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Aus: Ausgabe vom 29.05.2021, Seite 3 (Beilage) / Wochenendbeilage

Nicht von vornherein Unsinn

Von Arnold Schölzel
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Am Freitag veröffentlichte die New York Times die Ergebnisse einer im März durchgeführten Umfrage in den USA. Demnach sind dort 15 Prozent der Bevölkerung davon überzeugt, »dass die Hebel der Macht von einer Kabale Satan anbetender Pädophiler kontrolliert werden«. 20 Prozent der Befragten erklärten außerdem, sie seien überzeugt, ein Sturm biblischen Ausmaßes werde diese bösartigen Eliten davonschwemmen und »die rechtmäßigen Führer wieder einsetzen«. Die Befrager fanden heraus, diese Auffassungen entsprächen dem, was die auch in der Bundesrepublik erfolgreiche Q-Anon-Bewegung verbreite. Etwa 14 Prozent der US-Amerikaner, d. h. mehr als 30 Millionen Menschen, folgten der zu Gewalt aufrufenden Wahngemeinde, die sich mit Hilfe der US-Internetkonzerne über sogenannte soziale Medien rasch ausgebreitet hat. Ist das etwa deren Zweck? Der Leiter der Umfrage meinte jedenfalls, wäre Q-Anon eine Religion, gehöre sie zu den bedeutenden Gruppierungen wie etwa den Evangelikalen weißer Hautfarbe.

Neu ist das alles nicht. Der verstorbene Menschheitskenner und Sänger Wiglaf Droste verbesserte schon vor Jahrzehnten einen Song von Bob Dylan (»Musse pfeife inne Wind«) mit dem Satz: »Weißer Mann viel Scheiße im Kopf.«

Inzwischen greift das Kopfproblem nicht nur in den USA, sondern auch in deutschen Qualitätsmedien wie der FAZ um sich. Die trägt immer noch aus alten BRD-Zeiten die Selbstbezeichnung »Zeitung für Deutschland« auf Seite eins, was seit längerem eine Falschnachricht ist. Das Blatt fungiert schon geraume Zeit als Außenstelle der Presseabteilung des State Departments in Washington. Da bleibt die Q-Anon-Infektion nicht aus. Ein Musterfall ist der Kommentar des früheren FAZ-Außenpolitikchefs Klaus-Dieter Frankenberger am Freitag unter dem Titel »An den Ursprung der Pandemie«. Der Text widmet sich dem Auftrag, den US-Präsident Joseph Biden seinen Geheimdiensten erteilt hat: innerhalb von 90 Tagen herauszufinden, dass China das Coronavirus in die Welt gesetzt hat. Das hatten die Geheimen zwar schon in den vergangenen 90 Tagen versucht und keine Beweise gefunden, was aber nur den Grund haben kann, dass solange gesucht werden muss, bis die da sind. Denn das Ergebnis steht schließlich fest: China war’s.

Hat mit Wahn nichts zu tun. Frankenberger auch nicht. Er schreibt lediglich: »Dass der frühere Präsident Trump die Laborthese propagiert, diskreditiert sie in den Augen vieler. Doch deswegen ist sie nicht von vornherein Unsinn.« Frankenberger hat auch schon so etwas wie einen Beweis: »Schließlich ist im Wuhaner Institut für Virologie gefährliche, brisante Forschung betrieben worden, übrigens mit amerikanischen Geldern; nicht immer wurden höchste Sicherheitsstandards eingehalten.« Was der FAZ-Mann alles weiß. Vermutlich aus sozialen Netzwerken. Und noch mehr: »China wird eine vollständige, transparente Untersuchung, die Washington will, nicht zulassen.« Washington und transparent? Nun ja. Nach den Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins sucht die Welt noch immer. Immerhin wurde der Iraker schon mal gehängt, was als Beweis reicht. Auch die Asiaten aber haben keinen Respekt vor sich stets bestätigenden Phantasien. Denn: »Schon die Untersuchung der Kommission der WHO war weitgehend eine Farce.« Denn waren die Forscher überhaupt in Wuhan oder nur in einer schnell errichteten Kulissenstadt? Wer 100 Flughäfen baut, bis in Berlin einer steht, der schafft das. Fest stehe, so Frankenberger, schon jetzt, »dass das chinesisch-amerikanische Verhältnis weiter in den Abwärtssog gerät. Dafür sorgt schon die amerikanische Innenpolitik.« Genau, mit im Durchschnitt 15 Prozent Q-Anon. Die FAZ kämpft noch um die Quote.

Waren die WHO-Forscher überhaupt in Wuhan oder nur in einer schnell errichteten ­Kulissenstadt? Wer 100 Flughäfen baut, bis in Berlin einer steht, der schafft das.

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