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Aus: Ausgabe vom 06.05.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Sinnlos verpufft

Zu jW vom 23.4.: »Grüne Klimapolitik«

Wozu will Annalena Baerbock für die Bundeswehr Gewehre, »die schießen«, wie sie selbst sagte? Amtshilfe für die Forstverwaltung hat diese wohl eher selten zu leisten: Hat sich jene seit Jahrzehnten mit zu hohen Rotwildbeständen zu befassen, die unter anderem mit Jagdwaffen zu regulieren allenfalls sinnvoll sein könnte, so wäre mir entgangen, dass dafür jemals Beschaffungsprobleme aufgetreten wären – zumal die CDU-Ministerinnen und -Minister Thomas de Maizière, Ursula von der Leyen und Annegret Kramp-Karrenbauer niemals für Forste zuständig waren: CDU-Lach- und Weinkönigin Julia Klöckner würde den Rehen wohl eher leckere Giftlimonaden aus dem Hause Bayer-Monsanto spendieren … Andererseits ist die Bundeswehr der Einzelbetrieb mit den höchsten CO2-Emissionen, so dass eben nicht nur ihre Gewehre nicht schießen sollten (womit dann das »Kommando Spezialkräfte« ohnehin nur Unfug treibt), sondern möglichst auch ihre Fahrzeuge nicht fahren, vor allem aber ihre Flugzeuge nicht fliegen dürfen! Das ersparte nicht nur bedeutende Mengen an CO2, nicht nur viel gesundheitsschädlichen Lärm, sondern auch die Vergeudung anderswo dringend benötigter Geldmittel, wenn eine einzige Flugstunde etwa den Gegenwert einer Sozialwohnung in die Luft pufft. Und bei allem Respekt für US-Präsident Joseph Bidens Programm für zukunftsfähige Energiegewinnung: Die total überrüstete US Air Force dürfte die Bundesluftwaffe in Absolutzahlen und relativem Anteil völlig überflüssiger CO2-Emissionen noch bei weitem übertreffen. Zudem weist im direkten Vergleich mit den USA China den mit Abstand brauchbareren Schienenpersonenfernverkehr auf: So etwas haben die USA allenfalls an beiden Küstenstreifen in halbwegs neuzeitlichem Ausmaß zu bieten. Der »Green New Deal« muss also erst mal beginnen. (…)

Bernhard May, Solingen

Auf den Zahn

Zu jW vom 12.4.: »Totschläger, Totengräber«

Gerd Schumann beweist in seinem Buch über »Joschka« Fischer eine profunde Kenntnis der lebensgeschichtlichen Hintergründe des ehemaligen deutschen Außenministers. Dieser Außenminister polte die deutschen Grünen zur Kriegspartei um, und sie ließen sich umpolen. Madeleine Albright schuldet ihm sicher Dank, die serbischen Kinder, die aufgrund der Uranmunition wie die Fliegen an multiplem Krebs sterben, sicher nicht. Hat sich Fischer damit einmal befasst? Oder würde er genauso urteilen wie damals: Das war nötig, den Krieg von 1999 zu führen? War es wohl nötig, Kosovo und Serbien mit radioaktiver Munition zu vergiften? Steht Fischer heute dazu? Leider fühlt ihm die »grüne« Umweltpartei nicht auf den Zahn, sie bleibt so unglaubwürdig wie 1999. Und Fischer wird sich für die Nachwelt in dieselbe Tradition einreihen lassen müssen, die auch dem deutschen Großmachtstreben sowohl von 1914 wie 1939 zugrunde lag.

Dr. Barbara Hug, Schweiz

Immer mehr

Zu jW vom 29.4.: »Mehr Stoff«

Letztlich zielen alle vermeintlichen Alternativen zu fossilen Brennstoffen darauf ab, das System »kapitalistisches quantitatives Wachstum« mit Hilfe neuer technischer Mittel umweltverträglich und langfristig weiterführen zu können. Das wird allerdings nicht funktionieren, denn solches Wachstum braucht naturgemäß weiterhin immer mehr, immer neues Wachstum, und auch die neuen technischen Hilfsmittel wie die Wasserstofftechnologie brauchen, wie man sieht, andere Ressourcen – und davon ebenfalls immer mehr. In der kapitalistischen Idee ist kein Platz für die Tatsache, dass Rohstoffe nur begrenzt vorhanden sind und die »Party« nach 150 Jahren hemmungsloser Verschwendung langsam, aber sicher zu Ende geht. Die Alternative könnte nur heißen »geplantes qualitatives Wachstum«, orientiert an dem Erhalt von Umwelt und einer lebenswerten Zukunft für Mensch, Tier und Natur. Angesichts der totalitären Strukturen des jetzigen Profit- und Konkurrenzsystems scheinen die Aussichten allerdings nicht sehr günstig für eine derart radikale Umkehr der bisherigen Lebens- und Wirtschaftsweise.

Dieter Reindl, Nürnberg

Großer Unsinn

Zu jW vom 22.4.: »Kurs bleibt unverändert«

(…) Es wäre für mich unvorstellbar, in der jW auf einen Artikel zu stoßen, in dem Juan Guaidó als »Präsident Venezuelas« dargestellt wird. Oder der einfach mal die Exilkubaner in Miami mit dem kubanischen Volk verwechselt. Um so größer war mein Unverständnis, als ich las, was Ihr über »Wahlen in Tibet« schreibt. Diese »Wahlen« fanden nämlich gar nicht in Tibet statt, sondern unter den Exiltibetern, die weniger als drei Prozent der Tibeter insgesamt ausmachen. (…) Der Autor lässt den »Präsidenten« der Exiltibeter ausführlich und völlig kritiklos zu Wort kommen. Dabei vergisst er sogar, die nicht ganz unerhebliche Tatsache zu erwähnen, dass dieser erste »Sikyong« ein US-amerikanischer Staatsbürger ist und noch nie einen Fuß auf tibetisches Territorium gesetzt hat. Außerdem hätte es die jW-Leser sicher interessiert, dass die Pseudo-»Regierung« der Exiltibeter mit US-Hilfe etabliert wurde und bis heute von der CIA ausgehalten wird. »Tibets Status ist Gegenstand von Konflikten«, heißt es. »Nach Chinas Ansicht ist das Land seit Mitte des 13. Jahrhunderts historisch Teil seines Territoriums, die Kommunistische Partei habe die Himalajaregion seit 1951 regiert. Laut der Exilregierung im indischen Dharamsala ist Tibet den größten Teil seiner Geschichte aber unabhängig gewesen.« Diese Art der Berichterstattung ist wohl das, was die bürgerliche Presse »objektiv« nennt? Das erklärt dann allerdings nicht, was ein solcher Unsinn in der jW zu suchen hat. Die »Kommunistische Partei habe die Himalajaregion (gemeint ist wohl Tibet?) seit 1951 regiert«? Hat sie oder nicht? Außerdem: Indem man die Bezeichnung »Exilregierung« ohne Anführungszeichen schreibt, erkennt man deren Existenz (Legitimität?) an. Das tun, zumindest offiziell, nicht mal die westlichen imperialistischen Staaten.

Albert Ettinger, per E-Mail

In der kapitalistischen Idee ist kein Platz für die Tatsache, dass Rohstoffe nur begrenzt vorhanden sind und die ›Party‹ nach 150 Jahren Verschwendung zu Ende geht.

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