1.000 Abos für die Pressefreiheit!
Gegründet 1947 Freitag, 25. Juni 2021, Nr. 144
Die junge Welt wird von 2552 GenossInnen herausgegeben
1.000 Abos für die Pressefreiheit! 1.000 Abos für die Pressefreiheit!
1.000 Abos für die Pressefreiheit!
Aus: Ausgabe vom 25.05.2021, Seite 8 / Ansichten

Keine Gerechtigkeit

Waffenruhe in Nahost
Von Nick Brauns
984.JPG
Palästinenser kehren in ihre zerstörten Häuser zurück (Beit Hanun in Gaza, 21.5.2021)

Die in der Nacht zum Freitag in Kraft getretene Waffenruhe zwischen Israel und der islamistischen Hamas scheint zu halten. Für die Menschen im Gazastreifen, die elf Tage lang schutzlos dem Bombenterror der stärksten Militärmacht des Nahen Ostens ausgesetzt waren, ist das eine gute Nachricht. Und auch die Israelis, die nächtelang in Schutzbunkern verweilen mussten, können wieder durchatmen. Nicht die hohe Zahl der von beiden Seiten abgeschossenen Raketen, sondern die extrem ungleich verteilte Zahl der Todesopfer – 13 Israelis gegenüber 248 Palästinensern – und die extremen Verwüstungen in Gaza gegenüber den geringeren Schäden auf israelischer Seite verdeutlichen, dass es sich um einen überaus asymmetrischen Kolonialkrieg gehandelt hat.

Der UN-Sicherheitsrat sprach sich am Sonnabend für schnelle humanitäre Hilfe im Gazastreifen aus und betonte die Dringlichkeit eines »dauerhaften Friedens« mit dem Ziel, »zwei demokratische Staaten« Israel und Palästina zu schaffen. Die israelische Führung um Premierminister Benjamin Netanjahu übte sich derweil in wortgewaltigen Drohungen gegen die Hamas und warnte, dass Wiederaufbaumittel in den seit 14 Jahren von Israel unter Blockade gestellten Gazastreifen der islamistischen Bewegung zugute kämen.

Unterdessen stürmen seit der Nacht zum Montag schwerbewaffnete Polizisten die Wohnungen palästinensischer Familien in Israel und Ostjerusalem. Die auf 48 Stunden angelegte Operation gilt nach Polizeiangaben der Festnahme von 500 Palästinensern, die in den letzten Wochen an »Ausschreitungen« beteiligt gewesen sein sollen. Teilnehmer rechtsradikaler jüdischer Mobs, die unter dem Ruf »Tod den Arabern« marodierend durch vorwiegend von Muslimen bewohnte Stadtviertel gezogen waren, müssen indessen keine solchen Festnahmen befürchten. Die Razzien erscheinen somit als Rache des jüdischen Staates an seinen arabischen Staatsbürgern. Denn diese hatten es nach Jahren des Duldens gewagt, gegen ihre Diskriminierung als Bürger zweiter Klasse aufzubegehren und den Schulterschluss mit den noch rechtloseren Palästinensern in den besetzten Gebieten zu üben.

»Friede ist nicht Abwesenheit von Krieg. Friede ist eine Tugend, eine Geisteshaltung, eine Neigung zu Güte, Vertrauen, Gerechtigkeit«, wusste der niederländisch-jüdische Philosoph Baruch de Spinoza (1632–1677). Diese Erkenntnis teilen Tausende jüdische und palästinensische Israelis, die sich am Sonnabend in Tel Aviv unter Losungen wie »Dies ist unser aller Heim« und »Gleichberechtigung für alle Bürger« zur seit Jahren größten Demonstration gegen die Besatzung in Israel versammelt hatten. Denn Gerechtigkeit und Vertrauen setzten gleiche Rechte und gleichen Zugang zu Land und Ressourcen statt Apartheid und Vertreibung voraus. Ohne einen Bruch mit der Logik des zionistischen Kolonialprojektes wird es daher keinen dauerhaften Frieden für jüdische Israelis und Palästinenser geben können.

1.000 Abos jetzt

Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

Ähnliche:

  • Für ein Ende des Bombardements und der Belagerung Gazas: Solidar...
    22.05.2021

    »Palästinensische Narrative kommen zu kurz«

    Debatte um Nahost-Konflikt: Jüdische Friedensorganisation fordert Ende von Besatzung und jeglicher Gewalt. Ein Gespräch mit Lili Sommerfeld
  • BRD-Presse hat genaue Vorstellungen, wie über Palästina und Soli...
    20.05.2021

    Auf Linie

    Deutscher Auslandssender weist seine Mitarbeiter zum richtigen Sprachgebrauch in bezug auf Nahostkonflikt an

Mehr aus: Ansichten