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Aus: Ausgabe vom 02.06.2021, Seite 8 / Ansichten

Führungskraft des Tages: Julian Reichelt

Von Marc Bebenroth
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Musste etwas Kreide fressen: Bild-Kochefredakteur Julian Reichelt (Düsseldorf, 30.1.2020)

Wer für Boulevardpostillen arbeitet, muss so manche Kröte schlucken. Die größte dürfte sein, unter Chefredakteur Julian Reichelt (»Nord Stream ist Mord Stream!«) Dienst schieben zu müssen. Das Gebaren des Frontschweindarstellers war zuletzt wohl selbst dem Eigentümer von Bild, Bild am Sonntag und B. Z. zu unangenehm. Ein internes Complianceverfahren wurde angestrengt, wegen Vorwürfen des Machtmissbrauchs im Zusammenhang mit Beziehungen zu weiblichen Beschäftigten. Das überstand Reichelt (Zitat: »Nichts hat uns ganz nachweislich wirtschaftlich in der Reichweite so sehr geschadet wie unsere klare, menschliche, empathische Haltung in der Flüchtlingskrise«) schadlos. Die Vorwürfe bestreitet er bis heute.

Nach einer kurzen Auszeit kehrte er in seinen Bunker zurück. Dort fand er sich an der Seite von Kochefredakteurin Alexandra Würzbach wieder. Diese sah sich nun genötigt, für das bisherige Verhalten der Führungskräfte um Entschuldigung zu bitten. Anlass war die Präsentation der Ergebnisse einer Belegschaftsbefragung, wie Spiegel online am Dienstag berichtete. Die Ergebnisse sind einigermaßen desaströs für die, die sich in Reichelts Schatten bewegen. 894 Personen hatten sich beteiligt, etwa 70 Prozent der Beschäftigten. 142 Befragte hätten kein bis nur sehr wenig Vertrauen in die direkten Vorgesetzten. 225 würden Außenstehenden nur ungern verraten, dass sie bei Bild arbeiten.

Die Befragung soll Teil des vom Axel-Springer-Verlag angekündigten »Kulturwandels« sein. Tatsächlich dürfte alles so bleiben wie bisher. Intern brauche es ein »Comeback des Miteinanders«, habe Reichelt nun gesagt. Heißt auch: Für menschenverachtenden Mist, der jeden Tag mit großen Buchstaben unter die Massen gebracht werden soll, sind künftig mehr als nur die engsten Buddies um Julian Reichelt verantwortlich.

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