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Aus: Ausgabe vom 27.05.2021, Seite 5 / Inland
NGG

Keine Hungerlöhne fürs Durstlöschen

Streit um Tarifvertrag in Brauereien im Nordwesten führt zu mehreren Warnstreiks
Von Carmela Negrete
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Rund 200 Beschäftigte der Brauerei Lübz haben am Mittwoch die Arbeit niedergelegt (26.5.2021)

Auch während der Pandemie haben Beschäftigte von Brauereien weiterarbeiten müssen. Seit April verhandelt die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten um einen neuen Tarifvertrag für Nordwestdeutschland (Mecklenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein). Es geht um höhere Löhne. Die Brauereien ihrerseits blocken ab und verweisen auf sinkenden Umsatz durch die Pandemie. Am Mittwoch traten die Beschäftigten von Becks, Carlsberg, Lübzer sowie Flensburger für 24 Stunden in den Streik.

Angesichts der schwierigen Situation und zu einem Zeitpunkt, da »wir seit knapp einem Jahr in der (Außen-)Gastronomie erstmals wider großflächig unsere Produkte verkaufen können«, sei es um so unverständlicher, warum die Gewerkschaft »leichtfertig die Lieferfähigkeit unseres Unternehmens riskiert«, erklärte die Pressesprecherin von Carlsberg Deutschland Linda Hasselmann am Mittwoch gegenüber jW. In einer »ohnehin schon extrem schwierigen Zeit« verursache die Beschäftigtenvertretung »erheblichen finanziellen Schaden«. Auch Becks führt die wirtschaftliche Lage ins Feld. Sprecher Fried Allers äußerte auf jW-Nachfrage: »Wir haben von Anfang an erklärt, dass die unsichere wirtschaftliche Lage uns bisher nicht erlaubte, ein Angebot abzugeben.« Er hoffe auf eine Einigung, »die sowohl die Lage des Unternehmens als auch die derzeit unsichere wirtschaftliche Situation aufgrund der Pandemie widerspiegelt«. Das heißt im Klartext, die Beschäftigten sollen auf eine reguläre Lohnerhöhung verzichten und sich statt dessen mit einer Einmalzahlung zufriedengeben.

Die deutsche Brauwirtschaft habe im abgelaufenen Jahr mit mehr als fünf Millionen Hektolitern beim Absatz einen traurigen Minusrekord seit der Nachkriegszeit erreicht. Die Schließung der Gastronomie, von Vereinen und der Ausfall von Veranstaltungen wurden nicht durch staatliche Überbrückungshilfen entschädigt. Die Forderungen der Beschäftigten nach 4,5 Prozent mehr Lohn seien daher zu hoch. Zuletzt haben die Firmen eine Coronaprämie in Form einer einmaligen Sonderzahlung in Höhe von 500 Euro für 2021 angeboten. Das reicht Jörg Dahm, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten in Mecklenburg-Vorpommern, nicht. Er erklärte gegenüber jW am Mittwoch: »Der Arbeitgeber bietet uns leidglich eine Coronaprämie an, die steuerfrei und nicht sozialversicherungspflichtig ist. Das ist zu wenig.« Statt dessen bräuchten die Beschäftigten »eine richtige Lohnerhöhung«. Deshalb »fordern wir 4,5 Prozent«. Bereits in der Vergangenheit habe man Lohnerhöhungen mit anderen Begründungen verhindern wollen.

»Wir lehnen das Angebot der Arbeitgeber ab, die statt realer Entgelterhöhungen nur Einmalzahlungen durchsetzten wollen, für die keine Beiträge in die Renten-, Kranken- und Versicherungskassen eingezahlt werden und die zeitlich begrenzt wirksam sind«, sagte Dahm. Aus den Steuern werde letztendlich auch der Staat finanziert, der wie die Pandemie gezeigt habe, zur Not einspringt. Zudem hätten die Beschäftigten die Produktion während der Pandemie trotz Coronaausbrüchen aufrechterhalten. In den Betrieben würden nicht nur alkoholhaltige Getränke produziert, und außerdem musste man ohnehin die Supermärkte und andere Geschäfte beliefern, die während der Pandemie geöffnet waren. Die Kapitalseite dürfe natürlich einen Vorschlag machen, aber den finden »wir nicht gut und streiken deshalb«. Der Betriebsrat der Brauerei Lübz, Rico Krey, erklärte zudem, dass »die Forderungen und das Angebot« wegen der Inflationsrate nicht zusammengefunden hätten. Schon deshalb müssten die Löhne »einfach angehoben werden«. Ein »schlechter Tarifvertrag würde uns alle betreffen«.

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