu erreichen. Möglicherweise ist der Weg das Ziel: Sie zeigen Solidarität mit Menschen, die aufgrund des extremen Wetters alles verloren haben.

Im Fokus des IFFF steht: »The Connection: Von Pflanzen, Menschen und anderen Tieren«. Dabei spielt auch der Klimawandel eine Rolle: Lisa Truttmanns Essayfilm »Tarpaulins« macht uns mit erstaunlichen Folgen bekannt. Kammerjäger umhüllen in Los Angeles ganze Häuser mit riesigen Planen. Diese zeltartigen Tarpaulins werden zur Schädlingsbekämpfung mit Giftgas befüllt. Damit sollen Termiten, die sich angesichts der Erderwärmung schier endlos vermehren und durch die Holzwände fressen, gestoppt werden.

In der Sektion »Begehrt – Filmlust queer« gibt es Streifen aus dem Bereich LGBTQ (englische Abkürzung von Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender und Queer). Allgemein gilt: Diejenigen, die mit der ihnen von der Gesellschaft zugeschriebenen geschlechtlichen Identität und/oder sexuellen Orientierung nichts am Hut haben, kommen auf ihre Kosten. Nicole Ruiz Benavides’ chilenischer Spielfilm »La Nave del Olvido«, auf deutsch »Das Schiff des Vergessens«, zeigt, dass das Leben im Alter von 70 Jahren nach dem Tod des Ehemanns keineswegs mit Trauer enden muss. Die Hauptdarstellerin Rosa Ramirez zeigt mit bestechend leidenschaftlicher Spielkunst, dass eine Liebe unter Frauen zwar unter Umständen nicht glücklich endet, aber den Horizont für andere Lebenserfahrungen eröffnen kann. Ashley O’Shays Dokumentarfilm »Unapologetic« (USA) thematisiert, wie politischer Widerstand, neues Selbstbewusstsein und starke Anziehungskraft zwischen Frauen mitunter zusammengehen. Dieser Film über Frauen der »Black Lives Matter«-Bewegung mache Mut und eröffne neue Perspektiven, wie Stefanie Görtz, Kuratorin des Festivals, gegenüber jW erklärte.

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Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

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