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Aus: Ausgabe vom 07.05.2021, Seite 8 / Ansichten

Schwach gegen unbekannt

Von Gerd Wiegel
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Alice Weidel und Tino Chrupalla stellen sich als Spitzenkandidatenduo der AfD zur Bundestagswahl (Berlin 5.5.2021)

Schwach gegen unbekannt: So ließe sich der angekündigte Kampf um die Kür des Spitzenpersonals der AfD für die Bundestagswahl zusammenfassen. Während das Duo Weidel/Chrupalla für Fraktion und Partei nachgewiesen hat, dass es weder integrativ wirken kann und will noch rhetorisch besonders beschlagen ist, stutzen bei den Namen Cotar/Wundrak selbst langjährige Beobachter der AfD und fragen sich, mit wem sie es hier zu tun haben.

Mit einem Generalleutnant a. D. der Bundeswehr und einer ausgewiesenen Netzpolitikerin wollen die Bürgerlich-Konservativen der AfD die völkische Rechte der Partei herausfordern. Joachim Wundrak und Joana Cotar stehen nach eigener Aussage gegen die weitere Rechtsverschiebung der AfD, auch wenn diese sie in den vergangenen vier Jahren nicht am Engagement für die Partei der Gaulands und Höckes gehindert hat. Neben ihrer bundespolitischen Unbekanntheit kommt das Manko hinzu, dass beide aus dem Westen kommen, womit es dem Meuthen-Lager – für das sie antreten – noch schwerer fallen dürfte, Zustimmung in den erfolgreichen ostdeutschen Landesverbänden zu bekommen.

Alice Weidel und Tino Chrupalla sind zwar leidlich präsent in der Öffentlichkeit, als Sympathieträger und unumstrittene Führungsfiguren der Partei gelten sie beileibe nicht. Chrupalla, der als Handwerksmeister aus Sachsen als einziger in der Runde eine gewisse Bodenständigkeit hat, ist williges Werkzeug der völkischen Rechten, auf deren Ticket er zum Parteivorsitzenden wurde. Weidel ist trotz sozial- und wirtschaftspolitischer Differenzen inzwischen vollständig abhängig von den Völkischen. Dass es die Parteiführung nicht geschafft hat, ein Team zu präsentieren, das die unterschiedlichen Strömungen abbildet, zeigt einmal mehr, dass der Riss unüberwindlich geworden ist.

51:49 wäre ein Traumergebnis für die Kür des Spitzenpersonals. Für wen, das wäre dann ziemlich egal, denn es würde die maximale Spaltung der Partei auch in den Wahlkampf tragen. Ob die kurze Auseinandersetzung zwischen den Teams Chrupalla/Weidel und Cotar/Wundrak das Schauspiel Laschet/Söder übertreffen kann, darf jedoch bezweifelt werden. Immerhin: Konservative und extreme Rechte bieten schon im Vorwahlkampf einiges an Unterhaltung. Nach der »asymmetrischen Mobilisierung«, wie Wahlforscher die Einschläferungstaktik Angela Merkels bei den letzten beiden Bundestagswahlen nannten, deutet sich für den September eine spannendere Auseinandersetzung an.

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