1.000 Abos für die Pressefreiheit!
Gegründet 1947 Sa. / So., 19. / 20. Juni 2021, Nr. 140
Die junge Welt wird von 2552 GenossInnen herausgegeben
1.000 Abos für die Pressefreiheit! 1.000 Abos für die Pressefreiheit!
1.000 Abos für die Pressefreiheit!
Aus: Ausgabe vom 05.06.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

jW_Leserbriefe_Standart.jpg

Mensch oder Produkt?

Zu jW vom 2.6.: »›Außer Applaus ist bei uns nichts angekommen‹«

Effizienz, Gewinnmaximierung, Leistungskon­trolle und Kostenreduktion sind Begriffe, die seit der Einführung der Fallpauschale im Gesundheitswesen verwendet werden. Der Neoliberalismus ist im Gesundheitswesen fest implementiert und wird oft nicht hinterfragt. Die Vereinten Nationen deklarierten 1999, dass die Sorge- und Reproduktionsarbeit unerlässlich für eine nachhaltige Wirtschaft ist. Trotzdem wird seit Jahrzehnten an der Gesundheitsversorgung gespart. Spitäler werden privatisiert. (…) Individuelle, personenbezogene Pflege ist nicht rentabel im Neoliberalismus. Fachkompetenz und Empathie sind für den Vertrauensaufbau und die Begleitung während einer Krise wichtig. Dies bedingt jedoch Zeit. Zeit, um den Menschen in seiner Individualität mit seinen Bedürfnissen kennenzulernen. Eine Pflegefachperson, die kompetent, aufmerksam und wohlwollend informiert, hat auf Betroffene oft eine angstreduzierende Wirkung. Eine häufige Empfehlung, die Pflegefachpersonen jedoch bereits früh in der Ausbildung hören, ist, dass sie schnell und effizient sein müssen. Der Personalschlüssel ist oft knapp bemessen, der Workload ist dagegen sehr hoch. Je schneller eine Pflegefachperson pflegt, desto besser … aber für wen? Die Burnout-Rate in der Pflege sowie der Pflegenotstand spiegeln dies wider. Geht es noch um Menschen oder um eine Produktverwaltung? Ist ein Mensch mit einem Auto, das in vielfacher Weise reproduzierbar ist, gleichzusetzen? Die Klimakrise sowie die aktuelle Pandemie zeigen uns doch sehr gut, wie dringend wir alle Fürsorge und Nachhaltigkeit benötigen. Wenn Gesundheit doch das Element ist, das uns alle verbindet: Warum werden die Strukturen nicht ›gesünder‹ gestaltet – unabhängig von Gewinnmaximierung?

Verena Poestgens, Zürich

Augen geöffnet

Zu jW vom 26.5.: »Decolonize Amalie Dietrich«

Ihr habt mir einen Schock versetzt mit dem Artikel »Decolonice Amalie Dietrich«. Als Jugendliche bekam ich einst das von Gertraud Enderlein geschriebene Buch »Die Frau aus Siebenlehn«. Es gehörte lange Zeit zu meinen Lieblingsbüchern. Das Schicksal der kleinen Nellen-Male, die kargen Verhältnisse, ihre Liebe zur heimatlichen Natur, das Sammeln von Pflanzen und Kräutern, das zum Broterwerb wurde, rührten mich sehr. Sie lernt Wilhelm Dietrich kennen, heiratet, ein Mädchen wird geboren. Bald muss sie sich allein durchschlagen, ihre Mappen und Sammlungen verkaufen. Sie gelangt nach Hamburg, findet eine Anstellung bei Johan Cesar Godeffroy. Bis dahin alles so leidlich gut. Aber dann die zehnjährige Tätigkeit in Australien – nun entpuppt sie sich als Mitträgerin des Kolonialismus! Habe ich das im Buch überlesen, oder steht es nicht so deutlich drin? Auf jeden Fall bin ich um eine Illusion ärmer – wenn die Verhältnisse (Kolonialzeit) so sind, kann man dann selbst besser sein? Die Autoren des Beitrages trifft kein Vorwurf. Ich staune nur über mich, dass ich das Wirken von Amalie Dietrich nicht historisch eingeordnet habe. Danke für den augenöffnenden Artikel (wenn es natürlich für mich auch eine Enttäuschung ist).

