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Aus: Ausgabe vom 07.06.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Linke und Ökologie

Zu jW vom 26.5.: »Die Wirtschaft im Blick«

Genossin Eva von Angern versucht »immer wieder, gegenüber der Bundespartei deutlich zu machen«, unser Thema (als Linke) sei »soziale Gerechtigkeit und starker Sozialstaat und eben nicht Klimaschutzpolitik« (sic!). Ich hoffe und wünsche, dass die Bundespartei ihr noch viel deutlicher macht, dass Klimaschutz selbstverständlich ein Thema sozialer Gerechtigkeit ist, sogar das zentrale und fundamentale Thema sozialer Gerechtigkeit, weil es um die Voraussetzung zum (Über-)Leben sogar der jüngeren bereits Geborenen geht (…)! »Climate Justice«, Klimagerechtigkeit, formuliert diese sehr einfache Erkenntnis ähnlich griffig wie der Slogan »… weil ihr uns die Zukunft klaut!«, und beides ist auf jeder Veranstaltung von »Fridays for Future« seit Anfang 2019 kaum zu überhören (und nicht nur, wenn mein tragender Bassbariton aus voller Kehle zur Unterstützung beiträgt). Selbst dem Bundesverfassungsgericht bleibt der zwingende Zusammenhang inzwischen nicht mehr verborgen. Schon vor 15 Jahren thematisierte Genosse Oskar Lafontaine die Ökologie als Frage der Gerechtigkeit gegenüber Ungeborenen in seinen Standardreden. (…)

Wer wann wofür gewählt wird? Das kann Kaffeesatzleserei oder soziologische Analyse sein, – doch die Wählerinnen und Wähler a priori für dumm zu halten, ist erbärmlich. Auch mögen Assoziationen als Wahlmotive von der erzielbaren Realpolitik abweichen: Vermutlich werden die Grünen noch immer für die so wichtigen Ökothemen gewählt, was objektiv im Gegensatz zu ihrer Verliebtheit in den größten einzelnen CO2-Emittenten, die Bundeswehr, steht (…) In Einzelfragen mag es vorkommen, dass Ökologie und Soziales sofort kongruent sind (Schluss mit der Befreiung ausgerechnet der schlimmsten Stromverschwendungsunternehmen von der EEG-Umlage, dadurch sogar etwas sozialverträglichere Strompreise für Kleinverbraucher) oder dass sie auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammenpassen (so dass dann eben sorgfältige Analysen und Debatten nötig werden). Aber grundsätzlich gilt: Wir als Linke (…) müssen in der ökologischen Frage weder die Grünen ignorieren noch ihnen nachlaufen. Wir müssen ihnen vorauslaufen!

Bernhard May, Solingen

Zum Tod Werner Seppmanns

Zu jW vom 17.5.: »Unerbittlich der Sache verpflichtet«

Zunächst meinen Dank an Daniel Bratanovic für seinen Nachruf auf Werner Seppmann. Ich habe Werner Seppmann vor einigen Jahren auf einer Veranstaltung der Marx-Engels-Stiftung kennengelernt. In einem ersten Gespräch wurde schnell klar, was uns gemeinsam war: beide aufgewachsen »auf Kohle« und nachhaltig geprägt durch die dadurch bedingten Verhältnisse. Möglicherweise erklärt das auch unser beider Misstrauen gegenüber den hochgelehrten Auslassungen postmoderner »Meisterphilosophen«. Werner Seppmann war in den folgenden Jahren insgesamt sechsmal als Referent zu Gast bei unserer Wedeler Marxistischen Arbeiterschule (MASCH). Wir hatten reichlich Gelegenheit zum Meinungsaustausch. Der Begriff Austausch ist jedoch bei der Charakterisierung unserer Gespräche etwas fehl am Platze, erweckt er doch den Eindruck, dass hier vielleicht gleich lange Beiträge gegeneinander abgewogen würden. In der Regel begann Werner seine Ausführungen mit den Worten: »Bestimmt hast Du …« Aber da ging es mir wie Bratanovic, meistens hatte ich nicht. Ich werde Werner Seppmann, seine Betrachtung der Veränderungen der kapitalistischen Produktionsweise und ihrer Auswirkungen auf das Bewusstsein, seine »Erachtung der prinzipiellen Fähigkeiten der marxschen Theorie«, seine »ungemeine Produktivität«, aber auch die ihm eigene Art, jemandem auf den Nerv zu gehen, sehr vermissen.

Ole Chmilewski, Wedel

Simplifizierung statt Begründung

Zu jW vom 29.5.: Im braunen Sud«

Der Autor hätte vielleicht erwähnen sollen, dass es sich bei dem erwähnten Fragenkatalog um den »Wahl-O-Maten« handelt. (…) Er führt ja zu Recht an, dass es zu merkwürdigen Gemeinsamkeiten zwischen den Parteien kommt. Das liegt bekanntermaßen an der extremen Simplifizierung der politischen Fragestellungen, was dann auch der Grund ist, warum der Wahl-O-Mat nur eine Spielerei ist. Entscheidend sind nämlich die Begründungen, die die Parteien auch jeweils mit angeben, meistens jedenfalls, sie müssen ja nicht. Dann erklärt sich auch, warum z. B. die AfD für eine Abschaffung von Hartz-IV-Sanktionen ist (!), genauso wie Die Linke, die Grünen und die SPD. Freilich begründet es die AfD eher ausweichend damit, dass »die Politik« lieber Rahmenbedingungen dafür schaffen sollte, dass »die Wirtschaft« gute Löhne zahlen kann, damit eine »Arbeitsaufnahme für jedermann« attraktiv werden soll. Da viele Arbeitslose die AfD wählen, ist die Position vermutlich auch ratsam. »Die Basis«, nebenbei bemerkt, hat die Frage mit »neutral« beantwortet, mit der salomonischen Begründung, man müsse »flexibel« sein, und es dürfe weder »Willkür durch die Jobcenter« noch »soziale Bedienmentalität« geben. Womit sie den Spagat hinbekommt, einerseits reaktionäre Stereotype vom »Sozialschmarotzer« zu bedienen, andererseits aber »Hartzer« nicht zu sehr vor den Kopf zu stoßen, als potentielle Wähler …

Die Krux mit der Begründung von Fragen, die im Schema »Zustimmung«, »neutral«, »Ablehnung« nicht weiter beachtet wird, hat auch dazu geführt, dass vor Jahren die MLPD die Frage nach Studiengebühren nicht ablehnend beantwortet hat, während es im linken Lager ja unhinterfragter Konsens ist, Studiengebühren abzulehnen. Da konnte man die Stirn runzeln. Die MLPD wiederum wollte sich nicht pauschal gegen Studiengebühren aussprechen, weil diejenigen, die es sich leisten können, durchaus für ihr Studium blechen können sollten. Was ja nun in der Tat nicht ganz verkehrt ist.

Ralf Schuster, per E-Mail

Wir als Linke müssen in der ökologischen Frage weder die Grünen ignorieren noch ihnen nachlaufen. Wir müssen ihnen vorauslaufen!

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