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Mauern überwunden

Erster Kontaktbesuch beim politischen US-Gefangenen Mumia Abu-Jamal nach Herzoperation
Von Noelle Hanrahan
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Für Mumia Abu-Jamal überlebenswichtig im Knast: Solidarische Unterstützung (Philadelphia, 18.4.2019)

Pam Africa sagte mir neulich, wir müssten Mumia besonders »im Auge behalten«. Als ich am Freitag, dem 7. Mai 2021, mittags die Besucherzelle betrat, sagte Mumia: »So einfach kann man also über diese Mauern klettern, Schwester!« Er gluckste. »Wie zum Teufel hast du es geschafft, hier hereinzukommen?« Ich zuckte mit den Schultern und stellte die Gegenfrage: »Seit wann lassen wir uns von Mauern aufhalten?« Wir tauschten einen Highfive-Gruß an der Trennscheibe aus. Dann sagte ich: »Ich habe den Wärter gerade gebeten, sich darum zu kümmern, dass wir jetzt den Kontaktbesuch machen können, der mir gestern von der Anstaltsleiterin genehmigt wurde, weil deine Quarantäne beendet ist.« Mumia antwortete: »Okay, dann lass uns reden, und wenn der Wärter zurückkommt, können wir ja in den anderen Raum umziehen.« Zehn Minuten später war es soweit, mein Kontaktbesuch bei Mumia war bestätigt, und wir konnten ohne die Plexiglastrennscheibe weiterreden. Nach einem Ellbogengruß und einer Umarmung setzten wir uns an einen Tisch im völlig leeren Besuchsbereich im Staatsgefängnis SCI Mahanoy in Pennsylvania.

Zuerst möchte ich betonen, dass Mumia großartig aussieht. Er hat wieder Energie. Er lächelte breit unter seiner Gesichtsmaske. Er lachte und erklärte, er habe eine weitere Chance erhalten zu leben. Er klang genau wie »Tony der Tiger« (das bekannte Maskottchen aus der Werbung für US-Frühstückscerealien, jW), wenn er brüllt: »Ich fühle mich großartig!« Ich kann mir vorstellen, dass es nach Monaten der Herzinsuffizienz gut ist, wieder ein funktionierendes Herz zu haben, und dass es dazu beiträgt, dass Mumia sich wieder stark genug fühlt, die Wiederherstellung seiner Gesundheit in Angriff zu nehmen. Erkrankungen des Herzens können vollständig geheilt werden, auch wenn die richtige Ernährung und ausreichende Bewegung eine große Herausforderung sind in einem Gefängnis, das für seine Totaleinschlüsse der Häftlinge bekannt ist und in dem der strikte Lockdown wegen der Coronapandemie ein volles Jahr dauerte.

Über Mumias Brustbein zieht sich jetzt eine lange, schmale Narbe hin. Sie ist das Ergebnis einer doppelten Bypassoperation am offenen Herzen, die erst wenige Tage zurückliegt. Er ist ein schlanker Mann von etwa 90 Kilogramm bei 1,80 Meter Körpergröße und befindet sich auf dem Weg der Genesung. Mumia erwartet, dass er sehr bald von der Krankenstation in den normalen Zellentrakt verlegt wird.

Mumia lässt durch mich alle wissen, wie sehr er sich bewusst ist, dass die Solidaritätsbewegung dafür gesorgt hat, dass seine Erkrankung ernstgenommen und endlich richtig diagnostiziert wurde. Mumia weiß, dass er nicht überlebt hätte, wenn die Außenwelt nicht ein grelles Scheinwerferlicht auf die Haftbedingungen und den Zugang zu einer angemessenen medizinischen Versorgung geworfen hätte.

Wenn ein Besuch zu Ende geht, dann beginne ich den Prozess des Verabschiedens immer mit dieser Frage an Mumia: »Was willst du?« Mumias Antwort: »Ich will einen Weg finden, zu siegen und um verdammt noch mal endlich hier rauszukommen!«

Text der handschriftlichen Botschaft von Mumia im Besuchsraum des Staatsgefängnisses SCI Mahanoy, geschrieben auf einen Notizblock für seine Unterstützerinnen und Unterstützer: »Ich liebe euch alle! Danke, dass ihr Teil meines Lebens seid! Ich werde von eurer Liebe und Stärke getragen und mein Herz mit Optimismus erfüllt! Bis zur Freiheit! In Liebe, Mumia.«

Der Besuchsbericht der Produzentin von Prison Radio, Noelle Hanrahan, erschien zuerst online am 7. Mai 2021 im Jamal Journal

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