Elvira Herrmann, Sangerhausen

Kalte Krieger

Zu jW vom 2.6.: »Teure Muskelspiele«

Man kann die NATO auch als unverbesserliche Allianz der ewigen Kalten Krieger definieren. Das sind diejenigen, die sich auch mit dem Thema globale Erwärmung nicht beschäftigen und die mit ihrem enormen Finanzbedarf dafür sorgen, dass der Westen eben nicht die führende Rolle im Kampf gegen die Klimaerwärmung einnehmen wird. Denjenigen, die sich ausdrücklich zu dieser Allianz bekennen, können nicht glaubhaft machen, dass sie den Kampf gegen die immer dramatischer werdenden Klimaprobleme als ihre oberste Priorität ansehen. Das gilt übrigens auch für Bündnis 90/Die Grünen, die im Zeitraum 2021 bis 2025 für Millionen, die noch naiv an diesen Verein glauben mögen, dieses Image verspielen werden.

Der Westen wird sich ändern. Es kann aber sein, dass er sich zu spät ändert und dass wir dem Umweltarmageddon nicht mehr entgehen können. Es ist beeindruckend, wie viele westliche Politiker geradezu leichtfertig über das Thema Klimaerwärmung schwadronieren, aber in der Praxis die Rüstungslobby und dann noch diese und jene Lobby vorrangig bedienen. Man muss sich heute eben zu dem Umweltthema positionieren, auch wenn man andere Themen vorrangig abhandelt.

In dem NATO-Klub hat nur eine Macht das entscheidende Wort, Frankreich und Großbritannien haben ein begrenztes nukleares Potential, und die anderen verschwenden ihre Ressourcen, um den Eindruck zu erwecken, dass sie doch etwas zu sagen hätten.

Achim Lippmann, Shenzhen/China

Munition räumen ist Umweltschutz

Zu jW vom 2.6.: »Teure Muskelspiele«

Robert Habeck möchte in der Ukraine zündeln, Annalena Baerbock muss ihm nach dem Scheitern der morbiden Phantasien und der Kritik das Krönchen zurechtrücken, und alle anderen Bündnis 90/Grünen auf der Kriegspirsch wissen besser, wie er es mit der »Waffenbrüderschaft« gemeint haben könnte. Tipp an die Grünen: Umweltschutz ist auch die Munitionsräumung in Brandenburg, damit nicht noch mehr Bäume in Flammen aufgehen, oder die Gigatonnen von versenkter Giftgasmunition bergen, bevor Touristen an Ost- und Nordsee weiterhin geschädigt werden. Auch unsere Kinder werden dem verrost­eten Kriegsschrott (…) nicht entgehen können. Also, lieber Robert Habeck, bleib daheim und arbeite redlich. Fällt mir noch der Irak oder Laos ein, wo die amerikanischen Freunde der Grünen vom Kurs des Schokolade-an-Fallschirmen-Abwerfens (Luftbrücke) Abstand genommen haben und es Streubomben und Minen, die teils wie Spielzeug oder Getränkedosen aussahen, »regnete«. Da fällt mir eine besondere Aufgabe für die NATO(d) ein – Munition räumen für das viele Geld, aber pronto!

Peter Groß, per E-Mail

Wenn Gesundheit doch das Element ist, das uns alle verbindet: Warum werden die Strukturen nicht ›gesünder‹ gestaltet – unabhängig von Gewinnmaximierung?

1.000 Abos jetzt

Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!