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Aus: Ausgabe vom 08.06.2021, Seite 1 / Inland
Coronapandemie

Ruhestand mit 67 war gestern

Berater des Wirtschaftsministeriums fordern längeres Arbeiten im Alter
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Muss sich um seine Pension nicht sorgen: Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU)

Am Montag wurde ein neuer Angriff auf die Renten begonnen. Der wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium von Peter Altmaier (CDU) legte ein Gutachten vor, das längeres Arbeiten im Alter und eine Begrenzung der Rentenerhöhungen vorsieht.

Wegen der bevorstehenden Verrentung der Menschen aus den Babyboomerjahren steuere die Rente auf einen »Finanzierungsschock« zu, sagte der Beiratsvorsitzende Klaus Schmidt bei der Vorstellung des Gutachtens. »Die Pandemie hat dazu geführt, dass der Schock früher einsetzt und dass er stärker ausgeprägt sein wird.«

Schmidt kritisierte die von der großen Koalition 2018 eingeführten »Haltelinien«, wonach das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent sinkt und die Beiträge nicht über 20 Prozent steigen. Bleibe es bei diesen Regelungen, müssten die Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt für die Rentenkasse stark steigen. »Das ginge zu Lasten von Zukunftsinvestitionen zum Beispiel in Bildung, Infrastruktur und Klimaschutz.«

Der Beirat hält die Koppelung des Renteneintrittsalters an die Entwicklung der Lebenserwartung für unumgänglich. »Das geschieht am besten durch eine dynamische Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung«, sagte der Autor des Gutachtens, Axel Börsch-Supan. Gemäß den derzeitigen Prognosen der Lebenserwartung werde bei einer solchen Regel 2042 ein Renteneintrittsalter von 68 Jahren erreicht, berechnete der Beirat. Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen wollen die Experten davon ausnehmen.

Umgekehrt gebe es aber schon jetzt viele Menschen, die gerne länger arbeiten wollen, das aber etwa wegen tariflicher Regeln nicht dürften. Deshalb solle ein begrenztes Weiterbeschäftigungsrecht eingeräumt werden.

Dem Beirat ist das nicht genug. Er zeigt weitere Wege auf: Erstens könnten Bestandsrenten weniger stark erhöht werden als neue Renten. Als zweiten Weg schlagen die Experten ein Modell vor, dass zu einer relativen Aufwertung geringer Renten gegenüber höheren führen soll – und so die Gefahr von Altersarmut eindämme. (AFP/jW)

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Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

Zur neuen Leserbrieffunktion auf jungewelt.de

  • Leserbrief von René Osselmann aus Magdeburg (10. Juni 2021 um 12:06 Uhr)
    Ein Hoch auf das kapitalistische System, es spiegelt sich auch immer wieder deutlich hier in der Bundesrepublik Deutschland wider im Rentensystem! Fast kontinuierlich wird am Eintrittsalter in die gesetzliche Rente gedreht – und das natürlich nach oben. Und schnell gibt es diverse Begründungen wie die Rentenkasse sei fast leer oder die Menschen werden immer älter! Viele Menschen arbeiten zum Beispiel im Handwerk, im Einzelhandel oder im Gesundheitssystem, und ihnen wird so weiterhin die Wertschätzung verweigert, indem sie immer länger arbeiten sollen! Hier gilt ja schon fast der Spruch »Für eine sichere Rente arbeiten bis zum Umfallen«! Das hat weder was mit Wertschätzung der geleisteten Arbeit zu tun, noch ist es in irgendeiner Weise irgendwie sozial. Wenn diverse Berater der Bundesregierung meinen, solche Vorschläge zu machen wie Rente mit 68, dann sage ich: Ab in die Produktion – ans Fließband, in den Einzelhandel oder ins Gesundheitswesen! Eventuell merken sie dann, dass das, was sie immer wieder fordern, völlig an den Haaren herbeigezogen ist! Ach so, die Rentenkasse lässt sich durchaus leicht zu füllen, eventuell sollten solche Berater zur Kasse gebeten werden …
  • Leserbrief von Wolfgang Reinhardt aus Nordhausen ( 8. Juni 2021 um 10:42 Uhr)
    In dem Artikel wird berichtet, dass die Herrschenden keinen Weg sehen, der an der Verlängerung der Lebensarbeitszeit vorbeiführe. Das sehe ich ganz anders. Durch technischen Fortschritt steigt die Produktivität. Mit weniger menschlichem Arbeitseinsatz ist dank Maschinen und Robotern immer mehr Wertschöpfung möglich. In Deutschland wächst die Arbeitsproduktivität seit Jahrzehnten beständig. Allein zwischen 1991 und 2012 ist die Produktivität laut Statistischem Bundesamt pro Arbeitsstunde um rund 35 Prozent gestiegen. Um wieviel Prozent stiegen denn die Löhne in dieser Zeit? So gut wie gar nicht. Und damit wurden auch nicht 35 Prozent mehr in die Rentenkasse eingezahlt. Auch Riester schröpfte die Rentenkasse. Zwischen den 1970ern und 1980ern waren die Zuwachsraten noch höher. Jedoch stiegen die Reallöhne in derselben Zeit deutlich geringer. Das heißt: Die gesellschaftliche Dividende des Fortschritts wird seit Jahrzehnten nicht an die Arbeitenden weitergereicht und somit auch nicht der Rentenkasse zugeführt, sondern mehrt den Profit von Kapitaleignern. Der Umbau der Sozialsysteme – wie durch die »Agenda 2010« – tut ein übriges. Auf die Beschäftigten wird Druck »von unten« aufgebaut. Wer mit geringeren Löhnen etc. nicht einverstanden ist, muss »hartzen«. Auch das schmälert die Einnahmen der Rentenkasse. Wie kann man trotz der veränderten Altersstruktur gute Renten sichern? Da weiterhin moderne Technik herkömmliche Arbeitsplätze verdrängen wird, ist eine Veränderung des Systems der Rentenbeitragszahlung erforderlich. Die von den sogenannten Arbeitgebern an die Rentenkasse abzuführenden Beiträge sind nicht mehr an die Bruttolohnsumme des Unternehmens, sondern an den Gewinn der Unternehmen zu binden. Das wäre gerecht, auch für kleine Handwerksbetriebe. Als Sofortmaßnahme sind die Milliardäre, die allein während der Coronapandemie eine Milliarde Profit/Milliardär machten, mittels einer Sondersteuer zur Rentenfinanzierung heranzuziehen.
  • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin ( 7. Juni 2021 um 21:17 Uhr)
    Vielleicht hätte man Menschen über 60 gar nicht erst gegen Covid-19 impfen sollen, denn jetzt werden die womöglich auch noch 80 Jahre und älter. Und wer weiß, wie lange die nächste Pandemie noch auf sich warten lassen wird. Das optimale Modell bestünde jedoch darin, sie so lange malochen zu lassen, bis sie umfallen; also Altersrenteneintritt frühestens bei Restlebenserwartung nahe null bzw. bei amtsärztlicher Diagnose einer tödlichen Erkrankung im Endstadium. Dann wäre das Rentenproblem endlich und für immer gelöst!