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Aus: Ausgabe vom 28.05.2021, Seite 8 / Ansichten

Tatortreinigerin des Tages: Annalena Baerbock

Von Arnold Schölzel
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Widersprach völlig faktenfrei Kochef Habecks Forderung nach Waffen für die ukrainischen Faschisten: Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock

In sogenannten Talkshows wischen die Grünen-Vorsitzenden zur Zeit ihren rhetorischen Unfällen und Untaten gegenseitig hinterher. Am Mittwoch abend war Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock bei »Maischberger« dran. Robert Habeck hatte am selben Tag von der ukrainischen »Front« gegen Russland aus in einem DLF-Interview seine Forderung nach Defensivwaffen für die Ukraine erneuert. Das sorgte sogar bei Grünen für Gegrummel. Habecks Begründung: Das Land kämpfe »nicht nur für sich selbst«, sondern verteidige auch »die Sicherheit Europas«. Wem das bekannt vorkommt: 1985 hatte der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende Alfred Dregger US-Senatoren, die gegen einen gemeinsamen Besuch von US-Präsident Ronald Reagan und Bundeskanzler Helmut Kohl an SS-Gräbern in der Eifel waren, empört geschrieben, er habe am letzten Kriegstag mit seinem Bataillon »die Stadt Marklissa in Schlesien gegen die Angriffe der Roten Armee verteidigt«, das heißt schon 1945 »Europa« an der Seite der US-Army geschützt. Habeck 2021 ist ungefähr Dregger 1985. Ukrainische Faschisten jeweils inbegriffen.

Was tun, Frau Baerbock? Routiniert einen Wisch-und-weg-Wortschwall drüberkippen. Startsatz: »Hat er so nicht gesagt.« Es gehe Habeck um die OSZE-Mission in der Ostukraine, die ihre Arbeit nicht machen könne, um Minenräumung und »Luftabwehr«. Selbst Springers neuerdings Grünen-freundliche Welt stellte verblüfft fest: Der Kovorsitzende hatte die OSZE im DLF überhaupt nicht erwähnt. Ihm war die Verteidigung »Europas« gegen Putin wichtiger, womit er lediglich seiner Kanzlerkandidatin folgte. Die hatte Ende April in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Richtlinie ausgegeben, es sei jetzt »das wichtigste, den Druck auf Russland zu erhöhen«. Demnächst wollen die Grünen dem Vernehmen nach einen Alfred-Dregger-Gedächtnispreis stiften.

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Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (28. Mai 2021 um 18:00 Uhr)
    Lehrpläne umschreiben! Vor nicht ganz sechzig Jahren habe ich in Erdkunde gelernt, dass Europa bis zum Ural gehe, und dunkel erinnere ich mich auch noch an so was wie Eurasien und eurasische Platte. Inzwischen hat sich da anscheinend einiges verschoben, nicht die tektonische Platte, aber unter der Glatze. Europa endet offensichtlich inzwischen vor dem Donbass, wie sonst sollte von dort aus die Sicherheit »Europas« verteidigt werden. Ob Herr Habeck durch die Sehschlitze an der ukrainischen Front schon die gelbe Gefahr sah?

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